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Fassenachtszug in Gießen wird teurer

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Gießen (ta). Der traditionelle Fassenachtszug war für die Veranstalter schon immer ein Zuschussgeschäft, weil der Verkauf der Zugabzeichen nicht viel Geld in die Kasse bringt. In diesem Jahr aber wird das Loch zwischen Einnahmen und Ausgaben noch größer ausfallen.

Denn die Gießener Fassenachts-Vereinigung als Veranstalter muss für mehr Sicherheit sorgen und an besonderen Gefahrenstellen Absperrgitter aufstellen, die den Zug und die Zuschauerreihen voneinander trennen.

Dies gilt für die drei unübersichtlichen Stellen, an denen der Besucheransturm stets am größten ist, nämlich die Kurve Ludwigsplatz, die Kurve Bahnhofstraße/Marktstraße sowie den gesamten Marktplatz. Das sind auf beiden Seiten jeweils etwa 150 Meter.

Eine entsprechende Auflage der Polizei und der städtischen Straßenverkehrsbehörde war der GFV schon bei der Abschlussbesprechung nach dem Zug vor einem Jahr angekündigt worden. Sie wird nun am 15. Februar erstmals umgesetzt. Die bisherige Auflage, dass (bezahlte) Ordner alle großen Zugfahrzeuge zu Fuß begleiten und vor allem in den Kurven aufpassen, dass keine Zuschauer den großen Rädern nahe kommen, reicht den Sicherheitsbehörden nicht mehr aus.

Im Gegensatz etwa zu Baustellenabsperrungen besitzt die Stadt keine vorschriftsgemäßen Absperrgitter, auch bei der Polizei gibt es kein ausreichendes Reservoir. Der Verein muss deshalb die stabilen Metallgitter bei einem Spezialunternehmen ausleihen. Der Auf- und Abbau soll dann vom THW übernommen werden. Derzeit wird mit einem Gesamtaufwand in einer Größenordnung von rund 5000 Euro kalkuliert.

GFV-Präsident Wolfgang Isenberg ist angesichts dieser Mehrbelastung von der neuen Auflage für den Fassenachtszug natürlich nicht begeistert. »Uns bleibt aber nichts anderes übrig, als im Interesse der Sicherheit der Besucher die Auflage zu erfüllen«, sagte er auf GAZ-Anfrage.

Erst vor zwei Jahren waren in Gießen die Sicherheitsbestimmungen für den närrischen Lindwurm verschärft worden: Seit 2013 dürfen auf der drei Kilometer langen Zugstrecke nur Fahrzeuge und Anhänger unterwegs sein, deren Aufbauten zuvor vom TÜV auf ihre Stabilität überprüft wurden. Vor zwei Jahren hatten wegen der damit verbundenen Mehrkosten einzelne auswärtige Fassenachtsvereine ihre Teilnahme am Zug abgesagt.

Sie waren allerdings von der GFV auch erst kurzfristig über die – Monate zuvor festgelegte – Auflage informiert worden.

Die Frage, ob die Stadt die Kosten für die von ihr verlangte Sicherheitsmaßnahme übernehmen kann, war im Rathaus verneint worden. Hier gelte das Verursacherprinzip, hieß es. Außerdem profitiert die GFV davon, dass die Stadtreinigung auf Kosten der Bürger – sozusagen als Beitrag zur Traditionspflege – die Säuberung der Straßen und Plätze unmittelbar nach dem Zug übernimmt. Würden dem Verein diese Geräte- und Personalkosten in Rechnung gestellt, hätte sich vermutlich der Fassenachtszug umgehend erledigt.

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