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Fall Siri: Sozialarbeiterin erneut freigesprochen

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Limburg (dpa). Drei Jahre nach dem gewaltsamen Tod der acht Monate alten Siri ist eine Sozialarbeiterin des Jugendamts Wetzlar zum zweiten Mal freigesprochen worden. Die 29-Jährige stand wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen vor dem Landgericht Limburg.

Sie hatte nur wenige Tage vor dem Tod des Mädchens Anfang Mai 2008 die Familie in der Nähe von Wetzlar besucht, aber keine Auffälligkeiten festgestellt. Grund ihres Besuchs waren anonyme Hinweise auf eine mögliche Misshandlung des Babys. Zwei Wochen später wurde Siri nach monatelangen Quälereien von ihren Eltern umgebracht.

Die Staatsanwaltschaft hatte Berufung gegen ein Urteil des Wetzlarer Amtsgerichts eingelegt, doch am Dienstag plädierte auch Staatsanwalt Frank Späth für einen Freispruch. Erst in zweiter Instanz sei deutlich herausgearbeitet worden, dass die Angeklagte von den Eltern über den Zustand des Kindes getäuscht worden sei, sagte er.

Dies habe auch der Vater Siris in einem Brief eingestanden. Er und Siris Mutter sind rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt. Die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt, die eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt.

Späth sagte, die Sozialarbeiterin habe sich »vom Charme des Mannes blenden lassen«. Die Eltern hätten sich beim Besuch der Frau als außerordentlich fürsorglich dargestellt. Eine erfahrene Fachkraft hätte wahrscheinlich die vorhandenen Verletzungen bei dem Baby festgestellt. Es gäbe jedoch keine Anhaltspunkte für fahrlässige Fehler der 29-Jährigen.

Die Angeklagte selbst hatte die Vorwürfe vor dem Gericht bestritten. Die 29-Jährige hatte nach eigenen Angaben keine medizinischen Fachkenntnisse und erst wenige Monate zuvor bei dem Jugendamt zu arbeiten begonnen.

Ein medizinischer Gutachter hatte gesagt, er habe zwar noch nie so ungeheuerliche Verletzungen gesehen: »Das ging weit über das hinaus, was ich während meiner langjährigen Zeit als Kinderarzt erlebt habe.«

29-Jährige »hätte kritischen Zustand erkennen können, nicht zwingend müssen«

Um die Verletzungen zu erkennen, hätte die Sozialarbeiterin das Kind aber ausziehen müssen, und dazu sei sie nicht berechtigt gewesen. »Die Angeklagte hätte den kritischen Zustand des Kindes erkennen können, aber nicht zwingend erkennen müssen«, sagte der Gutachter. Siri starb an einem zertrümmerten Schädel. Nach ihrem Tod wurden mehrere weitere Knochenbrüche festgestellt, einige davon waren älter als zwei Wochen.

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