Flugreisen

Lufthansa: Langstrecke künftig wohl nur mit Corona-Test oder Impfnachweis

  • Ines Alberti
    VonInes Alberti
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Die Corona-Krise hatte den Flugverkehr im Frühjahr zum Erliegen gebracht, auch Monate später fliegen weniger Menschen. Die Lufthansa hofft auf verpflichtende Tests statt Quarantäne.

  • Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht sich für verpflichtende Corona*-Tests statt Quarantäne für Reisende aus.
  • Allerdings glaube er nicht, dass es in Europa eine einheitliche Lösung geben wird.
  • Die Lufthansa rechne außerdem nicht mit einer weiteren finanziellen Krisenlage im nächsten Jahr.

Frankfurt - Wer momentan in andere Länder fliegt, muss damit rechnen, sowohl im Zielland als auch bei der Rückkehr auf das Coronavirus getestet zu werden oder sich in Quarantäne zu begeben, damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet. Der Ausblick auf zehn bis vierzehn Tage Quarantäne dürfte viele Menschen abschrecken, derzeit Reisen wahrzunehmen, was wiederum der Luftfahrt-Branche schadet.

Daher wünscht sich Lufthansa-Chef Casten Spohr die Maßgabe „Test statt Quarantäne“, und zwar als einheitliche, europäische Lösung, sagte Spohr der Welt am Sonntag (27.12.2020). Wie China oder die USA könnte Europa ein Rechts- und Wirtschaftsraum einheitlich vorgehen und damit Bürger:innen Verlässlichkeit und Klarheit bieten, hieß es. Allerdings rechne Spohr nicht mit einer einheitlichen Linie, was verpflichtende Schnelltests betrifft.

Die Lufthansa hofft auf eine einheitliche Lösung in Europa bezüglich verpflichtender Corona-Schnelltests vor Flugreisen.

Lufthansa hofft für Flugreisen auf verpflichtende Corona-Tests

Die Lufthansa, die in Deutschland am Flughafen Frankfurt* beheimatet ist, rechne laut Welt am Sonntag mit drei Phasen bei Interkontinentalflügen:

  • Phase 1: Die Anzahl der Strecken mit verbindlichen Schnelltests nimmt zu und macht die Wiederaufnahme des Flugverkehrs möglich.
  • Phase 2: Es gibt vor Flügen die Option auf einen Corona-Test oder den Nachweis einer Impfung.
  • Phase 3: In der Weltbevölkerung wird eine ausreichende Immunität erreicht, durch die auch Impfnachweise überflüssig werden.

Lufthansa hat noch nicht viel Geld aus Corona-Hilfspaket des Bundes genutzt

Lufthansa-Chef Spohr hofft dem Bericht zufolge, dass im ersten Quartal 2021 wieder ein regulärer Flugbetrieb in die USA möglich wird.

Bezüglich der finanziellen Situation der Lufthansa gab Carsten Spohr gegenüber dem Blatt Entwarnung: „In diesem Jahr haben wir zwei Drittel des Umsatzes verloren, konnten aber die Kosten um die Hälfte senken“, sagte Spohr. Durch die Kostensenkung dank des Sparkurses sei die Liquidität des von der Pandemie schwer getroffenen Konzerns „höher als erwartet“.

Von den neun Milliarden Euro der Corona-Rettungspakete aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien „haben wir bisher nur drei Milliarden Euro abgerufen und noch nicht viel davon ausgegeben“, sagte Spohr. Im November konnte die Airline auch wieder selbst an den Kapitalmarkt gehen. Die weitere Entwicklung im Geschäft werde zeigen, „wie viel wir von den neun Milliarden Euro wirklich brauchen“.

Lufthansa erwartet keine neue finanzielle Krise wegen Corona

Eine neue finanzielle Krisenlage in 2021 zeichne sich nicht ab. „Mit rund zehn Milliarden Euro zur Verfügung stehender Liquidität und ausreichenden Bilanzreserven kann ich eine Überschuldung aus heutiger Sicht ausschließen“, sagte Spohr. Die Lufthansa hatte sich mit den Gewerkschaften auf umfassende Sparpakete in der Krise geeinigt.

Die Lufthansa nutzt den Milliarden-Staatskredit aber auch zum deutlichen Aufstocken von Piloten-Kurzarbeitergeld. Spohr bestätigte Welt am Sonntag, dass beispielsweise das monatliche Kurzarbeitergeld für Ex-A380-Kapitäne von rund 5000 auf bis zu 15.000 Euro erhöht werde. Mit dem reinen Kurzarbeitergeld würden sich sonst die „monatlichen Grundbezüge mehr als halbieren“, weil ein großer Teil des Gehalts über der Beitragsbemessungsgrenze liege. „Das können und wollen wir unseren Piloten nicht zumuten“, sagte Spohr. Diese Entscheidung erhitzt unterdessen die Gemüter - beispielsweise auf dem Kurznachrichtendienst Twitter machen Nutzerinnen und Nutzer ihrem Ärger über Verdreifachung des monatlichen Kurzarbeitergeldes Luft. (Ines Albert mit AFP) *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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