Flipperspieler kämpfen um Weltmeister-Titel

Echzell (dpa). Die silberne Kugel saust über blinkende Lichter, fegt über eine bunte Rampe und droht plötzlich im Innern des Flippers zu verschwinden. Doch der Spieler kann sie mit einem geschickten Manöver noch retten – und sich dem erhofften Weltmeistertitel so ein Stück näherbringen.

Rund 60 Teilnehmer aus 19 Ländern kämpfen seit Freitag und noch bis Sonntag in Echzell um den WM-Titel im Flippern – zum ersten Mal in Deutschland.

Die Spieler stehen mit konzentriertem Blick und zuckenden Fingern vor den Geräten. Die Automaten kommen im Star Trek-Dekor daher, andere zieren Indiana Jones oder Dracula. Und sie alle machen viele Geräusche, der ganze Raum ist ein einziges Klickern, Piepen und Gedudel. Die WM-Teilnehmer lassen ungerührt von der Geräuschkulisse ihre Kugel über die schräge Oberfläche des Flippers flitzen, ballern sie mit Hilfe von Hebeln gegen Hindernisse oder durch Tunnel, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Eingestellt ist jeweils die höchste Schwierigkeitsstufe.

»Zartes Rütteln am Gerät«

»Die guten Spieler sind in der Lage, auch durch zartes Rütteln am Gerät die Kugel zu lenken«, erklärt der Sprecher der Organisatoren, Henrik Maurer. Allerdings dürfen sie dabei nicht übertreiben, sonst droht der »Tilt«-Mechanismus: Das Gerät blockiert, und die Kugel ist verloren. Hinter der WM steht die »International Flipper Pinball Association (IFPA)« mit Sitz in den USA, die die WM insgesamt schon zum zehnten Mal ausrichtet.

Zu den Wettkämpfern gehört auch der 39-jährige Dirk Meckes aus der Nähe von Stuttgart. Er spielt seit 13 Jahren Flipper und ist das erste Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei. Mit der Vorrunde ist er bislang zufrieden. Sein ursprüngliches Ziel sei es gewesen, die Qualifikation für die WM zu schaffen, sagt er. Da das erledigt sei, fühle er sich nun komplett entspannt. »Alles, was hier noch passiert, ist Dreingabe.«

Der Austragungsort kommt im Stil eines Western-Saloons mit Cowboyhüten an den Wänden und Sättel als Barhocker daher – und ist voller bunter Flipperautomaten. Früher war das hier ein Supermarkt, seit 2010 ist es ein Paradies für Flipper-Fans, und zwar »Freddy»s Pinball Paradise«. Etwa 170 Geräte aus sechs Jahrzehnten stehen spielbereit.

Sie gehören Alfred Pika, der leidenschaftlich Flipper sammelt. »Mitte der 70er Jahre habe ich die Liebe zu den Flippern entdeckt. Nicht nur zu den Geräten und dem Spiel, auch zur Technik«, sagt der 52-Jährige, der im Hauptberuf Kaufmann ist.

Als der Platz für seine Sammlerstücke im Keller nicht mehr reichte, wich er auf den ehemaligen Supermarkt aus. Dass nun die Weltelite im Flippern bei ihm aufspielt, findet er fantastisch. »Das erfüllt uns schon ein bisschen mit Stolz.« Wer die Vorrunde besteht, muss sich im K.o.-System bewähren. Den Besten winken nach dem Finale am Sonntag Ruhm und Sachpreise.

Glück spielt für den Sieg nach Angaben von Flipper-Experte Pika keine große Rolle: »Das macht vielleicht 5 bis 15 Prozent aus. Der Rest ist Geschicklichkeit, Reaktion, Können und Nervenstärke.«

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