Dr. Eckart von Hirschhausen erklärt in der Rittal-Arena mitten im Publikum, warum das Leben wie eine Wunderkerze ist. 	(Foto: nab)
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Dr. Eckart von Hirschhausen erklärt in der Rittal-Arena mitten im Publikum, warum das Leben wie eine Wunderkerze ist. (Foto: nab)

Eckart von Hirschhausen erklärt das Unerklärliche

Wetzlar (nab). Warum wechselt ein Arzt ausgerechnet in die Unterhaltungsbranche? Weil’s prima zusammenpasst – und Ärzte und Zauberer sich ziemlich ähneln. Das hat Dr. Eckart von Hirschhausen mit seinem Programm »Wunderheiler« am Mittwochabend in der Rittal-Arena vor mehr als 2000 Zuschauern immer wieder deutlich gemacht.

Bevor er nach Wetzlar kam, hatte der Mediziner und Kabarettist am Nachmittag an der Justus-Liebig-Universität Gießen seinen Lehrauftrag wahrgenommen und Erst- und Zweitsemestern eine Vorlesung zum Thema »Arzt-Deutsch/Deutsch-Arzt – Warum Worte Medizin sind« gehalten.

In seinem fünften Bühnenprogramm mit der Unterzeile »Wie sich das Unerklärliche erklärt« beschäftigte sich der passionierte Zauberer vor allem mit Medizin und Magie. Sein Credo: Es gibt viel Scharlatanerie im medizinischen Sektor. Aber sinnvolle Schulmedizin in Verbindung mit der positiven Wirkung des Lachens könne wahre Wunder bewirken. Um seine Thesen zu untermauern, tanzte der Arzt, Moderator und Kabarettist den Zuschauern nicht nur ein Problem vor, sondern animierte sie auch durch Gesangseinlagen wie beim Mainzer Karnevalslied »Heile, heile Gänsje, es is bald widder gut«, tatkräftig mitzumachen. Bei seinen Zaubertricks ließ sich ein mutiger Weinhändler aus Gießen den Blinddarm entfernen und eine nette Psychologin, ebenfalls aus Gießen, legte ihre Hand für Hirschhausen in eine Guillotine. Mithilfe von Tricks wie diesen zeigte er, wie leicht der Mensch zu täuschen ist.

Auch in der Medizin. Von schwingenden Pendeln, Telekinese, Bachblüten und kinesiologietreibenden Orthopäden bis hin zur heilsamen Wirkung von Placebo-Operationen nahm Hirschhausen den medizinischen Sektor auf’s Korn. »Ich muss mir nichts ausdenken, sondern einfach erzählen, wie es war«, sagte der 47-jährige Mediziner, der unter anderem in der Kinderneurologie der Freien Universität Berlin gearbeitet hat und nicht abstreitet, dass es auch sinnvolle Komplementärmedizin wie Akupunktur gibt.

Aus Wein wird Wasser

Yoga sei auch gut, denn da lerne man schließlich entspannte junge Frauen kennen, die Stellungen machen, um die man sonst nur bettelt. Auch dass der menschliche Körper ein Wunder ist, versuchte Hirschhausen zu verdeutlichen: »Wir wundern uns darüber, dass Jesus aus Wasser Wein machen konnte, aber nicht darüber, dass unser Körper über Nacht aus Wein Wasser macht.«

Bei aller Blödelei fand Hirschhausen, der bei seinem Programm von Christoph Reuter musikalisch am Flügel unterstützt wurde, auch ernste, nachdenklich stimmende Worte. »Wenn das Gesundheitssystem Operationen zahlt, statt den Patienten Zeit zum Abwarten einzuräumen, dann kriegt jeder ein künstliches Hüftgelenk, der nicht bei drei auf den Bäumen ist.« Unglaublich idiotische Behauptungen gebe es in der Medizin, und Pharmakonzerne machen mit diesen Geld, meinte Hirschhausen, der an den gesunden Menschenverstand appellierte. Es gehe nicht darum, mit dem Leid der Menschen Geld zu verdienen und den Patienten als Kunden zu betrachten, sondern darum, wieder Barmherzigkeit und Mitgefühl zu lernen, sagte er zu allen im medizinischen Bereich Arbeitenden. Weil Lachen gut gegen Schmerz ist, gründete Hirschhausen 2008 die Stiftung »Humor hilft heilen«, die Clowns in Krankenhäuser und Pflegeheime bringt. Gegen eine Spende für die Stiftung in Höhe von fünf Euro bekam man in Wetzlar eine rote Clownsnase. Die sollte dann auch daran erinnern, wie wichtig der Humor im eigenen Leben ist.

Nachdem man mehr als einmal Katja Ebsteins »Wunder gibt es immer wieder« (den jüngeren Zuschauern erklärt der Kabarettist, dass Ebstein die Conchita Wurst ihrer Mutter gewesen sei) hören und singen musste und Hirschhausen auf die vorher von den Besuchern ausgefüllten Karten über ihre eigenen Wunder und Zufälle einging, kam er langsam zum Ende. »Das Leben ist wie eine Wunderkerze«, führte er den Zuschauern bildlich vor Augen. »Es brennt ab, so oder so. Aber wundern müssen wir uns selber.«

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