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Deutsche Meisterschaft für Modellhelikopter

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Flugkapitäne, die auf Helikopter starren: Vorbereitung auf den entscheidenden Durchgang zur Deutschen Meisterschaft.
Flugkapitäne, die auf Helikopter starren: Vorbereitung auf den entscheidenden Durchgang zur Deutschen Meisterschaft. © Harold Sekatsch

Gießen/Wetzlar (se). Spektakel auf der Rüsterschneise zwischen Dutenhofen, Garbenheim und Münchholzhausen: Dort richtete am Wochenende der Modellflugsportverein Lahntal den dritten und letzten Lauf zur Deutschen Meisterschaft im ferngesteuerten Modellhelikopterflug aus.

Mit am Start waren auch Modelle der Gastgeber, die sich an diesem Wettbewerb beteiligten bzw. in den Wettkampfpausen zur Unterhaltung der Besucher beitrugen. Zur Freude des MFV Lahntal holte sich mit Andre Kellermann (Waldems) ein Pilot des Vereins den Titel in der Nachwuchsklasse F3C.

Der Traum vom Fliegen lebt, auch wenn der Pilot die Bodenhaftung nicht verliert und seinen Flieger von einem festen Untergrund aus steuert. Der Modellflug bietet Flugenthusiasten zwar nicht die tolle Aussicht, die sich Sport- und anderen Piloten bietet. Dafür eröffnen sich dem Modellflieger weitere Möglichkeiten, er muss aber auch andere Fertigkeiten einsetzen. »Jeder Modellflieger hat den Drang zu fliegen«, berichtet Erhard Harapat, der 2. Vorsitzende des MFV Lahntal. Schon als Zehnjähriger hat er seine Liebe zum Modellfliegen entdeckt und dabei alle Entwicklungen mitgemacht – etwa den Freiflug, bei dem die Flugkörper nicht ferngesteuert werden und dessen Flugbahn nach dem Start vom Flieger nicht mehr beeinflusst werden kann. Teilweise wurden die »Freiflieger« an der Leine geführt, sodass ein Ausreißen verhindert werden konnte.

Missstimmung durch Drohnen

Eine weitere wesentliche Änderung im Modellbau: Früher wurden die Modell vom Bastler zu 100 Prozent selbst gebaut, wobei das extrem leichte Balsaholz als Werkstoff dient. »Wer gut basteln konnte, hatte natürlich einen Vorteil«, verrät Helmut Friedrich, der Sportwart des Vereins. Heute ist der überwiegende Teil der Modelle vorgefertigt. »Irgendwann hat die Elektronik Einzug gehalten«, erklärt der Vereinsvorsitzende; das eröffnete den Modellfliegern ein Vielzahl von Möglichkeiten. Das bezieht sich aber nicht nur auf die Fernsteuerung vom Boden aus, sondern auf die Flugstabilität. So könne ein zu starker Seitenwind ausgeglichen werden. Der Möglichkeit, welche die Elektronik bietet, sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Allerdings haben die Modellflieger eine Konkurrenz erhalten, von der die Verantwortlichen alles andere als erbaut sind: Drohnen. »Die Drohnenfliegerei macht uns das Leben schwer, denn diese Wildfliegerei hält sich an keine Regeln«, ärgert sich der Vereinsvize. Harapat und Friedrich versichern: »Wir fliegen verantwortungsbewusst.

« Der Regierungspräsident in Kassel ist für die Modellfliegerei zuständig und nimmt die entsprechenden Kontrollen vor. Verantwortungsbewusst sind die Modellflieger auch in anderer Hinsicht. So sind beim MFV Lahntal rund 90 Prozent aller Flugmodelle mit umweltfreundlichen Elektromotoren ausgestattet, nur noch ein Zehntel fliegt mit Verbrennungsmotoren. Für die elektrischen Antriebe stellt der MFV Lahntal auf seinem Vereinsgelände alternativ gewonnene Energie zur Verfügung. Was Drohnen anbelangt, so teilen Modellflieger die Einschätzung des Aero-Clubs Lützellinden (AZ vom 26. August 2016: »Private Flieger am Boden«). Immerhin wurde dabei den Modellfliegern attestiert, (meist) »sehr genau zu wissen, wie man sich zu verhalten« habe. So berichtete Thomas Alexander Ladach, dass mit den Lützellindenern eine Vereinbarung getroffen worden sei. Der fast in Sichtweite liegende Flugplatz wurde von den Piloten so angeflogen, dass die Modellflieger während der DM nicht gestört werden. Die Höhenbegrenzung bei den Modellfliegern liege bei 150 Meter, doch diese Höhe bleibe für viele unerreichbar. Für die Sicherheit sorgt ein Flugleiter, der mit Argusaugen alles beobachte, was sich auf und neben dem Flugfeld abspielt. Zur Not kann er den Flugvortrag abbrechen.

Die Modellfliegerei ist nicht ganz billig, aber bezahlbar. Preisgünstige »Zweckmodelle« (Modellflugzeuge ohne »Vorbilder«) sind bereits für 200 bis 300 Euro zu haben, für fortgeschrittene Piloten sind nach oben fast keine Grenzen gesetzt. Da kann man leicht 2000 bis 3000 Euro ausgeben. Vor allem für die jugendlichen Modellfliegern empfehlen die Verantwortlichen, sich mit den Vereinen in Verbindung zu setzen (www.mfvlahn tal.de), um mit Hilfe erfahrener Modellflieger einen Einstieg zu finden. Gerade für technikinteressierte junge Leute bietet die Modellfliegerei gute Möglichkeiten, sich zu entfalten. In der Vergangenheit haben Mitglieder des Vereins »nicht unerhebliche sportliche Erfolge« errungen. Hessenmeister, Deutsche Meister, Europameister, WM-Teilnehmer und Bundesligapiloten sind aus dem MFV Lahntal hervorgegangen.

Besonders erfolgreich ist zurzeit der Heuchelheimer Oliver Ladach, der am Wochenende in der Türkei am Start war. Sein Vater Thomas Alexander hat ihm die Liebe zum Modellflug praktisch in die Wiege gelegt. Ladach sr. ist seit 45 Jahren mit Leib und Seele dabei. Interesse für die Natur, für Physik und Elektronik seien Grundlage für die Modellfliegerei. »Wenn man einmal Blut geleckt hat, dann bleibt man dabei, selbst wenn etwas kaputt geht«, räumt Ladach ein.

Anspruchsvolle Flugmanöver

Der Kreis der Modellflieger in Deutschland ist überschaubar. Man kennt sich und geht kameradschaftlich miteinander um. Das zeigte sich auch am Wochenende, als auf dem Vereinsgelände des MFV Lahntal der dritte und letzte Lauf zur deutschen Meisterschaft im Modellhubschrauber-Kunstflug sowie im Freestyle der Modellhubschrauber ausgetragen wurde. Im Kunstflug (F3C) ist der Programmablauf mit Schwebe- und Rundflugfiguren vorgeben, die von einem Punktwerter-Team benotet werden. Dem vorgeschaltet ist ein Einsteigerwettbewerb, bei dem auch anspruchsvolle Schwebe- und Kunstfiguren gezeigt werden. Im Freestylewettbewerb (F3N) sollen Flugmanöver nach einem Figurenkatalog »in den Himmel gezaubert werden«, wie es bei den Modellfliegern heißt. Versprochen wurde »ein Augengenuss«.

Die Zuschauer am vergangenen Wochenende in Dutenhofen kamen in der Tat auf ihre Kosten. In diesem Wettbewerb holte sich Eric Weber (Lanzenhenn) vor Tillmann Bäumerer (Siegen) den deutschen Meistertitel. In der Klasse F3C wurde Stefan Wachsmuth (Kaufungen) vor Gerhard Grasser (Hollfeld/Bayern) und Michael Müller (Pforzheim) Deutscher Meister. Und auch der gastgebende MFV Lahntal ging nicht leer aus. In der Wettbewerbsklasse F3C, GPC (Nachwuchspiloten) sicherte sich Andre Kellermann aus Waldems verdientermaßen den Titel des Deutschen Meisters. Er wird im nächsten Jahr in die nächst höhere Klasse aufsteigen.

In den Wettkampfpausen hatten Modellflugpiloten verschiedener Klassen Gelegenheit, das eigene Können unter Beweis zu stellen. Dabei boten unter anderem Adrian Wirth (MFV Lahntal) mit einem Helikopter und Jan-Dominik Will (MFC Leihgestern) mit seinem Modellflugzeug Edge 540 zum Teil atemberaubende Vorstellungen.

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