1. Wetterauer Zeitung
  2. Hessen

Goisern - das musikalische Kraftpaket aus Oberösterreich

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Marburg (ik). So etwas gibt’s gemeinhin nur bei den richtig guten Rockkonzerten vom alten Schlag zu erleben: Ein Publikum, das völlig aus dem Häuschen ist und die Protagonisten auf der Bühne enthusiastisch und lautstark mitsingend feiert. Am Ende sind dann alle schweißgebadet.

Und nun: Weltmusik. Aus Oberösterreich. Von einem Mannsbild aus dem Salzkammergut, das als unermüdlicher Klangbotschafter Musik in vielen Teilen der Erde gesammelt und sich zu eigen gemacht hat. Hubert von Goisern. Am Montag gastierte der Erfinder des Alpenrock und Innovator der österreichischen Musikszene einmal mehr in der mit 1200 rundum begeisterten Fans ausverkauften Marburger Stadthalle. Dort hatte er letztmals im April 2009 für Furore gesorgt, im Sommer 2011 war er dann in Gießen openair auf dem Schiffenberg zu Gast.

Juchizer in Wohnzimmeratmosphäre

Um es vorwegzunehmen: Mehr als satte zweieinhalb Stunden heizte »HvG« dem Marburger Publikum gemeinsam mit seinen jungen Verbündeten vom klingenden Konzertschiff auf der Donau (die AZ berichtete) – dem Schlagzeuger Alexander Pohn, dem Bassisten Helmut Schartlmüller und dem Gitarristen Severein Trogbacher – ein. Und hatte selbst seine wahre Freude daran. Da lebten die Erinnerungen an die Alpinkatzen wieder auf, jenen Weggefährten, mit denen Hubert von Goisern Anfang der Neunzigerjahre im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt wurde.

Der stete Kontakt mit den »Manderln und Weiberln« vor der Bühne zahlte sich für beide Seiten aus. Mindestens genauso frenetisch wie für seine kongeniale Musik wurde Hubert von Goisern als Erzähler gefeiert: »Das letzte Album haben Sie total an mir vorbei komponiert« zitierte er schmunzelnd aus einem »Fan-Brief«. Glasklar der Sound, jedes Wort zu verstehen – vorausgesetzt, man ist gut Freund mit der östereichischen Lautmalerei – »dös basst scho, dös geht si aus!« Unter freiem Himmel mit all den störenden Nebengeräuschen ist da seinerzeit in Gießen so mache Anekdote verhalt…

Stand der erste Teil des Konzertes im Zeichen der aktuellen »Entweder und Oder«-Produktion, so wurde spätestens die zweite Hälfte dem Tour-Motto mehr als gerecht: »Brenna tuats!« Hubert von Goisern habe seiner Musik das Fell abgezogen, hieß es in den PR-Texten, und er erzähle in seinen bis aufs Gerippe gehäuteten neuen Liedern von den grundlegenden Zusammenhängen des Lebens. Stimmt. Nach großen Abenteuern und intensivem Auskundschaften in den letzten 15 Jahren wagt es Hubert von Goisern nun, an den Ausgangspunkt seiner Musik anzuschließen.

Auf der in wohliges Licht getauchten Bühne, die mit roten Lampenschirmen an ein gemütliches Wohnzimmer erinnert, lässt »HvG« seinem unfassbaren Talent freien Lauf - spielt die Steirische, die Maultrommel, E-Piano, Kuhglocken, Gitarre und ein indisches Saiteninstrument, für das ihm kein deutscher Name einfällt. Manchmal erreicht das alles auch noch ein geradezu infernalisches Tempo. Er rockt, jodelt, schreit, stampft und haucht seine Lieder – geradezu tollkühn die Sequenz im altenbekannten »Oben und unten«, in der das muntere Quartett auf der Bühne die komplette Stadthalle zum kollektiven Juchizer aufstachelt – »aba solang no den Musi spült…« Ja, solange »der Hubert« nur seine Musik spielt – die macht man sich doch gern zu eigen. »Heast as nit«, »Weit weit weg« und (natürlich) das »Hiatamdal« erklingen in einem wunderschönen, vielhunderstimmigen Chor. Schön war’s.

Auch interessant

Kommentare