Röhrchen stehen in einem Labor aufgereiht und werden befüllt.
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Mit der Philipps-Universität Marburg und der Goethe-Universität Frankfurt waren gleich zwei hessische Institute an der neuen Studie zu den Unterschieden zwischen den Coronaviren SARS-CoV und SARS-CoV-2 beteiligt. (Symbolbild)

Corona-Pandemie

Corona: Studie belegt folgenschweren Unterschied zwischen Coronaviren

  • Lena Karber
    vonLena Karber
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Wieso ist es so schwierig, wirksame Medikamente gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zu finden? Eine deutsch-britische Studie liefert neue Erkenntnisse.

  • Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist eng mit SARS-CoV verwandt, doch die Suche nach einem Medikament verläuft schleppend.
  • Nun wurde eine Studie veröffentlicht, an der die Universtäten Marburg und Frankfurt beteiligt waren.
  • Sie zeigt auf, dass Unterschiede zwischen den beiden Viren in den Aminosäuren der Proteine liegen.

Seit etwa einem Jahr hat die Corona-Pandemie Hessen, Deutschland und die Welt fest im Griff. Doch die Suche nach Medikamenten, die das Virus wirksam bekämpfen, läuft weiter schleppend. Dabei sind Coronaviren keine Neuheit, sondern bereits seit den 1960er Jahren bekannt – und werden somit auch schon lange Zeit erforscht. Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 war deshalb oftmals von „dem neuartigen Coronavirus“ die Rede.

Medikamente gegen Corona: Universitäten Marburg und Frankfurt an neuer Studie beteiligt

Gleichzeitig ging man davon aus, dass „das neuartige Virus“ gar nicht so neuartig sei: Aufgrund seiner engen Verwandtschaft zu dem Virus SARS-CoV, das in den Jahren 2002 und 2003 die sogenannte SARS-Epidemie ausgelöst hatte, bekam der neue Erreger, der die Erkrankung Covid-19 auslöst, nach Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogar den Namen SARS-CoV-2.

Doch wenn Coronaviren bereits seit Jahrzehnten erforscht werden und das aktuelle Virus so eng mit SARS-CoV verwandt ist, wieso ist dann die Suche nach wirksamen Covid-19-Medikamenten so zäh? Auf diese Frage gibt eine neue britisch-deutsche Studie, an der mit der Philipps-Universität Marburg und der Goethe-Universität in Frankfurt gleich zwei hessische Universitäten mitgewirkt haben, nun neue Hinweise.

Besonderheiten von SARS-CoV-2: Forscher aus Marburg und Frankfurt vergleichen Aminosäuren der Proteine

Für die Studie der University of Kent, der Goethe-Universität Frankfurt und der Philipps-Universität Marburg haben Forscher die beiden Coronaviren SARS-CoV und SARS-CoV-2 miteinander vergleichen. „Beide Viren sind biologisch zu 80 Prozent identisch, unterscheiden sich jedoch in entscheidenden Eigenschaften“, heißt es in einer Mitteilung der Universität Frankfurt.

Folgende Unterschiede zwischen SARS-CoV und SARS-CoV-2 haben die Forscher dabei herausgestellt:

  • Das aktuell grassierende Coronavirus SARS-CoV-2 ist ansteckender als SARS-CoV.
  • Die Todesrate ist jedoch geringer: Sie liegt bei SARS-CoV-2 bei zwei Prozent der Infizierten, bei SARS-CoV hatte sie bei zehn Prozent gelegen.
  • SARS-CoV-2 wird auch von Infizierten weitergegeben, die keine Symptome zeigen. Das war bei SARS-CoV nicht der Fall.

Diese Beobachtungen sind nicht per se neu – neu ist jedoch die Erklärung, die die britisch-deutsche Studie unter Beteiligung der beiden Universitäten aus Hessen liefert: Unterschiede in den Aminosäuresequenzen der Proteine sollen demnach für das unterschiedliche Verhalten der beiden Viren verantwortlich sein.

Unterschiede zu SARS-CoV: Studie könnte bei Entwicklung von Corona-Medikamenten helfen

Auch eine für Laien verständliche Erklärung ihrer Forschungsergebnisse liefert die Goethe-Universität Frankfurt mit: „Funktionen in Zellen werden durch Proteine vermittelt, von großen Molekülen, die aus einer oder mehreren Ketten von Aminosäuren-Einheiten aufgebaut sind“, heißt es auf der Homepage. Diese Abfolge von Aminosäuren bestimme, wie ein Protein funktioniert. Die Proteine von SARS-CoV-2 und SARS-CoV gleichen sich den Forschungsergebnissen zufolge zwar überwiegend, aber in den Aminosäuresequenzen wurden Unterschiede identifiziert.

Die Forschungsergebnisse könnten nun bei der Suche nach wirksamen antiviralen Covid-19-Medikamenten von Nutzen sein, indem sie erklären, wieso Ansätze, die auf Daten basieren, die etwa bei der Behandlung von SARS-CoV-Patienten gewonnen wurden, im Zuge der aktuellen Corona-Pandemie bislang nicht den erhofften Effekt erzielen konnten. Ein neues Antikörper-Medikament, das in Marburg und Köln entwickelt wird, weckt nun zumindest berechtige Hoffnungen.

Coronaviren

Der Begriff Coronavirus ist eigentlich eine Sammelbezeichnung für Viren, die durch ein krankförmiges Aussehen (Corona ist lateinisch für Krone oder Kranz) gekennzeichnet sind. Zuletzt hatte das Virus SARS-CoV in den Jahren 2002 und 2003 eine Epidemie verursacht, von der Deutschland jedoch fast gänzlich verschont blieb. 2012 sorgte mit MERS-CoV ein weiteres Virus aus der Familie der Coronaviren für aufsehen. Dieses wurde jedoch kaum von Mensch zu Mensch übertragen, sondern in der Regel durch engen Kontakt mit Dromedaren. Der aktuell grassierende Erreger wird aufgrund seiner nahen Verwandtschaft zu SARS-CoV als SARS-CoV-2 bezeichnet. Die Erkrankung, die es auslösen kann, bezeichnet man als Covid-19.

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