+

Erste Schlägerei: Bundesliga-Derby in Darmstadt wirft Schatten voraus

Das Sperrverbot für Eintracht-Fans in Darmstadt ist heftig umstritten. Einige Randalierer haben sich schon jetzt in die Innenstadt des Bundesliga-Konkurrenten vorgewagt.

Darmstadt (dpa/lhe) - Bereits vier Tage vor dem brisanten Bundesliga-Derby zwischen dem SV Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt sind Fans aus beiden Lagern aufeinander losgegangen. In der Darmstädter Innenstadt gab es nach Mitteilung der Polizei am Dienstagabend Auseinandersetzungen. Pyrotechnik kam zum Einsatz, von Verletzten ist nichts bekannt. Derweil sorgt das Aufenthaltsverbot von Eintracht-Anhängern am Wochenende in Darmstadt auch in der Politik für Diskussionen. Innenminister Peter Beuth (CDU) hält die ungewöhnliche Maßnahme jedoch für "mit Sicherheit wohl abgewogen".

70 bis 90 Eintracht-Fans hatten sich in einer Darmstädter Kneipe getroffen. Als die teils vermummte Schar weiter Richtung Innenstadt wollte, trafen sie auf Anhänger der "Lilien". Die Polizei schritt ein und kontrollierte die Fangruppen. Sieben einschlägig bekannte Anhänger der Eintracht wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.

Aus Angst vor Randale beim Aufeinandertreffen der beiden abstiegsbedrohten Erstligisten am Samstag (15.30 Uhr/Sky) war neben dem Stadion am Böllenfalltor auch die Darmstädter Innenstadt für die Gäste-Fans zur Sperrzone erklärt worden. Für die Frankfurter Anhänger gelte am Wochenende 36 Stunden lang "ein Aufenthaltsverbot für die erweiterte Darmstädter Innenstadt", hatte Polizei-Einsatzleiter Bernd Denninger mitgeteilt. Die Fanorganisation "Nordwestkurve Frankfurt" hatte das Verbot umgehend scharf kritisiert.

Beuth wollte die Entscheidung des Darmstädter Ordnungsdezernenten am Mittwoch in Neu-Isenburg nicht weiter kommentieren, da er die Einzelheiten der Verfügung nicht kenne. Wichtig sei, dass es am Samstag zu einem "friedlichen Fußballfest" komme.

Sein Parteikollege Frederic Schneider, Kreisvorsitzender der Jungen Union Main-Taunus, verglich die Maßnahmen sogar mit dem türkischen Regime um Präsident Recep Erdogan. "Menschen aus einer Stadt auszusperren, nur weil sie Fans einer Mannschaft sind - Türkei? Nein, Darmstadt", twitterte er. Die außergewöhnliche Maßnahme stützt sich auf das hessische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Hermann Schaus, Parlamentarischer Geschäftsführer und sportpolitischer Sprecher der Linke-Fraktion, sprach am Mittwoch im Landtag von "Sippenhaft" und kritisierte: "Die völlig überzogene, beinahe hysterische Reaktion der Stadt Darmstadt, allen Anhängern von Eintracht Frankfurt ein allgemeines, fast 36 Stunden andauerndes Aufenthaltsverbot in Darmstadt zu verhängen, ist weder deeskalierend noch verhältnismäßig."

Er könne sich nicht vorstellen, dass eine solche unverhältnismäßige Maßnahme bei einer entsprechenden Klage aufrechtzuerhalten sein werde. Allerdings ist bis zum Mittwochmittag beim Verwaltungsgericht Darmstadt noch kein Antrag auf eine Einstweilige Verfügung eingegangen.

Für viele stellt sich auch die Frage, wie die Sicherheitsbehörden diese Maßnahme durchsetzen wollen. "Nicht jeder trage seine Leidenschaft für einen Fußballverein auf der Stirn geschrieben oder mache sie durch das Tragen von Fan-Utensilien nach außen erkennbar", erklärte Schaus.

Nach den Ausschreitungen im Hinspiel hatte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einen Ausschluss der Eintracht-Fans für die Partie verfügt. Dennoch rechnet die Polizei mit bis zu 3000 Eintracht-Fans in Darmstadt.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare