13 000 Euro Schmerzensgeld für Narbe

Marburg/Gießen (sha). Sie habe sich für eine alternativ-medizinische Behandlung ihres Basalioms (Krebserkrankung der Haut) entschieden, weil der Arzt ihr versprochen habe, dass bei diesem Verfahren keine Narbe zurückbleibe, schilderte die Klägerin am Mittwoch vor der Fünften Zivilkammer des Marburger Landgerichts.

Tatsächlich trat jedoch genau das ein, was die Frau aus dem Landkreis Gießen eigentlich hatte vermeiden wollen: Sie trägt nun eine etwa sechs Zentimeter lange Narbe auf der Stirn.

Der Mediziner, ein Arzt aus dem Raum Marburg, hatte den Tumor, der sich an der Kopfhaut der Patientin gebildet hatte, im Sommer 2011 mit einer Galvanotherapie behandelt. Dabei wird über zwei Elektroden ganz schwacher Strom durch das Tumorgewebe geleitet, um es zu zerstören. Die angelegte Spannung habe etwa fünf Volt betragen, sagte der Beklagte vor Gericht.

Arzt von Ergebnis selbst »geschockt«

Dadurch entstehe »bestenfalls eine leichte Rötung, die nach einem Tag wieder verschwindet«. Er sei selbst »geschockt« gewesen über die »Verschorfung« an der Stirn seiner Patientin. Allerdings gehe er davon aus, der Frau bei jeder Sitzung gesagt zu haben, dass der Tumor auf diese Weise ohne einen chirurgischen Eingriff entfernt werden könnte und dass die Erfolgsaussichten bei 40 bis 70 Prozent lägen, betonte der Mediziner. Die Klägerin sprach nicht von einer »Verschorfung«, sondern von einer »Verbrennung«.

Sie habe eine »dicke graue Beule voller Wasser mit schwarz verbrannter Haut« erlitten. Den Tumor hatte das Verfahren nicht beseitigt, er musste später doch noch chirurgisch entfernt werden. Die Verbrennungswunde habe sie von einem Schönheitschirurgen behandeln lassen müssen.

Die Haftpflichtversicherung des Arztes hatte der Klägerin bereits 8000 Euro gezahlt. Vorsitzender Richter Dr. Christoph Ullrich schlug einen Vergleich vor: Inklusive des bereits gezahlten Betrages sollte die Versicherung des Beklagten 12 000 bis 14 000 Euro an die Frau zahlen. Die Rechtsanwälte beider Parteien einigten sich auf eine Gesamtsumme von 13 000 Euro. Sämtliche gegenseitigen Ansprüche sind dadurch abgegolten.

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