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Fall K.: Vorwürfe teils nicht nachweisbar

Gießen (sha). Die Liste der Vorwürfe gegen den 62-jährigen K. aus Gießen war lang. Weit über 100 Anklagepunkte, darunter teils schwerer sexueller Missbrauch. K. bestreitet bislang, sich von 2008 bis 2013 an vier Kindern aus seiner Nachbarschaft vergangen zu haben (die GAZ berichtete).

Seit Mittwoch, dem 22. Verhandlungstag vor der Ersten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts, ist das Verfahren gegen den Senior nun in vielen Punkten vorläufig eingestellt worden. Vorsitzender Richter Peter Neidel hatte zuvor darauf hingewiesen, dass einige Taten aus Sicht der Kammer »nicht hinreichend nachweisbar sein könnten«. Allerdings: 39 Fälle des sexuellen Missbrauchs sehen die Richter nach der bisherigen Beweisaufnahme als »erwiesen« an. Ebenso, dass K. zweimal Minderjährigen den »unbefugten Gebrauch von Betäubungsmitteln« gewährte und dreimal gemeinsam mit ihnen Drogen kaufte. Ein Ende dieses Prozesses ist inzwischen in greifbare Nähe gerückt. Richter Neidel kündigte an, dass die Kammer voraussichtlich am 17. November das Urteil sprechen werde.

Die Plädoyers – eine Woche vorher – werden zum Schutz der mutmaßlichen Opfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten werden. Auch während der Verhandlung hatten die drei Mädchen und ein Junge – mittlerweile zwischen 14 und 16 Jahre alt – in nicht-öffentlicher Sitzung ausgesagt.

Die Diskussion über ein Intimfoto, das auf einem USB-Stick des Angeklagten gefunden worden war, setzte die Kammer am Mittwoch nicht fort. K. hatte behauptet, lediglich seine damals 45 Jahre alte Frau fotografiert zu haben. Die macht in diesem Zusammenhang jedoch von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Laut Anklage soll das Genital eines der potenziellen Opfer – eines damals elfjähriges Mädchens – auf dem Foto zu sehen sein. Mehrere Gynäkologen hatten trotz der schlechten Qualität des Bildes bezweifelt, dass die fotografierte Person über 40 Jahre alt sein könnte. Stattdessen schätzten sie das Alter der Fotografierten auf 5 bis 20 Jahre.

Die Verteidigung hatte aufgrund der »starken Körnung und Verzerrung« in Frage gestellt, ob das Foto überhaupt eine »sinnvolle Beweisgrundlage« sein könne. Ihre Forderung nach einem »technischen Gutachter« zur Beurteilung dieser Frage wies die Kammer jedoch zurück. Die Gynäkologen hätten mögliche perspektivische Verzerrungen berücksichtigt.

Fall K.: Gericht muss Intimfoto beurteilen

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