Donald

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Ich verrate Ihnen jetzt mal ein Geheimnis: Donald Trump ist ein Schauspieler, Satiriker und Komiker und meint das alles nicht so. Ich weiß das, denn man kennt sich einfach in der Comedy-Szene. Es war ein lang gehegter, akribisch ausgearbeiteter Plan, der ganzen Welt aufzuzeigen, wie leicht es möglich ist, mit einem tumb-dummen, egozentrischen, populistischen und sexistischen Auftreten Präsident der größten Weltmacht der Erde zu werden.

Wir Künstlerkollegen lachten uns in geselliger Runde schlapp, als er uns von seinem Vorhaben damals beim Kegeln in Las Vegas erzählte und fühlten uns alle an Hape Kerkeling in der Rolle der Königin Beatrix erinnert. Doch Donald meinte es ernst mit seinem Plan. Als er dann tatsächlich Präsident wurde, versprachen wir ihm, niemandem davon zu er zählen. Er wollte ein paar wenige Monate ausprobieren, wie es ist, mit völliger Inkompetenz und Größenwahn US-Präsident zu spielen. Er plante so lustige Sachen wie beispielsweise eine Mauer an der mexikanischen Grenze zu bauen und ließ seine Gag-Autoren regelmäßig skurrile und sich selbst widersprechende Twitter-Nachrichten in die Welt jagen.

Auch seine grotesken Treffen mit dem kleinen Nordkoreaner fand ich noch originell, doch spätestens nach der Sache mit den Strafzöllen dachte ich, dass es langsam an der Zeit wäre, die Weltöffentlichkeit über den Fake aufzuklären. Wir Komiker-Kollegenkumpels, zu denen übrigens auch der aktuelle ukrainische Staatspräsident zählt, schrieben ihn immer wieder an, dass es doch nun langsam mal gut sei mit dem Schabernack. Die Weltlage sei zu ernst, siehe Iran…

Doch er ließ sich immer häufiger verleugnen, bis ich ihn gestern endlich persönlich ans Telefon bekam.

"Hey, Don, altes Haus", begrüßte ich ihn, "findest du nicht, dass es langsam mal gut ist? Alle haben den Gag jetzt verstanden. Ich finde, langsam sollten mal wieder die Profis Amerika regieren, oder?"

"Nein, nein", entgegnete er mir ernst, er sei noch lange nicht fertig. "Ich finde, ich mache das fantastisch. Ich bin der großartigste fantastischste Präsident, den es jemals gab. Ich mache eine verdammt guten, großartigen und fantastischen Job."

Ich lachte etwas gequält, doch Donald erzählte mir völlig ironiefrei davon, wie sehr es ihm Spaß mache, alle paar Tage Mitarbeiter zu entlassen und mit Russen und Ukrainern auszuhecken, wie man die Blödmänner der Demokraten ärgern könne.

Von Minute zu Minute wurde mir klarer, er meint das inzwischen wirklich ernst, und er wird tatsächlich noch einmal zur Wahl antreten, Impeachment-Verfahren hin oder her.

Fassungslos legte ich auf. Hatten wir, seine Comedy-Kollegen, eine Mitschuld, dass es so weit kommen musste? Ja, wir hätten da von Anfang an einschreiten müssen.

Mit schlechtem Gewissen rief ich hektisch in London in der Downing Street bei meinem guten Freund Boris Johnson an, der da gerade diese Brexit-Comedy-Nummer durchzieht, und dränge ihn, die Sache doch bitte abzubrechen.

"Das ist nicht lustig, Boris", sage ich.

Doch auch er hörte mir nicht zu.

Dietrich Faber ist Kabarettist, Musiker und Autor. Vor kurzem erschien der sechste und letzte Band seiner Krimikomödienreihe unter dem Titel "Sorge dich nicht, stirb! - Kommissar Bröhmann optimiert sich." Premiere ist am 11.10. in der Kongresshalle Gießen. Alle weiteren Termine und Infos gibt es unter www.dietrichfaber.de

Quelle: Gießener Allgemeine

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