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»Für diesen Bahnhof gibt niemand mehr Geld aus«

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Butzbach (khn). Das Bahnhofsgebäude ist für viele Menschen die Visitenkarte einer Stadt – ob sie aus dem Zug aussteigen oder nur durchfahren. Wenn dem so ist, dann hinterlässt Butzbach einen schlechten Eindruck.

Butzbach (khn). Das Bahnhofsgebäude ist für viele Menschen die Visitenkarte einer Stadt – ob sie aus dem Zug aussteigen oder nur durchfahren. Wenn dem so ist, dann hinterlässt Butzbach einen schlechten Eindruck: Defekte Jalousien hängen im Obergeschoss und drohen, bei einem Sturm herunterzufallen. In der Außenwand vom Bahnsteig her klafft ein großes Loch, durch das man einen Heizkörper sehen kann. Die Fensterscheiben zum Vorplatz hin sind durch Sperrholzplatten ersetzt. Direkt darunter hat sich eine Metallschiene gelöst, die Passanten gefährden kann. »Wir fordern die Deutsche Bahn als Eigentümerin auf, das Gebäude zu sichern, ihrer Reinigungspflicht nachzukommen und den optischen Zustand endlich ansehnlich zu gestalten«, betont Helmut Hankel, Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung bei der Stadt. Ein Bahnsprecher wiegelt ab: Man werde dort kein Geld mehr investieren.

»Der Zustand verschlechtert sich von Monat zu Monat«, sagt Hankel. Grund seien die seit drei Jahren laufenden Verhandlungen über den Verkauf des Bahnhofs an die Stadt. »Die wollen viel Geld dafür haben«, betont er.

Konkrete Zahlen will Hankel wegen der laufenden Verhandlungen nicht nennen. Klar ist aber: Es ist zu viel für die Stadt. Denn das Gebäude sei nur noch zum Abriss geeignet. Er frage sich, wer dafür noch Geld zahlen wolle. Warum die Bahn das Gebäude verfallen lasse, ist für den Stabsstellenleiter klar: Der Bahnhof sei für das Unternehmen entbehrlich, es gebe dort schließlich keine Angestellten oder Schalter mehr. Hankel: »Die wollen das aussitzen.«

Die Bahn habe der Stadt vor Jahren empfohlen, einen Investor ins Boot zu nehmen – so wie es Bad Nauheim getan hat. »Doch wir haben keinen Jugendstil-Bahnhof«, bedauert Hankel. Nach dem Hessentag habe sich zwar ein Investor gemeldet. Er habe geplant, Einzelhändler rund um den Bahnhof anzusiedeln. »Aber dem war bald klar, dass das utopisch ist. Er zog sich schnell zurück.« Seitdem sei es ruhig.

Auf die Frage, welche Mittel der Stadt bleiben, wenn sich die Bahn weiterhin einer Einigung entziehe, antwortet Hankel: »Wegen der Bausicherheit das Kreisbauamt einschalten.« Das sei zwar ein drastischer Schritt, den die Stadt vermeiden wolle, »aber wenn Menschen gefährdet sein sollten, müssen wir etwas tun.« Das Bauamt kann in so einem Fall das Gelände mit Bauzäunen sichern. Der Eigentümer – in diesem Fall die Deutsche Bahn – wird jedoch zuvor auf den Zustand des Gebäudes hingewiesen.

Ein Bahnsprecher ist überrascht, als er auf das marode Gebäude angesprochen wird. »Wenn Gefahr im Verzug ist, müssen wir das Gebäude natürlich sichern«, sagt er. Auf die Frage, wann sich das letzte Mal ein Mitarbeiter der zuständigen Bahn-Tochter DB-Immobilien den Bahnhof angesehen habe, erwidert der Sprecher: »Das weiß ich nicht. Aber es sind regelmäßig Reinigungskräfte dort, die Mängel registrieren.«

Die Stadt habe vor rund drei Jahren geplant, das »Empfangsgebäude« zu kaufen und abzureißen. Man sei sich einig, der Vertrag aber noch nicht unterschrieben gewesen.

»Wir haben dann schon den Mietern gekündigt und sogar angefangen, die Inneneinrichtung auszuräumen«, sagt er. Doch dann sei der Hessentag dazwischengekommen – mit Verlusten für die Stadt in Millionenhöhe. Der Verkauf platzte. Ob der Bahnhof in seinem derzeitigen Zustand nicht auch an Wert verliere? »Es geht hier nicht um den Kauf des Gebäudes, sondern um die Fläche, auf dem es steht«, sagt er. Über die Zahlen will auch er nicht sprechen.

Eines ist klar: Die Bahn wolle kein Geld mehr in die Immobilie stecken, betont der Sprecher: »Wir müssen nur gewährleisten, dass die Leute sicher zum Bahnhof kommen.«

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