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Frost hat in diesem Jahr die Ernte dezimiert

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Hüttenberg/Gießen (hjp). »Uns hat wieder alles erwischt, was passieren konnte. Drei Jahre hintereinander hat das Wetter auf unterschiedlichste Art die Ernte beeinflusst«, resümierte der Vorsitzende des Bauernverbands Gießen/Wetzlar/Dill, Manfred Paul, während der 35. Regionalversammlung des Kreisbauernverbands am Dienstagabend in den Hüttenberger Bürgerstuben.

2010 sei es zu nass gewesen, 2011 zu trocken und in diesem Jahr habe es Frost gegeben, der Teile der Ernte dezimierte.

Insgesamt sei die Getreideernte 2012 deutlich unter dem Niveau des Vorjahres gewesen. »In Hessen bleibt die Getreideernte mit 1,7 Millionen Tonnen 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau und 19 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2011. Im Bereich des Kreisbauernverbands ist der Rückgang der geernteten Getreidemenge noch deutlicher gewesen.« Beim Winterraps liege die Erntemenge mit rund 213 000 Tonnen zwar über der Vorjahresmenge, aber trotzdem unter dem langjährigen Mittel von 244 000 Tonnen. »Die Auswinterungsschäden und der Grauschimmelbefall in einigen Bereichen haben neben zusätzlichen Aufwendungen für die Nachsaat auch deutliche Einkommenseinbußen gebracht«, so Paul.

Geringer Weizenanteil am Brötchen

Gleichzeitig wies der Vorsitzende die Forderung von Entwicklungsminister Dirk Niebel zurück, den Verkauf von E10-Kraftstoff angesichts steigender Getreidepreise auszusetzen: »Die energetische Nutzung von Anbauflächen in Deutschland hat keine Auswirkungen auf die kritischen Hungergebiete der Welt«, schloss sich Paul den Worten von Friedhelm Schneider an, dem Präsidenten des Hessischen Bauernverbands. Von der deutschen Getreideernte seien im vergangenen Jahr lediglich vier Prozent zur Erzeugung von Bioethanol verwendet worden. Diese Menge entspreche etwa 0,1 Prozent der Weltgetreideernte.

Zudem stellte der Vorsitzende des Kreisbauernverbands klar, dass die Getreidepreise nicht ursächlich für die Anhebung des Brotpreises seien. »Die alljährlichen Zeitungsmeldungen, wonach das unbeständige Wetter und eine geringere Brotgetreideernte die Preise für Brot in die Höhe treiben werde, stoßen bei uns Bauern auf großes Unverständnis. Der Weizenanteil je Brötchen liegt bei 0,5 Cent. Das heißt, selbst wenn sich der Getreidepreis verdoppeln würde, lässt dich damit eine Erhöhung von lediglich einem Cent begründen.

« Dieses Beispiel mache deutlich, dass der Anteil der Verbraucherausgaben für Brötchen, den der Landwirt für sein Getreide erhalte, verschwindend gering sei. Mit einem knappen Brotgetreideangebot oder gestiegenen Brotgetreidepreis könnten deshalb keine höheren Preise für Brot oder Brötchen begründet werden. Insgesamt sei die Tatsache bemerkenswert, dass nach einem Zwischenhoch der Brotgetreidepreise im Jahr 2007 die Brötchen nicht billiger wurden, als der Brotgetreidepreis wieder auf das Niveau der letzten Jahre gefallen sei.

Anschließend an den Bericht des Vorsitzenden des Kreisbauernverbands gaben Christina Schmidt und Herbert Becker vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen im Rahmen eines Vortrags den Landwirten Sorten- und Pflanzenschutzempfehlungen für das laufende Jahr.

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