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Fraport für mehr Lärmschutz

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Frankfurt (dpa/lhe). Fraport-Chef Stefan Schulte hat sich gegen weitere Regulierungen des Flugbetriebs in Frankfurt ausgesprochen, aber auch Fortschritte im Lärmschutz versprochen. Vom Planfeststellungsbeschluss will Fraport aber nicht abweichen:

»Gemeinsame Lösungen zum Beispiel für mehr Lärmschutz kann es nur auf Basis des bereits höchstrichterlich bestätigten Planfeststellungsbeschlusses geben«, sagte Schulte gestern in Frankfurt. Im Klartext bedeutet das: Freiwillige Bemühungen – wie Schulte schon früher zugesagt hatte.

In ihrem Koalitionsvertrag haben CDU und Grüne in Hessen vereinbart, Lärmpausen von sieben Stunden in der Nacht zu erreichen. Derzeit gilt ein Flugverbot von 23 bis 5 Uhr. Wenn siebenstündige Pausen nicht erreicht würden, seien Planänderungen oder eine modifizierte Betriebsgenehmigung möglich. Außerdem vereinbarten die Koalitionäre eine Lärmobergrenze und der Bau von Terminal 3 soll auf den Prüfstand.

Mit der ersten schwarz-grünen Landesregierung will Flughafenbetreiber Fraport konstruktiv und professionell zusammenarbeiten. Das gelte natürlich auch für den neuen Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Fraport sei ebenso wie die neue Landesregierung an maximaler Lärmminderung interessiert. Aber weitere Betriebsbeschränkungen seien für den Flughafen, der im internationalen Wettbewerb stehe und schon heute die härteste Nachtflugregelung habe, hoch problematisch.

Weitere Lärmpausen, wie im schwarz-grünen Koalitionsvertrag vereinbart, sollen geprüft werden. Am späten Abend und am frühen Morgen seien schon im nächsten Jahr Verbesserungen möglich: »Ich bin sicher, wir werden Fortschritte erreichen können«, sagte Schulte. Fraport-Vorstandsmitglied Peter Schmitz nannte das sogenannte Drops-Verfahren (Dedicated Runway Operations) als Ansatzpunkt. Damit würden bisher Starts auf einzelnen Bahnen gebündelt – das sei auch bei Landungen möglich.

Die Airport-Manager ließen aber keinen Zweifel daran, dass dies keine Reduzierung der Flugbewegungen bedeute. »Es handelt sich eigentlich nur um die Verschiebung des Lärms«, sagte Schmitz. Und große Maschinen dürften ohnehin nur auf den mittleren Bahnen landen. Dies hatte auch die Fluglärmkommission angeführt. Die bezweifelt, dass eine stundenweise Entlastung einzelner Einflugschneisen machbar ist.

Kritisch sieht Fraport die von Schwarz-Grün geplante Lärmobergrenze. Dort seien noch viele Fragen offen. »Wir werden uns der Diskussion aber nicht grundsätzlich verschließen«, sagte Schulte. Eine gesetzliche Lärmobergrenze gibt es bisher nicht.

Terminal 3 werde spätestens gebraucht, wenn die Passagierzahl von jährlich 68 Millionen erreicht sei. Damit rechnet Schulte je nach Wachstum des Luftverkehrs spätestens 2020/21.

Lärmgegner monierten, Fraport wolle die prognostizierten Flugbewegungen und Lärmbelastungen zementieren. Raum für Ruhepausen werde kaum gesehen. »Fraport hat immer noch nicht begriffen, dass jetzt ein anderer Wind aus Wiesbaden wehen soll«, sagte Thomas Scheffler, Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen.

Nach dem zweiten Fraport-Lärmschutzbericht ist es messbar leiser geworden, seitdem vor einem Jahr der Anflugwinkel landender Maschinen auf die Nordwestbahn von drei auf 3,2 Grad angehoben wurde. Eine weitere Entlastung sei zu erwarten, wenn leisere Maschinen eingesetzt werden. Darauf arbeitet Fraport mit seinen lärmabhängigen Flughafenentgelten hin – leise Maschinen zahlen weniger, laute mehr. In den Stunden des Nachtflugverbots gab es im Sommer laut Fraport-Vorstand Schmitz im Schnitt 25 Starts und Landungen pro Nacht mit Sondergenehmigung.

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