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Einheitsjubiläum: Gauck sieht Grund zum Feiern und neue Aufgaben

Seit 25 Jahren ist Deutschland wiedervereint. Für den Bundespräsidenten ist das ein Grund zum Feiern. Beim Festakt in Frankfurt schlägt Gauck den Bogen zu aktuellen Herausforderungen durch die Flüchtlingskrise. In der Stadt feiern Hunderttausende ein Bürgerfest - mit kleinen Zwischenfällen.

Frankfurt/Main (dpa) - Mit dem zentralen Festakt und einem großen Bürgerfest hat Deutschland am Samstag in Frankfurt den 25. Jahrestag seiner Wiedervereinigung gefeiert. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte in der Alten Oper die friedliche Revolution von 1989. Trotz vieler Schwierigkeiten und Enttäuschungen stehe für ihn die positive Bilanz außer Frage: «Es gibt etwas zu feiern.» Gauck verglich die Wiedervereinigung mit der aktuellen Aufgabe, Hunderttausende Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren. Auch damals habe es kein historisches Vorbild gegeben, trotzdem hätten Millionen Menschen die Aufgabe angenommen und bewältigt. 

Der Festakt war der Höhepunkt der Einheitsfeiern in Frankfurt. Zu einem dreitägigen Bürgerfest unter dem Motto «Grenzen überwinden», das schon am Freitag begann, werden insgesamt eine Million Menschen erwartet. Bundesländer und Bundesregierung präsentieren sich in der Stadt, es gibt ein umfangreiches Kulturprogramm mit Live-Musik. Große Teile der Innenstadt sind abgesperrt. 

Nach einem ökumenischen Gottesdienst im Kaiserdom hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), als amtierender Bundesratspräsident Gastgeber der Einheitsfeier, in der Alten Oper neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unter anderem den früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und den letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière begrüßt. An Helmut Kohl, der aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Feier kommen konnte, sandte Bouffier Dank für seine historische Leistung als «Kanzler der Einheit». An der Feier nahmen auch Ex-Bundespräsident Christian Wulff und Frau Bettina teil. 

In seiner Festrede ging Gauck auf Ängste und Fragen angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen ein: «Wie 1990 erwartet uns eine Herausforderung, die Generationen beschäftigen wird. Doch anders als damals soll nun zusammenwachsen, was bisher nicht zusammen gehörte.» Ost- und Westdeutsche sprächen dieselbe Sprache und blickten auf dieselbe Kultur und Geschichte zurück. «Wie viel größere Distanzen dagegen sind zu überwinden in einem Land, das zum Einwanderungsland geworden ist.

» Auch wenn es in der Debatte Kontroversen gebe: «Lassen Sie aus Kontroversen keine Feindschaften entstehen», appellierte Gauck unter dem Beifall der Gäste. Die gemeinsame Wertegrundlage sei unverzichtbar - «unsere Werte stehen nicht zur Disposition.» 

Den früheren DDR-Bürgerrechtlern, die bei der Feier in der ersten Reihe saßen, sprach Bouffier Anerkennung für ihren Mut aus: «Dieser Tag ist besonders auch Ihr Tag.» Auch eine Gruppe Flüchtlinge nahm auf Einladung der hessischen Landesregierung am Festakt teil. An sie appellierte Bouffier, auf der Grundlage der klaren Werte der Verfassung eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Wie vor 25 Jahren könne es auch jetzt keinen Masterplan geben, aber die Erfahrung habe gezeigt, «dass wir die Kraft haben, auch außergewöhnliche Herausforderungen erfolgreich zu gestalten.»

Zu einem Zwischenfall kam es am Nachmittag, als rund 50 Demonstranten das Bundesratszelt stürmten und die symbolische Übergabe der Bundesratspräsidentschaft von Hessen an Sachsen verzögerten. Die Gruppe warf mit Karteikarten und Papierschnipseln um sich und verlangte ein Bleiberecht für Flüchtlinge. Weder Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier noch sein sächsischer Kollege Stanislaw Tillich (beide CDU) waren zu dem Zeitpunkt auf der Bühne. Die Polizei drängte die Protestierer nach draußen, Festnahmen gab es nach ersten Berichten nicht. 

Zwei Polizisten wurden verletzt, als Unbekannte stinkende Buttersäure vor dem Präventionsmobil der Polizei an der sogenannten Blaulichtmeile am Main vergossen. Die Flüssigkeit habe die Augen der Beamten gereizt und Übelkeit ausgelöst, beide seien ins Krankenhaus gebracht worden, sagte eine Sprecherin. Auch im Zelt der Bundesregierung wurde laut Polizei eine stinkende Flüssigkeit verschüttet. Schon am Freitagabend hatten laut Polizei rund 1000 Demonstranten gegen die Einheitsfeier protestiert. Dieser Protest verlief friedlich.

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