Wer die gut eine Million Euro bei der Volksbank geklaut hat, sitzt auf einem ansehnlichen Stapel Papiergeld.
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Wer die gut eine Million Euro bei der Volksbank geklaut hat, sitzt auf einem ansehnlichen Stapel Papiergeld.

Geld aus Volksbank-Zentrale bleibt verschwunden

Gießen (sha). Wie konnte am Montag mehr als eine Million Euro einfach so aus einem speziell gesicherten Bereich der Volksbank-Zentrale im Schiffenberger Weg verschwinden (die GAZ berichtete)? Diese Frage bleibt noch immer unbeantwortet. Dabei ist der Kreis derer, die Zugang zu den sensiblen Räumlichkeiten innerhalb des Geldinstitutes hatten, überschaubar.

Zwar wollte Dennis Vollmer, Pressesprecher der Volksbank Mittelhessen, am Mittwoch keine Angaben dazu machen, wie viele Mitarbeiter konkret berechtigt sind, diesen Bereich zu betreten. Laut Polizei sind aber bereits knapp zehn Volksbank-Angestellte vernommen worden, die am Montag Zutritt zu dem betroffenen Gebäudetrakt hatten. Allerdings, ohne dass sich dabei ein konkreter Verdacht ergeben habe, wie Jörg Reinemer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, am Mittwoch auf Anfrage dieser Zeitung betonte.

Teils Spott in den Medien

Außerdem werden Kripobeamte auch noch Personen überprüfen, die lediglich vorübergehend einen Zugang zu dem genannten Bereich hatten, zum Beispiel Mitarbeiter externer Dienstleister. Auch Angestellte eines heimischen Kurierdienstes, der an diesem Tag die Geldpakete im Wert von 1,2 Millionen Euro an umliegende Filialen verteilen sollte, sollen noch als Zeugen gehört werden, sagte Reinemer. Allerdings gebe es keinen konkreten Verdacht in dieser Richtung, da das Geld bereits verschwunden war, als der Kurierfahrer eintraf.

Oder haben unter Umständen Dritte sensible Zugangsdaten gestohlen und sich widerrechtlich Zutritt zu dem Gebäude verschafft? Auch dies werde überprüft, äußerte Reinemer. "Wir ermitteln in alle Richtungen." Gab es keine Sicherheitskameras, die den Diebstahl gefilmt haben? In dem Raum, in dem die Geldpäckchen bereitlagen, nicht, berichtete Reinemer. Allerdings würden die Kameras umliegender Räume ausgewertet.

Muss die Gießener Volksbank-Zentrale ihr Sicherheitskonzept überdenken? Steffen Steudel, Pressesprecher des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), äußerte sich gegenüber der GAZ zurückhaltend. Dazu gebe es seitens des BVR keine Vorgaben. Die Banken regelten dies individuell. Trotzdem gibt es Kontrollen: Oliver Struck, Pressesprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), unterstrich zwar ebenfalls, dass die Banken bei der konkreten Ausgestaltung "einen Spielraum haben", jedoch "sicherstellen müssen, dass die Vermögenswerte geschützt werden".

Etwas bissiger lasen sich Kommentare, die Leser auf der Homepage dieser Zeitung eingestellt hatten: "Ohne Waffengewalt hat eine Person (?) viel Geld verschwinden lassen. Erstaunlich. Hat irgendwie etwas von Hollywood." Oder: "Wie kann bei einer Bank ein solch hoher Geldbetrag einfach verschwinden? Gibt es denn keine Sicherheitssysteme, die so etwas verhindern können? Schon recht seltsam diese Nachricht im Jahre 2016." Und: "Einfach so eine Million weg. Da sieht man es wieder ganz deutlich: Unser Geld ist nix mehr wert."

Mehr Hohn und Spott gab es auf anderen Web-Seiten und im Radio. Ein Sender zog die Volksbank durch den Kakao, indem man einen vermeintlichen Unternehmenssprecher im Radio nach einem Auszubildenden fahnden ließ, der angeblich Urlaubsbilder aus der Karibik veröffentlicht habe. Dies dürfte im Schiffenberger Tal zu Recht auf Unmut gestoßen sein. Bei aller Verwunderung über die Geschehnisse sollte nicht vergessen werden, dass das Geld aller Voraussicht nach nicht aus Unachtsamkeit verloren gegangen, sondern das Geldinstitut offenbar Opfer einer Straftat geworden ist.

Quelle: Gießener Allgemeine

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