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Gießener Geschäftsmann sammelt Weltkriegs-Bunker

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Gießen (mö). Der Gießener Geschäftsmann Daniel Beitlich hat ein ungewöhnliches Hobby: Er sammelt Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. »Gisela« heißt das neueste Stück in der Sammlung.

Eigentlich ist der Gießener Geschäftsmann Daniel Beitlich dafür bekannt, dass er aus den Dingen, die er kauft, etwas macht. Bei den Kasernenblocks in der Rivers Automeile war das so, bei der Heyligenstaedt-Verwaltung am Aulweg auch, ebenso beim Bänninger-Gelände oder dem Poppe-Areal. Bei seiner neuesten Erwerbung ist das anders. »Damit kann man eigentlich gar nichts machen«, sagt Beitlich, während er auf das moosbedeckte Haus zeigt. Es handelt sich um den außerhalb der Automeile im Wald liegenden Nachrichtenbunker »Gisela«, der zur in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entstandenen Militäranlage »Hansa« gehört. Das knapp 3000 Quadratmeter große Bunkerareal hat Beitlich vor einigen Tagen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gekauft.

Es ist der mittlerweile sein vierter Bunker. »Ist irgendwie ein Hobby von mir geworden. Die Dinger haben einen morbiden Charme«, sagt Beitlich. Als er vor einigen Jahren die Kasernenblocks der früheren Rivers Barracks erwarb, in denen die Kreisverwaltung residiert, wurde er auch Eigentümer eines der beiden Spitzbunker. Dann kam der Stabsbunker »Hansa II« dazu, den er bei einer Zwangsversteigerung erstand. Das frühere Militärobjekt, das die Wehrmacht zur Tarnung wie ein Bauernhaus gestaltete, wurde von Beitlich durchsaniert und ist heute Sitz einiger junger Firmen aus Gießen. Nebenan residiert der Musik- und Kunstverein (MuK). Dann kaufte Beitlich noch einen als Kirche getarnten Zivilschutzbunker in Frankfurt-Fechenheim. Zur kleinen Bunker-Sammlung kommt nun auch der geheimnisumwitterte Nachrichtenbunker im Stadtwald hinzu, den die Bima im Herbst zum Verkauf angeboten hatte.

Erhalt ist das Ziel

Wie Beitlich berichtet, gab es erstaunlich viele Gebote. Interessenten hätten den Bunker gerne als Lagerhaus, Grillhütte oder Vereinsdomizil genutzt. Dabei lassen die Bauleitplanung und der Zustand des drei Stockwerke in die Erde reichenden Komplexes keine neue Nutzung zu. Entsprechend sieht auch Beitlichs Plan für die unter Denkmalschutz stehende Anlage aus: »Er bleibt so stehen wie er ist. Die Erhaltung ist das Ziel.«

Und die Sicherung, denn der neue Eigentümer weiß um die Anziehungskraft, die die Militäranlagen aus der Nazizeit bis heute ausüben. Als er und der Landkreis nach dem Umbau der Rivers Barracks einen Tag der Offenen Tür veranstalteten und dabei auch den Spitzbunker zugänglich machten, rannten ihm die Leute die Bude ein. »Ich dachte, da kommen vielleicht 20, 30 Personen und wir machen eine Führung. Es waren dann so um die 350«, erinnert sich Beitlich.

So ähnlich lief es Anfang September, als der Verein Bunkermuseum Hansa, der den Tiefbunker im Wald zwischenzeitlich von der Bima gemietet hatte, ihn am Tag es Offenen Denkmals öffnete. Hunderte Neugierige aus ganz Mittelhessen stiegen in die geheimnisvolle Welt von »Gisela« hinab. Eine Wiederholung hat Beitlich vorerst nicht vor, denn das sei zu gefährlich.

Sein neuer Bunker, der in den Jahren 1939 und 1940 entstand, sollte der Heeresführung der Wehrmacht ursprünglich als Hauptquartier für die Kriegsführung des nationalsozialistischen Deutschlands gegen Frankreich dienen. Genutzt wurde die Anlage dann hauptsächlich zur Schulung von Nachrichtenhelferinnen. Vor und nach dem Kriegsende wurden die Bunker von Deutschen und Amerikanern zerstört und geflutet. Seit einigen Jahren steht die ehemalige Wald- bzw. Verdunkaserne als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Im Online-Portal des Landesamtes für Denkmalpflege heißt es dazu: »Von besonderem Interesse sind auch die weitläufigen unterirdischen Anlagen des etwas abgelegenen Nachrichtenbunkers. Die ehemalige Kasernenanlage ist eine Sachgesamtheit von besonderer historischer und – hinsichtlich der Bunkeranlagen – auch bautechnischer Bedeutung.« (mö/Foto: Schepp)

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