Erdkorridore als Lösung

Fulda/Bayreuth (dpa/lhe). Die geplante 800 Kilometer lange unterirdische Stromtrasse von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg könnte durch Nord- und Osthessen gebaut werden. Der Netzbetreiber Tennet hat gestern mehrere Varianten für den Verlauf des Milliardenprojekts veröffentlicht. Demnach verläuft eine mögliche Variante der Gleichstromverbindung durch die Kreise Werra-Meißner, Hersfeld-Rotenburg, Fulda sowie am Rande durch den Main-Kinzig-Kreis.

Der Investor schlägt im gesamten Verlauf als Diskussionsgrundlage mehrere 1000 Meter breite Korridore für die Erdkabelleitungen vor. In Nord- und Osthessen sind zwei Varianten vorgeschlagen, die beide zwischen der A7 und der Landesgrenze nach Thüringen verlaufen. In diesen Korridoren soll dann später der Verlauf der eigentlichen, 20 bis 25 Meter breiten Trasse gefunden werden. Die Kabelstränge sollen auf der gesamten Strecke unterirdisch verlegt werden. Tennet hatte die Gleichstromleitung ursprünglich überirdisch verlegen wollen. Das hatte auch in Nord- und Osthessen zu heftigen Protesten geführt. Ganz neu an den Plänen ist, dass Tennet jetzt auch alternativen Trassen durch Westthüringen vorschlägt. Dazu hatte Tennet bislang keine Vorschläge gemacht. Bei einem Verlauf durch Thüringen würde in Hessen gar nicht gebaut. Die neuen Erdkabelkorridor-Vorschläge basieren auf Kriterien für erdverlegte Leitungen, die sich grundlegend von denen für die Planung von Freileitungen unterscheiden. Zu den wichtigsten Kriterien für die Planung der Gleichstrom-Erdkabelverbindung gehören die Geradlinigkeit und Kürze der Strecke. Betriebaufnahme 2025 Von Mitte Oktober bis Mitte November will Tennet Info-Foren veranstalten. Im gesamten Trassenverlauf sind 30 Veranstaltungen geplant. Tennet will den Genehmigungsantrag im ersten Quartal 2017 bei der Bundesnetzagentur einreichen. Der Netzbetreiber rechnet mit einer Bauzeit von vier Jahren. 2025 soll die Stromleitung in Betrieb gehen. Sie soll Strom aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Windparks, im Norden in den industriereichen Süden transportieren. Mit der Stromautobahn soll der stockende Ausbau der Stromnetze vorangetrieben werden. Im Jahr 2022 geht in Deutschland das letzte Atomkraftwerk vom Netz. Mit dem Vorrang für die Erdverkabelung kam die Bundesregierung dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) entgegen. Der hatte gegen die großen Freilufttrassen wegen des großen Widerstands in der Bevölkerung gekämpft. Kritik wegen der Kosten in Milliardenhöhe wies Seehofer aber zurück.

Quelle: Gießener Allgemeine

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