Einst mit Elvis auf der Bühne: TCB-Band begeistert im Dolce

Bad Nauheim/Friedberg (wz). Tausende Fans haben am Wochenende das zwölfte European Elvis-Festival gefeiert. Die Besucher kamen aus aller Welt, einige reisten aus den USA, Kanada oder Australien an.

Den 36. Todestag von Elvis Presley, der Ende der 1950er Jahre in Friedberg stationiert war und sein »European Home« in Bad Nauheim hatte, nahmen Fans aus aller Welt zum Anlass, in die Wetterau zu reisen. Für die Bad Nauheimer Stadtmarketing-Chefin Katja Heiderich war der Auftritt der TCB-Band, die einst mit Elvis auf der Bühne gestanden hatte, im historischen Theater des Dolce der Höhepunkt der Veranstaltung.

Die beiden Konzerte der legendären TCB-Band mit Dennis Jale und seiner Jam Gang gehörten auch für viele Besucher zu den herausragenden Programmpunkten des Elvis-Festivals. Drei ehemalige Originalmusiker des King of Rock’n’Roll – James Burton, Glen D. Hardin und Ronnie Tutt – präsentierten gemeinsam mit dem österreichischen Ensemble ein unglaubliches Elvis-Repertoire und verwandelten das historische Theater des Dolce in einen Hexenkessel.

Die drei Musiker kamen in Bad Nauheim an wie andere Gäste auch: unauffällig. Checkten ein ins Hotel Dolce, packten ihre Koffer aus und akklimatisierten sich – bis auf James Burton. Der Gitarrist hatte auf seinem Flug von Shreveport über Houston nach Frankfurt sein Gepäck verloren. »Nun«, meint er schmunzelnd, »duschen kann ich ja, aber frische Sachen und die eigene Zahnbürste wären schon toll«. So richtig aus der Bahn wirft ihn das nicht, zu viel hat er dafür erlebt. James spielte und spielt nach wie vor an den Seiten berühmter Musiker. Frank Sinatra, Roy Orbison, Johnny Cash, Ray Charles, Elvis Costello oder die Beach Boys sind nur einige davon. Und selbstverständlich Elvis Presley. Gerne erinnert sich Burton an die gemeinsame Zeit mit dem King. In den vielen Jahren der Zusammenarbeit haben die Männer einiges erlebt. »Elvis war einer der wundervollsten Menschen, die ich kennenlernen durfte«, erzählt Burton stolz. Er sei liebenswert und großzügig gewesen. Einmal, erinnert sich der Gitarrist, habe Elvis jemandem auf der Straße in Memphis einen Cadillac geschenkt. »Das passierte so spontan und nebenbei, dass die Lady damals fast ohnmächtig geworden ist.«

Nachdenklich allerdings spricht er von Elvis’ Todestag. »Ich war im Flugzeug auf dem Weg zur nächsten Tour mit dem King, als der Kapitän über Funk angehalten wurde, umzukehren. Nachdem ich vom Tod meines Freundes erfahren hatte, vergingen die folgenden Stunden wie in Zeitlupe«, erzählt er und schweigt für einen Moment. Es sei einfach unendlich traurig gewesen.

Glen D. Hardin fühlt sich sehr wohl in der Kurstadt. »Ich war auch schon einmal hier«, erzählt der Pianist, er wisse aber nicht mehr wann und warum. Ronnie Tutt kam in Begleitung seiner Frau in die Wetterau. »Es ist phantastisch hier«, schwärmt der Schlagzeuger. Das Klima hier sei viel angenehmer als bei ihnen zu Hause.

Trotz Sightseeing und Spaziergängen hatten die legendären Musiker ein strammes Programm. Gut organisiert durch die Elvis-Presley-Gesellschaft und begleitet durch deren Vorsitzende Maria Hesterberg ging es für die älteren Herren von einem Termin zum anderen. Nachdem sie sich am Samstagnachmittag unter Applaus und Blitzlichtgewitter in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hatten, standen sie im gut besuchten Kursaal des Hotels Dolce dem Publikum Rede und Antwort.

Gelassen und geduldig verfielen sie nahezu in Plauderei, ergänzten und unterbrachen sich in ihren Erinnerungen.

Der King war nicht glücklich

Offen und ehrlich sprachen die Musiker über Vergangenes, diskutierten Probleme, die es damals gab und gaben den einen oder anderen Scherz zum Besten. Elvis sei ein ausgesprochen humorvoller Mensch gewesen, der gerne Späßchen gemacht hätte. So hätte er es geliebt, ab und zu während Konzerten seine Jungs auf der Bühne mit Trinkwasser nass zu spritzen. »Einmal, auch zweimal war es lustig«, erzählt Hardin. Tutt wirft ein, dass es irgendwann zu viel geworden sei. Also beschlossen die jungen Männer, sich zu revanchieren und schossen mit versteckten Wasserpistolen zurück. »The Queen was not amused, heißt es so schön«, lacht James und meint schelmisch grinsend: »And the King was not very happy.«

Im Soundcheck unter Ausschluss der Öffentlichkeit bewiesen die alten Profis ihr Können. Konzentriert gingen sie gemeinsam mit Sänger Dennis Jale und seiner Jam Gang das Programm durch, veränderten Feinheiten, tauschten sich aus, um ein perfektes Abendkonzert bieten zu können. Und so standen sie – wieder einmal – gemeinsam auf der Bühne, rockten das historische Theater und verzauberten ihr Publikum. Wer genauer hinsah, entdeckte in dem einen oder anderen Moment ein Lächeln in den Gesichtern von James, Glen und Ronnie, das zeigte, wie sehr sie die Zeit mit ihrem Chef, Kollegen und Freund Elvis genossen hatten.

Von Graceland in die Wetterau

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