Daschner nennt erstmals Namen

Frankfurt/Main (dapd). Der ehemalige Frankfurter Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner hat die Gewaltandrohung gegen den Kindesmörder Magnus Gäfgen seinerzeit mit dem damaligen LKA-Chef Norbert Nedela abgesprochen. Das sagte Daschner am Donnerstag in der Verhandlung vor dem Landgericht Frankfurt am Main aus.

In dem Prozess geht es um die Schmerzensgeldforderung Gäfgens an das Land Hessen wegen der Gewaltandrohung nach seiner Festnahme im Verhör am 1. Oktober 2002.

Daschner nannte in seiner Zeugenaussage am Abend damit zum ersten Mal den Namen seines Ansprechpartners im Bereich des hessischen Innenministeriums. Der 67-Jährige sagte als Zeuge aus, dass seit Beginn der Entführung sämtliche Schritte mit dem damaligen Chef des Landeskriminalamts abgesprochen gewesen seien. Nedela habe gesagt, man solle »Instrumente zeigen«.

Um Spekulationen vorzubeugen, fügte Daschner hinzu, dass der damalige Innenminister und heutige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) seines Wissens zu der Zeit im Urlaub gewesen sei. »Ich habe mit ihm nie gesprochen«, sagte der ehemalige Vizepräsident der Frankfurter Polizei, und auch nicht mit dessen Vertreter, dem damaligen Innenstaatssekretär Udo Corts.

Der pensionierte Beamte berichtete jetzt vor Gericht, seinerzeit sei davon auszugehen gewesen, dass der Täter sein Opfer kannte. »Ich sah darin praktisch das Todesurteil für den Jungen, und wir mussten sehen, dass es nicht vollstreckt wird.« Er habe gefürchtet, das Kind könnte verdursten oder erfrieren. »Die Uhr tickte.« In dieser Situation habe er die Anwendungen unmittelbaren Zwangs in Betracht gezogen. Darüber habe er mit dem LKA-Chef gesprochen, der Zustimmung geäußert habe. Die Art der Schmerzzufügung habe er aber noch nicht konkret ins Auge gefasst, sagte Daschner.

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