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Deutscher in England verurteilt

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Limburg/London (dpa). Der Mann aus Limburg war von einer Frau besessen, doch sie wies ihn zurück. Deswegen musste sein Nebenbuhler - ein englischer Student - qualvoll sterben. So sah es eine Geschworenenjury im englischen Nottingham.

Limburg/London (dpa). Der Mann aus Limburg war von einer Frau besessen, doch sie wies ihn zurück. Deswegen musste sein Nebenbuhler - ein englischer Student - qualvoll sterben. So sah es eine Geschworenenjury im englischen Nottingham: Im Prozess um ein blutiges Eifersuchtsdrama wurde am Montag der 21-Jährige aus Mittelhessen deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Jury befand ihn für schuldig, seinen 20-jährigen Freund wegen seiner großen Liebe im September 2008 mit 86 Messerstichen umgebracht zu haben. Der Richter verhängte eine lebenslange Haftstrafe, wovon der 21-Jährige mindestens 18 Jahre verbüßen muss.

Das Martyrium des Opfers muss unvorstellbar gewesen sein. Noch im Todeskampf hatte der blutende Engländer versucht, vor seinem Mörder davonzukriechen. Der Boden und die Wände des Tatorts waren blutbespritzt. Mit seinem letzten Atemzug war es ihm noch gelungen, mit dem eigenen Blut die ersten Buchstaben des Vornamens des 21- Jährigen auf die Außenwand seines Computers zu schreiben. Der Richter sprach von einem »brutalen und grausamen Mord«, für den es nur eine lebenslange Haft geben könne. »Grund für die Tragödie ist, dass Sie nicht mit Zurückweisung umgehen können«, sagte der Richter.

Der 21-Jährige hatte die Mordabsichten bestritten und die Tat als Notwehr dargestellt. Er war im November von Deutschland unter der Voraussetzung ausgeliefert worden, dass er eine Strafe in seiner Heimat absitzt.

Der junge Mann aus Limburg hatte das spätere Opfer und dessen Freundin (21) in einem Internet-Forum für Kriegsspiele kennengelernt und sich später in die junge Frau verliebt. Die 21-Jährige fühlte sich aber von dem Deutschen verfolgt und belästigt, wies seine Annäherungen zurück und riet ihm, einen Psychiater aufzusuchen. Als Antwort bekam sie eine E-Mail: »Eines Tages komme ich nach Nottingham zurück, gebe Dir ein Messer und bitte Dich, mich umzubringen, weil Du nicht mit mir leben willst.«

Nach Aussagen des Angeklagten wollte er den Engländer nicht töten, sondern ihn und dessen Freundin zur Rede stellen, weil er sich von beiden schikaniert gefühlt habe. Bei der Aussprache sei es erst zu einem Handgemenge und dann zum Kampf um das Messer gekommen, das er selbst mitgebracht hatte. Demnach sei er von dem Engländer zuerst ins Knie gestochen worden, habe dann um sein Leben gefürchtet und deshalb in Notwehr zugestochen. Dem widersprach der Richter: »Ich habe keinen Zweifel daran, dass Sie beschlossen hatten, dass er sterben muss. Das geschah mit Planung und Vorsatz.« Er habe die Tatwaffe schließlich nicht mitgebracht, um sich selbst umzubringen.

Kurz vor dem Mord hatte der 21-Jährige seinem Nebenbuhler noch eine düstere Mail geschrieben. »Ich habe etwas für Dich, sage aber nicht, was es ist. Es wird Dir gefallen.« Neben dem Messer hatte der Täter auch eine Abschiedsnotiz angefertigt, die den Anschein erwecken sollte, dass sein Opfer Selbstmord begangen hatte.

Der Richter wies darauf hin, dass er bei der Bemessung des Strafmaßes das Alter des Limburgers und seine Besessenheit für die Freundin des Opfers berücksichtigt habe. Zu den Eltern und dem Bruder des Toten sagte er: »Sicher hätten Sie am liebsten gesehen, dass er für den Rest seines Lebens weggesperrt bleibt. 18 Jahre muss Ihnen im Vergleich zu Ihrem Verlust wie Nichts erscheinen.«

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