Entlastung für Anwohner? Pilotenunterstützungssystem

Frankfurt (dpa). Für einen leiseren Anflug auf den Frankfurter Flughafen ist testweise eine neue Software für Piloten im Einsatz. Das Assistenzsystem soll es ermöglichen, dass die Flugzeuge möglichst im Leerlauf ohne zusätzliches Beschleunigen und Bremsen landen, wie Professor Stefan Levedag vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gestern in Frankfurt sagte. Die Software wurde zuvor im Simulator erfolgreich getestet, nun ist sie von diesem Montag bis Mittwoch erstmals auf einem Verkehrsflughafen im Einsatz. Zu erwarten sei "ein deutlich hörbarer Unterschied", sagte Levedag. Bis zur Markteinführung könne es allerdings noch ein bis zwei Jahre dauern.

In einem Forschungs-Airbus A320 sind über Frankfurt auch Verkehrspiloten dabei, um das vom DLR entwickelte System zu testen. Die Landung sei die arbeitsintensivste Phase des Fluges, je nach Wind und Verkehrsaufkommen bekämen die Piloten ständig neue Anweisungen, sagte Levedag. Das Assistenzsystem soll die Kapitäne über ein Display im Cockpit unterstützen, Bremsklappen und Fahrwerk zu einem Zeitpunkt ausfahren, zu dem dadurch möglichst wenig Lärm entsteht. Auch Treibstoff könne auf diese Weise eingespart werden. Die Test- ergebnisse sollen im November vorgestellt werden. Der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sprach von einem Baustein im Konzept der Regierung zur Verminderung von Fluglärm, den das Land mit 560 000 Euro unterstütze. Denkbar sei, mit geringeren Flughafenentgelten einen Anreiz zum Einsatz einer solchen Software zu schaffen. Vorschläge für Lärmobergrenze Al-Wazir legt heute einen Vorschlag für eine Lärmobergrenze für den Flughafen vor. Medienberichten zufolge will er das Lärm-niveau so begrenzen, dass es nicht über das der vergangenen Jahre steigt. 2014 gab es 469 000 Starts und Landungen in Frankfurt, 2015 waren es 468 000. Genehmigt ist ein Anstieg auf maximal 701 000 Flugbewegungen im Jahr 2020. Betreiber Fraport hat bereits klargestellt, Abstriche an seiner Kapazität nicht hinzunehmen. Vorstandsmitglied Anke Giesen sagte gestern in Frankfurt, Fraport wolle weiter in Kooperation mit der Landesregierung am Thema Lärmschutz arbeiten. Wichtig sei jedoch, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens nicht gefährdet werde. An den Tests des Assistenzsystems für leisere Landungen beteiligt sind auch Piloten der Fluggesellschaft Condor. Condor-Chefpilot Dietmar Wolff sagte, er rechne mit einem positiven Testergebnis. Mit Bezug auf die Lärmobergrenze forderte Wolff eine gemeinsame Lösung mit Fraport auf freiwilliger Basis: "Auf eine behördliche Anordnung seitens der Politik sollte unserer Meinung nach verzichtet werden." (eb). Das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelte Pilotenunterstützungssystem dient dem präzisen Einhalten "vertikaler Anflugprofile", informiert die Fluglärmkommission auf ihrer Internet-Seite. Sie ist ein nach dem Luftverkehrsgesetz installiertes Beratungsgremium des hessischen Wirtschaftsministeriums, der Deutschen Flugsicherung GmbH und des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung. Anflüge seien oftmals lauter als technisch notwendig, da die für den Anflug optimale Geschwindigkeit nicht eingehalten wird. Beispielsweise gibt der Pilot unnötig Schub oder die Klappen oder das Fahrwerk werden zu früh ausgefahren. Mit dem Assistenzsystem soll es Piloten ermöglicht werden, den Anflug möglichst konstant durchzuführen. Ziel des Assistenzsystems ist es, die Triebwerke im Leerlauf zu halten. Das System berechnet genau, welche Handlungen der Piloten wann notwendig sind, um so lärmarm (und kerosinsparend) wie möglich anzufliegen.

Quelle: Gießener Allgemeine

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