Familie Lust verkauft LTi-Gruppe

Lahnau (süd). Die Familie Lust hat am Freitag einen Großteil der LTi-Unternehmensgruppe an die Körber AG in Hamburg verkauft. Das gab am Dienstag Dr. Wolfgang Lust, geschäftsführender Gesellschafter der LTi, im Beisein seiner Mutter Karin Lust und seiner Schwester Sabine Bernhard bekannt.

Unmittelbar zuvor hatte er die Mitarbeiter informiert. Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörde, beide Partner sehen hier aber keine Schwierigkeiten.

Neben der Familie Lust nahm auch Hildemar Böhm, Vorstandsmitglied der Körber AG, am Pressegespräch in Waldgirmes teil. Die AG, als Familienunternehmen gegründet, gehört der Körber-Stiftung, die neben vielen anderen Aktivitäten auch den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ausrichtet, an dem seit Jahren viele Schüler aus dem Gießener Land erfolgreich teilnehmen. Die Körber AG ist nicht börsennotiert. Alleinige Aktionärin ist die Stiftung, die eine »auf langfristiges profitables Wachstum ausgerichtete Strategie« unterstütze.

Kultur des Familienunternehmens

Wie Wolfgang Lust erläuterte, wurde am 15. Februar der Vertrag unterzeichnet. Lust Technology international (LTi) veräußert ihre Anteile an den Unternehmen aus den Bereichen Antriebs- und Automatisierungstechnik, Sensorik und Photovoltaik. Nicht betroffen von dem Verkauf sind zwei Unternehmen aus den Bereichen Mikroelektronik und Abwärmeverstromung. Auf die Zahl der Beschäftigten soll der Verkauf zunächst keine Auswirkungen haben. Auch eine Zentralisierung von Teilbereichen sei nicht geplant, sagte Lust.

Der Verkauf sei »eine große Sache für die Familie«, er sei ihr »sehr schwer gefallen«, so Lust. Und das ist durchaus emotional zu sehen. Denn sein Vater Karl-Heinz hat das Familienunternehmen 1971 in Lahnau gegründet, gab ihm den Namen »Lust Antriebstechnik« und legte damals den Grundstein für die mittlerweile weltweit erfolgreich agierende Gruppe. Laut LTi-Internetseite war eine Waschküche Ausgangspunkt für die erfolgreiche Unternehmensgeschichte. Im Jahre 2008 erfolgte die Umbenennung in LTi. Wolfgang Lust stieg 2000 in die Geschäftsführung ein. Firmengründer Karl-Heinz Lust starb im Herbst 2009 an den Folgen einer schweren Erkrankung. Das Unternehmen beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter an mehr als 30 Standorten und Niederlassungen weltweit, die Hälfte von ihnen am Gründungssitz in Waldgirmes. Außerdem ist LTi seit Jahren Namensgeber für die Gießen 46ers, den Basketball-Bundesligisten.

Wolfgang Lust erklärte, sein Unternehmen habe immer unter dem Druck gestanden, »das Tempo beizubehalten«. Ohne Wachstum keine Innovation, denn dann könne sich die Firmengruppe, die sich mit Hochtechnologien beschäftigt, die Ingenieure nicht mehr leisten. Die Familie habe sich in den vergangenen Jahren die Frage gestellt, ob zumindest Teilbereiche veräußert werden, um den nächsten Wachstumssprung zu realisieren. Wie Lust erläuterte, ist die Unternehmensgruppe zwischen 2001 und 2011 von 45 Millionen Euro auf zuletzt über 150 Millionen Euro Umsatz gewachsen. An diesem Kurs müsse man festhalten, um technologisch weiter auf Spitzenplätzen dabei sein zu können.

Vor rund einem Jahr gab es die ersten Kontakte zur Körber AG. Mitte 2012 präsentierte die AG ihre langfristige Strategie, in die Bereiche Automation, Sensorik und in die Energietechnik einsteigen zu wollen. Die Strategie von Körber, in den Bereichen Automation und Sensorik in definierten Marktsegmenten und Branchen eine Marktführerschaft anzustreben, deckte sich mit der Ausrichtung von LTi, so Lust. Es wurden intensivere Gespräche geführt, die nun zur Unterzeichnung der Verträge führten.

Der Familie sei es wichtig gewesen, ein deutsches Unternehmen zu finden, das der Kultur der Familienunternehmen verpflichtet sei. Anfragen und Angebote habe es aus Amerika und Asien gegeben, auch Finanzinvestoren hatten Interesse an LTi, »aber die wollten wir nicht«.

Zwei Milliarden Euro Umsatz

Der LTi-Chef glaubt, dass die beiden Partner, die nun zueinander gefunden haben, nicht nur technologisch und strategisch zusammenpassen, auch der kulturelle Hintergrund decke sich. Außerdem stand für die Familie im Vordergrund, die Unternehmensgruppe auszubauen und auf hohem technologischen Standard im Sinne des Gründers Karl-Heinz Lust fortzuführen. »Mein Vater hatte noch so viele Ideen«, sagte Wolfgang Lust gestern. Er selbst wird zu Körber wechseln und für die strategische Weiterentwicklung der Bereiche Automation und Sensorik verantwortlich sein. Seine Mutter Karin, die schon nicht mehr im operativen Geschäft tätig war, steigt aus der Firma aus. Schwester Sabine Bernhard war bisher in der LTi Holding beschäftigt und kümmert sich künftig um die Gebäude. Die bleiben im Besitz der Familie Lust und wurden für zunächst zehn Jahre an die Körber AG vermietet. Bleiben soll übrigens auch LTi als Firmenname.

Die Körber-Gruppe mit Sitz in Hamburg ist ein internationaler Technologiekonzern mit weltweit rund 9500 Mitarbeitern. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei über zwei Milliarden Euro. Wie Böhm erläuterte, seien die Hamburger auf der Suche nach neuen Technologiefeldern auf LTi gestoßen, deren Antriebe man in von Körber gebaute Maschinen eingesetzt habe. Stimmt noch die Kartellbehörde zu, soll der Verkauf zum 1. April wirksam werden.

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