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Dreieich: Zeuge berichtet von vermummtem Einzeltäter

Mitten in der Nacht durchlöchern Schüsse Fenster eines Flüchtlingsheims im Kreis Offenbach. Ein Asylbewerber wird aus dem Schlaf gerissen, ein Schuss verletzt ihn leicht.

Dreieich (dpa/lhe) - Bei Schüssen auf eine Flüchtlingsunterkunft in Dreieich (Kreis Offenbach) ist ein Bewohner im Schlaf getroffen und leicht verletzt worden. Die Schüsse wurden nach Angaben der Polizei am Montag kurz vor 2.30 Uhr auf ein Fenster des Gebäudes abgegeben. Ein Projektil traf einen dort schlafenden Asylbewerber. Der 23-Jährige wurde in ein Krankenhaus gebracht, konnte aber nach kurzer ärztlicher Behandlung wieder entlassen werden.

Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Zur Art der Munition oder einem möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund wollte sich die Polizei nicht äußern. "Es kann alles sein, wir ermitteln in alle Richtungen", sagte ein Sprecher. Das Gebiet wurde für die Spurensuche abgesperrt. Die Polizei hofft nun auf Zeugenaussagen, um den Vorfall aufklären zu können.

Ein Zeuge sprach von einem vermummten Täter, den er gesehen habe. Es habe sich um eine Einzelperson gehandelt, die sechs- bis siebenmal aus einer Faustwaffe gefeuert habe, sagte der in der Unterkunft lebende Syrer der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem Verwundeten soll es sich ebenfalls um einen Syrer handeln.

Die Flüchtlinge sind in einem eingezäunten Gebäudekomplex mitten in einem Gewerbegebiet untergebracht. Die Schüsse schlugen in einem Anbau ein. Von wo genau sie abgefeuert wurden, ist laut einer Polizeisprecherin unklar. Auch ob sich der 23-Jährige allein in dem Zimmer aufhielt, wurde nicht mitgeteilt. Ermittler untersuchten akribisch die Einschusslöcher in der gesplitterten Glasscheibe in dem ebenerdigen Flachbau.

Nach der Tat wurde das hessische Landeskriminalamt (LKA) eingeschaltet. Es werde geprüft, ob die Behörde die Ermittlungen übernimmt, sagte ein LKA-Sprecher in Wiesbaden. Die Entscheidung werde voraussichtlich im Laufe des Tages fallen. In der Flüchtlingsunterkunft wohnen nach Auskunft der Stadt Dreieich derzeit 30 Personen. In dem von den Schüssen betroffenen Gebäudeteil seien 15 Männer untergebracht, 14 Syrer und ein Afghane, sagte eine Sprecherin. In dem anderen Gebäudeteil leben vier Familien.

Insgesamt leben in Dreieich 430 Flüchtlinge (Stand 31.12.). Es gebe zwölf größere Unterkünfte für jeweils 15 bis 30 Flüchtlinge und 50 kleinere Einheiten für jeweils 1 bis 7 Personen. In der Stadt sei es bisher nicht zu Angriffen oder Missfallensbekundungen gegen Asylbewerber gekommen, sagte die Sprecherin. Im Gegenteil: Es gebe eine Willkommenskultur mit einem großen ehrenamtlichen Netzwerk.

Im vergangenen April war eine Flüchtlingsunterkunft in Hofheim (Main-Taunus-Kreis) insgesamt neunmal mit einer Druckluftwaffe beschossen worden. Dabei wurde auf ein Fenster im ersten Obergeschoss der Unterkunft gefeuert. Verletzt wurde niemand der 53 Flüchtlinge, die in der Containeranlage untergebracht waren. Zwei Verdächtige wurden festgenommen.

Quelle: Gießener Allgemeine

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