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Energie in Eigenregie

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Führung durch den Industriepark anlässlich der »Langen Nacht der Industrie«.
Führung durch den Industriepark anlässlich der »Langen Nacht der Industrie«. © bf

Der Industriepark Höchst versorgt die dort ansässigen Unternehmen komplett mit Energie, die auf dem Gelände produziert wird. Davon konnten sich Besucher der »Langen Nacht der Industrie 2019« bei einem Rundgang durch eine Ersatzbrennstoff-anlage überzeugen.

Die Arme des Greifers öffnen sich und er bewegt sich langsam in die Tiefe, um sich von dort eine große Ladung Müll zu holen. Der Bunker der Ersatzbrennstoffanlage (EBS) auf dem Gelände des Industrieparks Höchst, durch die der Greifer seine Bahnen zieht, ist mit bis zu 35 000 Kubikmetern aufbereitetem Abfall befüllt, der thermisch genutzt wird. Konkret heißt dies, aus Müll wird durchgehend an sieben Tagen pro Woche Energie produziert, mit denen die 90 Unternehmen versorgt werden, die am Standort des Industrieparks ansässig sind.

»Rund ein Viertel der Energieversorgung für den Industriepark wird durch die Ersatzbrennstoffanlage hergestellt«, erklärt es Gästeführerin Blanka Slavik einer rund 35-köpfigen Gruppe. Anlass der Führung durch das imposante Bauwerk ist die »Lange Nacht der Industrie 2019«. Die Gruppe ist eine von insgesamt dreien, die mehr über den Industriepark Höchst und die Unternehmen auf dem 460 Hektar großen Gelände erfahren haben.

Normalerweise haben Menschen, die nicht zu den rund 22 000 Mitarbeitern des Industrieparks gehören, keinen Zutritt zum Gelände - und erst recht nicht zu einer der dort befindlichen Anlagen oder Werke. Zur »Langen Nacht der Industrie« aber ist dies anders. Bei der jährlich organisierten Veranstaltung öffnen Unternehmen aus der Industrie ihre Türen für Interessierte und geben Einblicke in ihre Arbeit.

Betrieben wird die EBS-Anlage von Thermal Conversion Compound (T2C), einer hundertprozentigen Tochter von Infraserv, dem Betreiber des Industrieparks, der den Rundgang organisiert hat. Zu dessen Aufgaben zählen neben dem Management, der Logistik und der Ausbildung unter anderem auch die Energieversorgung, die, wie es Blanka Slavik erklärt, am Standort autark sei. Das bedeutet, dass der Industriepark die komplette Energie für die Versorgung der ansässigen Unternehmen mit eigenen Anlagen produziert - die EBS ist eine davon.

Arno Wenzel steht mit seinen Kindern Agnes (14) und Veit (20) sowie mit seinem Vater Norbert Wenzel im Kranleitstand der Anlage, von dem aus die Arbeit des Greifers, dessen Arme sich wie die einer Spinne bewegen, bestmöglich sichtbar ist. Familie Wenzel nimmt nicht zum ersten Mal an der »Langen Nacht der Industrie« teil. »Wir sind bestimmt schon zum sechsten oder siebten Mal dabei«, erzählt Arno Wenzel. Motivation sei eigenes Interesse an den Unternehmen und die Wissensvermittlung an den Nachwuchs.

Qualitätskontrolle

Die Gruppe erfährt von Slavik weiter, dass der Müll, zu dem zum Beispiel Kunststoffabfälle und Metallschrott zählten, nicht im Industriepark selbst aufbereitet wird. Vielmehr werde dieser durch hierauf spezialisierte externe Firmen per Lkw angeliefert. Gleich mehrere Tore sind am Außenbereich des Gebäudes der Anlage zu sehen. Slavik verweist auf das Tor mit der Nummer 11 und sagt: »Bevor das Material in den Bunker kommt, gibt es eine Qualitätskontrolle, die dort vorgenommen wird.«

Der Industriepark Höchst beteiligt sich regelmäßig an der »Langen Nacht der Industrie«, die durch eine Agentur im Auftrag der Industrie- und Handelskammer organisiert wird. Auch das auf dem Gelände ansässige Unternehmen Bayer Crop Science, das seinen Schwerpunkt auf Pflanzenschutz legt, öffnet sein Hochlager und zeichnet für die Besucher der Veranstaltung den Weg einer Palette bis zum Versand in einem Seecontainer nach. Es ist die zweite Station der Gruppe, die per Bus den Industriepark an diesem Abend erkundet. Und natürlich darf auch eine Besichtigung des in der 1920er Jahren errichteten Peter-Behrens-Baus nicht fehlen, der auf dem Gelände stellvertretend für den historischen Teil der ehemaligen Hoechst AG steht.

Alexandra Flieth

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