Festakt für FDP-Politiker Karry

Wiesbaden (dapd-hes). Genau 30 Jahre nach seiner Ermordung am 11. Mai 1981 haben führende Politiker aus Hessen und der FDP am Mittwoch des ehemaligen hessischen Wirtschaftsministers Heinz Herbert Karry gedacht.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) würdigte den FDP-Politiker bei einem Festakt in Wiesbaden als »engagierten Streiter für die Freiheit«, von dessen Wirken das Land noch heute profitiere. Sein Tod sei auch nach 30 Jahren noch »eine Wunde, die schmerzt«, zumal seine Mörder bis heute nicht gefunden seien.

Karry war am frühen Morgen jenen Tages durch das Schlafzimmerfenster von außen in seinem Bett erschossen worden. Es war der erste Mord an einem amtierenden Minister in Deutschland nach Kriegsende. Zwar gab es zu seinem Tod einst ein Bekennerschreiben der »Revolutionären Zellen«, in dem es hieß, man habe dem FDP-Politiker nur in die Beine schießen wollen. Der Mord an dem stellvertretenden hessischen Ministerpräsidenten, der auch Schatzmeister der FDP auf Bundesebene war, wurde aber nie aufgeklärt.

Die Umstände des »feigen Mordes« und die Tatsache, dass die Täter nie gefasst wurden, ließen die Wunde auch nach drei Jahrzehnten nicht verheilen, sagte Ministerpräsident Bouffier auf der Gedenkfeier. Nicht nur mit seinem Einsatz für den Bau des Atomkraftwerks Biblis und die Startbahn West habe Karry wegweisende Entscheidungen getroffen und sei unbeirrt für seine Überzeugungen eingestanden.

Sein Tod mahne auch heute noch, in der politischen Auseinandersetzung die Grenzen persönlicher Verletzungen nicht zu überschreiten, fuhr Bouffier fort. Er würdigte Karry als überzeugten Marktwirtschaftler.

An der Feierstunde nahmen viele Weggefährten Karrys teil, darunter auch Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher und ehemalige Kabinettskollegen aus CDU, SPD und FDP. Der heutige hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) erinnerte daran, dass Karry für Toleranz eingetreten sei und eine tiefe Abneigung gegen Politiker empfunden habe, die keine Zweifel an ihrem Handeln gehabt hätten. Der Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung, Wolfgang Gerhard, hob Karrys stetes Eintreten für Respekt vor anderen Meinungen hervor. Der hessische FDP-Vorsitzende und Justizminister Jörg-Uwe Hahn nannte Karry einen »klassischen Verfechter der Freiheit«.

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