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Mit fremder Hilfe gegen Gauner und Spekulanten

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Sinn (bf). Das Mädchen kauert vor dem Holzschuppen und beobachtet das hinter dem Munitionsdepot liegende Gelände, in dem irgendwo die Gefahr lauert. Dann rennt es los und überquert mit angstverzerrtem Gesicht den freien Platz, vorbei an einem großen Bohrturm. Plötzlich ein Schuss. . .

Sinn (bf). Das Mädchen kauert vor dem Holzschuppen und beobachtet das hinter dem Munitionsdepot liegende Gelände, in dem irgendwo die Gefahr lauert. Dann rennt es los und überquert mit angstverzerrtem Gesicht den freien Platz, vorbei an einem großen Bohrturm. Plötzlich ein Schuss, das Mädchen sinkt mit einem Aufschrei zu Boden. In diesem Moment schießt eine Stichflamme brennenden Öls aus dem Turm nach oben, kurz darauf explodiert das Lagergebäude in einem riesigen Feuerball. Diese Szene ist einer der Höhepunkte des neuen Kinoprojekts »Die letzte Kugel« des Film-Clubs in Sinn (Lahn-Dill-Kreis). Die Dreharbeiten des Westerns haben vor drei Wochen begonnen, die Premiere ist für 2011 geplant.

Wyoming 1886: Ein Fremder kommt nach Linglecreek, das von Spekulanten und Banditen beherrscht wird. Sie setzen die kleinen Farmer und Grundbesitzer unter Druck, ihr Land billig zu verkaufen, um es dann selbst mit hohen Gewinnen an die Eisenbahngesellschaft zu veräußern, die eine neue Strecke durch das Land bauen will.

Als einer der letzten wehrt sich der Ölfeldbesitzer Slade gegen diese Machenschaften. Doch auch er steht kurz vor der Aufgabe. Da erscheint ein geheimnisvoller Fremder, der an der Seite Slades seine Schnelligkeit mit dem Colt unter Beweis stellt. Schon bald wird klar, dass der Fremde eine Rechnung mit dem Oberschurken McKinley zu begleichen hat.

Bei der Frage: »Warum ein Western?« schmunzelt Regisseur und Drehbuchautor Rüdiger Geis. Klar, der Western sei mittlerweile ein »totes« Genre, alles sei gesagt, jede nur erdenkliche Variante schon zig-mal auf der Leinwand zu sehen gewesen. Sogar mit Bezügen zur Gegenwart, wie Ende der 60-er Jahre, als jüngere Regisseure mit Filmen über die Vernichtung der Indianer den US-Krieg in Vietnam kritisierten (»Das Wiegenlied vom Totschlag«, »Little Big Man«).

Aber ein Western fehle noch in der Filmografie des Vereins, der in den vergangenen 20 Jahren etliche Genre-Parodien, einen Beziehungsfilm und zuletzt einen Krimi (»Dann wirf’ den ersten Stein«, 2005) produzierte, der auch im Licher Kino »Traumstern« zu sehen war. »Außerdem hat Sergio Leone einmal gesagt, dass ein Western ungeheuer viel Spaß mache. Das kann ich bislang nur bestätigen«, sagt Geis.

Aber auch harte Arbeit: Zwei elfstündige Drehtage sind inzwischen im Kasten, weitere 20 dürften noch folgen. Denn trotz der mittlerweile ziemlich professionellen Arbeitsweise - gedreht wird im HD-Format unter Einsatz von Kamerakran und Steadicam - sind es nur wenige Minuten Film, die am Ende eines Tages herausspringen. Das liegt einerseits an den zahlreichen Kameraeinstellungen (da der Film im Stil eines Italo-Western gedreht wird), andererseits aber auch daran, dass man bei einem solchen Kostümfilm extrem auf das Umfeld achten muss. Herum liegende Getränkeflaschen, Plastiktüten oder im Hintergrund sichtbare Strommasten und Häuser passen nun mal nicht zum Jahr 1886. Nicht zuletzt wird möglichst am Wochenende und bei Sonnenschein gedreht. Das aber ist auch ideales Flug- und Motorradwetter. So manche Aufnahme musste schon unterbrochen werden, weil Motorenlärm zu hören war. Hinzu kommt der Einsatz von Pferden. Für die wurden die Hobby-Schauspieler zwar extra trainiert, aber nicht immer klappt der Wechsel in den Galopp auf Anhieb, und dann heißt es: »Zurück auf Anfang!«

Gedreht wird der knapp 100 Minuten lange Film in der mittelhessischen Region, deren »Prärien«, Kiefern und Fichten sich natürlich besser als Wyoming denn als Arizona oder New Mexiko verkaufen lassen. Wichtige Szenen entstehen aber auch in der Westernstadt in Alsfeld-Lingelbach, die der Verein »Hot Spurs« betreibt.

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