DSDS-Castingshow in Gießen

Gießen (fd). Die Aussicht auf Ruhm, 500 000 Euro sowie einen Plattenvertrag haben am Dienstag mehrere Hundert zumeist Jugendliche auf den Kirchenplatz gelockt. Dort gastierte "Deutschland sucht den Superstar" mit der "größten Castingtour aller Zeiten".

Ob Models, Zauberer, Tänzer oder Sänger: Die Zukunft ist jetzt. Jedenfalls dann, wenn es nach Andy Warhol geht. "In Zukunft wird jeder 15 Minuten berühmt sein", sagte er einst. "Deutschland sucht den Superstar" gastierte nun mit der "größten Castingtour aller Zeiten" auf dem Kirchenplatz. Natürlich. Positiv und Komparativ haben bei der Show, die seit über zehn Jahren auf RTL ausgestrahlt wird, noch nie eine Rolle gespielt. Unter dem Superlativ geht nichts. Die meist jungen Teilnehmer lockte die Chance auf 500 000 Euro, einen Plattenvertrag und ihre "15 Minuten" des Ruhms. Auch auf die Gefahr, sich zum Gespött der Leute zu machen.

Die meistgestellte Frage an diesem Nachmittag: Was passiert im Truck? Dieter Bohlen – in der Logik von "Deutschland sucht den Superstar" der prolligste Juror aller Zeiten, dessen Gebaren vor einigen Jahren bereits die Kommission für Jugendmedienschutz wegen "möglicher sozialethischer Desorientierung von Kindern und Jugendlichen" auf den Plan gerufen hatte – ist natürlich nicht dabei. Wohl aber Redakteure von RTL.

Nur eine "repräsentative Auswahl" der Teilnehmer aus dem Castingtruck schafft es vor die Jury, die man aus dem Fernsehen kennt. Der Begriff "repräsentative Auswahl", so bestätigt Sprecherin Anke Eickmeyer, bedeutet genau das: Auch die Nichtskönner und Zurschausteller werden im Zweifelsfall vor einem Millionenpublikum vorgestellt. Oder: vorgeführt. Die neue Staffel, bei der vielleicht auch Gießener zu sehen sein werden, strahlt RTL Anfang nächsten Jahres aus.

"Ich habe mir extra die Augenbrauen gezupft", antwortet eine junge Frau auf die Frage nach der Vorbereitung. In den Händen hält sie den ausgefüllten Castingbogen. Im Kleingedruckten ist darauf etwa Folgendes zu lesen: "Mir ist bekannt, dass zu einem späteren Zeitpunkt im Falle einer erfolgreichen Auswahl für die Teilnahme an der Produktion weitere Verträge, insbesondere weitere Teilnehmerverträge sowie ein Management- und Künstlerexklusivvertrag, mit mir geschlossen werden, deren Abschluss Bedingung für die weitere Teilnahme ist.

" Oder: "Ich übertrage dem Produzenten unentgeltlich, exklusiv und uneingeschränkt sämtliche im Zusammenhang mit meinen Leistungen und Werken bei mir entstandenen und/oder entstehenden urheberrechtlichen Nutzungs- und Leistungschutz- und sonstigen Rechte (einschließlich Bearbeitungsrechte)." Die Zukunft der Teilnehmer, sofern sie denn positiv oder negativ aus der Masse herausstechen, scheint damit vorgezeichnet: Entweder die Kurzzeitkarriere inklusive einem von Dieter Bohlen produzierten Album. Oder die verbale Ohrfeige vom Juror vor einem Millionenpublikum.

In Gießen sind viele Jugendliche dabei, gerne mehr als ausreichend geschminkt und parfümiert, aber genauso ein Straßenmusiker mit Gitarre und Hund, den man aus dem Seltersweg kennt. Anke Eickmeyer von RTL schätzt, dass "einige hundert" tatsächlich am Casting teilnehmen, wesentlich mehr haben sich zum Sehen und Gesehenwerden auf dem Kirchenplatz eingefunden.

Die Teilnehmer haben Hoffnungen, eventuell auch Zukunftsängste: Wenn nichts geht, dann vielleicht Superstar? In Vieraugengesprächen mit den Redakteuren von "Deutschland sucht den Superstar" werden die persönlichen Geschichten abgefragt. Mit Musik hat das wenig zu tun, wohl aber mit Marketing: Wer hat jenseits der Bühne eine vielleicht sogar tränentreibende Episode zu erzählen?

Den bisherigen "Superstars" hat das zumindest auf lange Sicht nicht geholfen. Die meisten sind vergessen, ihre "15 Minuten" sind vorbei. Im besten Fall haben sie für die Karriere nicht die Ausbildung abgebrochen.

Quelle: Gießener Allgemeine

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