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Fall Siri: Sozialarbeiterin wieder vor Gericht

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Wetzlar / Limburg (dpa). Nach einem Martyrium starb Anfang Mai 2008 die kleine Siri. Etwa zwei Wochen vor ihrem Tod besuchte eine Mitarbeiterin des Jugendamtes in Wetzlar die Familie. Hätte die junge Frau merken müssen, dass das Kleinkind misshandelt wurde? Dieser Frage geht das Landgericht in Limburg seit Donnerstag in zweiter Instanz nach.

Monatelang wurde die kleine Siri gequält, dann zertrümmerten die Eltern dem Baby den Schädel. Für den Mord wurden Vater und Mutter bereits verurteilt. Nun steht fast drei Jahre nach dem Tod des Mädchens eine Jugendamtsmitarbeiterin erneut vor Gericht. Die 29-Jährige hatte im April 2008 die Familie besucht, zwei Wochen später brachten die Eltern ihr etwa acht Monate altes Kind um.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Sozialarbeiterin fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen vor. Die Frau habe die Verletzungen bei dem Baby erkennen und so spätere Misshandlungen vermeiden können. Die Frau stritt dies am Donnerstag vor dem Landgericht Limburg ab.

Vor dem Amtsgericht war die Jugendamtsmitarbeiterin in erster Instanz freigesprochen worden. Dagegen hat die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Zu Beginn des neuen Limburger Prozesses regte das Landgericht an, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen. Das lehnte die Staatsanwaltschaft ab.

Die Sozialarbeiterin war vermutlich eine der letzten, die das Baby noch lebend gesehen haben. In ihrer Aussage betonte die heute 29-Jährige, sie habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. »Ich habe damals keine Anzeichen für Gewalteinwirkung gesehen.« Das Baby habe lediglich ein Pflaster auf der Stirn gehabt. Die Eltern hätten ihr aber plausibel erklärt, dass sich das Kind verletzt habe, als es versuchte aufzustehen. Ein Sachverständiger hatte im ersten Prozess gegen die Jugendamtsmitarbeiterin vor dem Amtsgericht erklärt, dass die damals schon vorhandenen Verletzungen nur schwer zu erkennen gewesen seien. Als Siri starb, waren in ihrem Körper neun verschiedene Knochen gebrochen. Einige Verletzungen waren schon älter als zwei Wochen. Die 29-Jährige verfügte nach eigenen Angaben über keine medizinischen Fachkenntnisse. Sie hatte erst wenige Monate vorher bei dem Jugendamt zu arbeiten begonnen.

Am Donnerstagnachmittag sagte die Mutter von Siri aus. Ihr damaliger Lebensgefährte und Vater des gemeinsamen Kindes habe bei der Jugendamtsmitarbeiterin den Eindruck erwecken wollen, alles sei ok, sagte die 38-Jährige. »Er wollte sie manipulieren.« In großen Teilen verweigerte die Mutter aber die Aussage. So etwa zu dem Aspekt, ob vor dem Besuch vom Jugendamt sichtbare Verletzungen bei dem Baby überschminkt wurden. Auch blieb die Frage offen, ob bei dem Besuch der Sozialarbeiterin schon Spuren von Misshandlung bei ihrer Tochter sichtbar waren.

Eltern bereits rechtskräftig verurteilt

Siris Eltern sind rechtskräftig wegen Mordes und Kindesmisshandlung zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren gilt wegen der besonderen Schwere der Schuld als ausgeschlossen. Der Vater von Siri soll bei der Fortsetzung des Prozesses am kommenden Dienstag als Zeuge aussagen. Er hat aber bereits in Briefen an Gericht und Staatsanwaltschaft angekündigt, dass er dies nicht tun werde.

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