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Erster Spatenstich nach 32 Jahren Planung

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Nidderau (cf). »Was lange währt, wird endlich gut«, zeigte sich Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) beim ersten Spatenstich für die Ortsumgehung Heldenbergen-Windecken erleichtert. Auf das Ereignis hatten die Bürger seit 1956 gewartet, wie Schultheiß aus einer Notiz des Stadtinspektors Wilhelm Reul zitierte. Gefunden hatte er sie in einer Denkschrift der Windecker Stadtverordnetenversammlung. Die offizielle Planung reicht bis zum Dezember 1977 zurück, als das Linienbestimmungsverfahren für eine weiträumige Umfahrung von Bruchköbel und Nidderau beschlossen wurde.

Nidderau (cf). »Was lange währt, wird endlich gut«, zeigte sich Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) beim ersten Spatenstich für die Ortsumgehung Heldenbergen-Windecken erleichtert. Auf das Ereignis hatten die Bürger seit 1956 gewartet, wie Schultheiß aus einer Notiz des Stadtinspektors Wilhelm Reul zitierte. Gefunden hatte er sie in einer Denkschrift der Windecker Stadtverordnetenversammlung. Die offizielle Planung reicht bis zum Dezember 1977 zurück, als das Linienbestimmungsverfahren für eine weiträumige Umfahrung von Bruchköbel und Nidderau beschlossen wurde.

»Mit dem ersten Spatenstich wird nach über drei Jahrzehnten Planungszeit das ersehnte Zeichen gesetzt, die Stadtteile Heldenbergen und Windecken vom Durchgangsverkehr zu entlasten«, sagte Schultheiß. Mit Blick auf die lange Phase der Realisierung der Umgehungsstraße stellte das Stadtoberhaupt fest: »Steine, selbst wenn sie im Wege liegen, können zu einer Straße werden.«

Nicht weniger als 32 Jahre liegen zwischen der erste Streckenfestlegung und »einem für Politiker schönen Termin«, dem ersten Spatenstich. Zum historischen Ereignis im Heldenberger Gewerbegebiet »Lindenbäumchen« gekommen war neben weiteren Festgästen aus Land und Bund auch Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP). Zusammen mit mehreren hundert Bürgern ließen die Politiker in ihren Reden die Geschichte der Umgehungsstraße Revue passieren.

Die neue Trasse der Ortsumgehung beginnt an der B45 südlich von Windecken, umfährt Windecken und Heldenbergen westlich und mündet im Nordosten von Heldenbergen wieder in die B 521 ein. Beide Nidderauer Stadtteile sollen durch die Ortsumgehung um 76 Prozent vom Verkehr entlastet werden. Bis 2015 rechnen Verkehrsexperten mit täglich 17 000 Kraftfahrzeugen, die durch die Ortskerne fahren werden. Durch die Umgehung reduziert sich in den Stadtteilen das Verkehraufkommen auf rund 4000 Fahrzeuge in 24 Stunden. Dies entspricht bis zu 75 Prozent des Durchgangsverkehrs, der ab 2013 aus den engen Ortsdurchfahrten verschwunden sein wird. Auf die Umgehungsstraße abbiegen würden zirka 12 000 Autos, und im Abschnitt zwischen der Landesstraße 3009 und der B45 könnten es sogar mehr als 20 000 Fahrzeuge täglich sein.

Die umkämpfte Trasse ist 7,3 Kilometer lang, rechnet man Rampen und Straßenanschlüsse hinzu, kommt man auf eine Länge von 9,5 Kilometern. Die Breite der Fahrbahn beträgt 7,5 Meter. Wie sie einmal aussieht, zeigte beim Spatenstich ein Blick auf ein 300 Meter ausgehobenes, planiertes Teilstück am Heldenberger Ortstrand. Zur Überbrückung bestehender Straßen, Bahnlinien und Querungen von Gewässern und Wirtschaftswegen werden 13 Brücken bis Dezember 2011 errichtet. Die Kosten einschließlich Grunderwerb betragen für die Trasse 40,2 Millionen Euro. Der Bund übernimmt als Baulastträger rund 40,1 Millionen Euro. Die Stadt Nidderau steuert 100 000 Euro bei. Die Baumaßnahme soll im Herbst 2013 fertiggestellt sein.

Die Ortsumgehung ist nicht nur eine weiträumige Umfahrung Nidderaus zwischen Hanau, Bad Vilbel und Friedberg, sondern zugleich eine weitere Entwicklungsachse für die 20 000 Einwohner große Kommune. Der Bürgermeister kündigte an, dass zwischen den alten Ortskernen mit Millioneninvestitionen in öffentliche Gebäude und Geschäftszeilen eine Neue Mitte entwickelt werde. Diese soll an das erweiterte Verkehrsnetz angeschlossen werden. In der Planungsphase wurde die Geduld der von Lärm und Abgas geplagten Bürger Heldenbergens stark strapaziert.

Die »Bald-Straße führt zum Niemals-Platz« zitierte Schultheiß rückblickend auf das Jahr 1987 ein geflügeltes Wort aus Spanien. Den Interessenstreit zwischen Ökologie und Ökonomie schlichtete man 2004 mit der Umsiedlung einer gefährdeten Feldhamsterpopulation auf dafür gepachtete Wiesen und Äcker. Der Bundesrechnungshof forderte 2006 plötzlich entgegen seiner zuvor geäußerten Kritik an zu hohen Baukosten den vierspurigen Ausbau der Umgehung angesichts des steigenden Verkehraufkommens. »Eine weitere Neuplanung hätte ein weiteres Jahrzehnt beansprucht«, erinnerte sich das Stadtoberhaupt. Mithilfe des SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe und unterstützt durch 2000 Unterschriften konnte in Berlin ein Kompormiss für das Projekt ausgehandelt werden.

Sollte sich bis 2015 ein weiter ansteigendes Verkehrsaufkommen bestätigen, dann kann das Stück zwischen Kilianstädter und Friedberger Straße noch nachträglich ausgebaut werden. Archäologen fanden auf dem Gebiet der Trasse in Nidderau »7000 Jahre alte Tonscherben«, erinnerte der Parlamentarische Staatssekretär Ulrich Kasparick. Ein großes Stück Arbeit leistete beim Projekt Umgehungsstraße das Amt für Bodenmanagement Büdingen.

Es führte die Flurbereinigung einschließlich des Wegebaus und der Anpflanzung von Schutzgehölzen durch. Bei der Unternehmensflurbereinigung handelt es sich um ein Instrument zur Eigentumsregelung für die Umgehung. Es verhindert Enteignungen, verteilt die Lasten auf einen größeren Kreis von Eigentümern (Landwirten), ordnet im Bereich der Trasse die Felder neu (durch den Verlauf mitten durch die Landschaft ist es unvermeidbar, Felder zu zerschneiden), ersetzt alte zerschnittene Wege durch ein neues Wegenetz im Trassenbereich, plant und realisiert naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen etwa im Bereich von Bachauen.

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