G8 droht das Aus

Wiesbaden (dpa/lhe). Eigentlich wollte Hessens Regierung bei der umstrittenen verkürzten Gymnasialzeit G8 nur Druck aus dem Kessel nehmen, doch über kurz oder lang droht der Schulform das Aus. Mit Beginn des neuen Schuljahres werden von 107 hessischen Gymnasien 39 zum Abitur nach 13 Jahren (G9) zurückkehren.

Elf wollen in einem Schulversuch beide Bildungsgänge anbieten.

Nach dieser ersten Welle erwartet Kultusministerin Nicola Beer (FDP) ein Abflauen des Streits. »Die Diskussion kann jetzt in einem ruhigeren Rahmen geführt werden.« Jahrelang hatten Eltern die Überlastung der Schüler in der verkürzten Mittelstufe kritisiert, deshalb gab Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) den Schulen ein Wahlrecht. Sie konnten sich wieder für G9 entscheiden. Faktisch ist daraus vor allem ein Wahlrecht der Eltern geworden. Zwar halten Ministerin Beer und die CDU/FDP-Koalition am Vorrang für G8 fest. Doch Ruhe herrscht in der Frage nicht. »Der Boden ist bereitet für G9«, sagt Elisabeth Walldorf. Sie ist Direktorin des Oberstufengymnasiums Martin-Niemöller-Schule in Wiesbaden, zugleich Landesvorsitzende des Verbands der Oberstudiendirektoren. Dabei schafft die erste Rückkehrerwelle schon ab diesem Sommer einige nahezu G8-freie Zonen in Hessen. In der Stadt Gießen kehren zwei von drei Gymnasien zu G9 zurück. Das dritte will künftig beides anbieten, doch auch dort überwiegen die Anmeldungen für G9. Im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis schwenken alle vier staatlichen Gymnasien auf G9 um, davon eins erst im Sommer 2014, berichtet der Vorsitzende des Kreiselternbeirates, Dieter Schorer.

Ein Kompromissweg ist, dass Gymnasien künftig beide Bildungsgänge anbieten. Bei der »Y-Variante«, bislang nur als Schulversuch genehmigt, trennen sich die Wege der G8-Schüler und der G9-Schüler nach der sechsten Klasse. Elf Schulen arbeiten ab Sommer nach diesem Modell, darunter drei der vier Gymnasien in Fulda. Beer sagt, weitere Schulen könnten sich bis September für den Modellversuch bewerben. Auch die jetzigen fünften und sechsten Klassen sollen noch auf G9 umschwenken können. Für die anderen Gymnasien verweigert dies die Landesregierung bislang.

Für eine Fortsetzung der G8-Diskussion sorgt auch die nahende Landtagswahl am 22. September. Die SPD will die Schulzeitverkürzung in der Mittelstufe generell rückgängig machen, die Grünen wollen eine echte Wahlfreiheit durchsetzen. Ob die Eltern mit dem neuen G9 glücklich werden, steht auf einem anderen Blatt. »G8 ist über die Jahre sehr verbessert worden«, sagt Schulleiterin Walldorf. Die Schulen hätten Mensen und Räume für ganztägigen Unterricht bekommen.

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