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Archäologen sind auf Überreste einer Wegekreuzung aus dem 18. Jahrhundert gestoßen. Bürgermeister Gerhard Schultheiß zeigt die Richtung der Spurrillen an: Dort liegt Hanau. (Foto: jwn)

Friedhof und Wagenspuren entdeckt

Nidderau (jwn). Bei Planierungs- und Ausgrabungsarbeiten für ein Erholungsgebiet parallel zur Umgehungsstraße sind Archäologen am Rande von Nidderau erneut fündig geworden und haben einige Grabbeilagen aus der Eisenzeit und ein altes Wegekreuz entdeckt. Jetzt werden Erklärungen gesucht.

Weil in dem benachbarten Neubaugebiet Allee Süd IV und auch unter der Trasse der Umgehungsstraße die Archäologin Dr. Heike Lasch mit ihrer Mannschaft bereits auf Reste alter Gräber aus der Eisenzeit, also aus der Zeit zwischen 800 und 400 Jahre vor Christus, gestoßen ist, wurde das Areal des künftigen Parkstreifens nicht einfach platt gewalzt. Vielmehr erteilte die Stadt Nidderau den Auftrag, die Wege auf der gut 30 000 Quadratmeter großen Fläche vorsichtig und nur unter Aufsicht der Archäologin ausheben zu lassen. Und tatsächlich lohnte sich die Mühe, wie Heike Lasch, die dieses Mal Hilfe von der Professorin für vor- und frühgeschichtliche Archäologie, Dr. Britta Ramminger, erhalten hatte, Bürgermeister Gerhard Schultheiß bei einer Führung über die Ausgrabungsstätte berichtete.

5000 Quadratmeter waren von Lasch seit Mitte September untersucht worden. Und gefunden wurde dabei, was die beiden Archäologinnen erwartet hatten, nämlich weitere Gräber mit Grabbeilagen aus der Eisenzeit. Zurzeit sind sie dabei, die Scherben zu reinigen und zusammenzufügen.

Spurrillen von Postkutschen

Eine dunkelbraune Keramikschale konnten sie bereits vorzeigen. "An den Unebenheiten kann man erkennen, dass die Schale per Hand und nicht auf einer Töpferscheibe gefertigt wurde", erklärte Lasch. Ihre Kollegin ergänzte, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um das Grab eines Mannes handele, denn es sei offenbar eine tellergroße Schale, die zusammen mit einem kleinen Messer ein Mann zum Rasieren genutzt haben könnte. Für das Grab eines Mannes, und zwar eines ranghohen, sprechen auch die übrigen Fundstücke wie ein Schwert. Frauen habe man Schmuck mit ins Grab gelegt.

Bei der zweiten Grabstätte handelt es sich um ein Urnengrab. Das belegt die Asche in dem Gefäß. Wegen der 28 übrigen Gräber sowie einer Tierbestattungsstätte, die in der jüngsten Vergangenheit an der Allee Süd freigelegt wurden, könnte es sich laut Lasch sogar um einen größeren Friedhof handeln. Zu der Zeit erstreckte sich eine frühkeltische Ansiedlung der Hallstattkultur (750 bis 500 vor Christus) vom neuen Rathaus nach Norden. Grabhügel in den Wäldern zwischen Eichen, Ostheim und Windecken sind weitere Indizien für jene Epoche.

Doch die beiden Archäologinnen fanden noch etwas, was nicht ganz so alt ist, nämlich die Pflasterreste einer alten Straßenkreuzung, vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. Tief eingegraben in das Pflaster sind noch die Spurrillen der Postkutschen oder Pferdefuhrwerke zu erkennen. "Die Spur passt genau zu der Breite der damaligen Kutschen", sagte Lasch. Weil die tiefen Einkerbungen aber nur in Nord-Süd-Richtungen führen, vermutet sie, dass es sich bei der Straße möglicherweise um eine stark befahrene Verbindungsstraße zwischen Friedberg und Hanau handeln könnte. Dem will sie mit Hilfe alter Katasterauszüge genauer nachgehen. Tatsache ist, dass die Straße spätestens Anfang des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit geriet und zwar zu dem Zeitpunkt, als die Bahnlinie Frankfurt – Stockheim gebaut wurde und die Straße durchtrennte.

Weggabelung als Denkmal

Erst jetzt, als der neue Erholungspark angelegt werden sollte und die Bagger die geplante Wegeführung freilegen wollten, stießen sie auf die gepflasterte Kreuzung. "Wir dachten zuerst, es handelt sich um das Fundament einer alten Scheune. Bis wir die Spuren der Pferdefuhrwerke erkannten", berichtete Lasch. Die seien zwar nicht ganz so alt, aber interessant sei es schon, weil es ja auch ein Stück Geschichte sei.

Freigelegt, und zwar in mühevoller Kleinarbeit, wurde die Wegegabelung übrigens von Professorin Ramminger in Zusammenarbeit mit vielen ehrenamtlichen Helfern zwischen acht und 80 Jahre.n Nach Aussagen des Bürgermeisters soll die Wegegabelung als eine Art Denkmal erhalten werden. Der neue Fußweg wurde auf jeden Fall schon einmal verlegt.

Quelle: Gießener Allgemeine

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