Cindy aus Marzahn: Spontan und rotzfrech

Wetzlar (chl). Hinter ihrer derben und frechen Erscheinung versteckt Cindy aus Marzahn auch ein großes, liebevolles Herz. Das hat die wuchtige Berliner Comedy-Bratze, verkörpert von der Komikerin Ilka Bessin, am Donnerstagabend ihren rund 2500 Fans in der Rittal-Arena bewiesen.

Denn die für ihren pinken Schlabberlook bekannte Wuchtbrumme hatte diesmal viel zu verschenken. Da thronte sie auf einem riesigen Kuschelsessel inmitten eines aus Mädchenträumen entsprungenen pinkfarbenen Candy-Shops – einem schlaraffenlandartigen Süßigkeitenladen mit überdimensionalen Leckereien, vielen Plüschtieren und Puppen – und beglückte immer mal wieder Zuschauer mit süßen Gaben: Auserwählte Jugendliche erhielten XXL-Lollies, ein zu spät erschienenes und deshalb im Spotlicht zur allgemeinen Erheiterung festgenageltes Pärchen bekam einen prall gefüllten Picknickkorb überreicht, eine 81-jährige »Oma Christa« durfte sich als bekennender Cindy-Fan über ein großes Blumen- und Kaugummi-Gesteck freuen, welches kurz vorher noch die Bühne dekorierte. Und Michaela Cornett aus Buseck, die sich gleich ganz im Cindy-Stil verkleidet hatte – pinker Jogginganzug und blonde Locken-Mähne – durfte sich auf der Bühne sogar einen unterschriebenen Pulli abholen. »Ich hatte mir eigentlich vor dem Programmbeginn am Merchandise-Stand nur ein Autogramm auf das Shirt gewünscht«, gestand die Glückliche. Doch das war wohl ein guter Anlass, dies in die Show einzubauen.

Diese Publikumsnähe ist es auch, die Milena Kornek aus Gießen und Katerina Kuncova aus Wetzlar-Hermannstein gefällt: »Cindy ist Weltklasse! Sie ist spontan, rotzfrech, und es macht einfach Spa?, sind sie sich einig. Auch diese beiden jungen Frauen haben sich ähnlich wie viele Hundert andere, vor allem weibliche Fans an diesem Abend Cindy-typisch in Schale geworfen. Die Farbe Pink dominiert im Publikum – in Form von Jogginganzügen, Pullis, T-Shirts. Und auch markante Utensilien wie Prinzessinnenkrönchen und Lockenperücken durften nicht fehlen.

Schließlich heißt Cindys aktuelles und drittes Programm auch »Pink is bjutiful!« Es ist ein Bekenntnis zu ihrem nicht immer perfekten Äußeren, zu ihrer Herkunft, zu ihrer milieubedingten Großmäuligkeit und Derbheit. »Verstellt Euch nicht, so seid Ihr am besten«, verkündete die Hobby-Politikerin und zückte gleich ihr pinkes Parteiprogramm: »Soziale Gerechtigkeit soll nicht auf der Strecke bleiben« oder »Harte Arbeit muss sich lohnen«, forderte die gespielte Hartz-IV-Bezieherin. Frenetischen Applaus und Jubel erntete Cindy nicht nur dafür, sondern auch für ihre zotenreichen und frivolen Gags; stehende Ovationen waren ihr gleich beim ersten Auftreten an dem Abend gegönnt.

Doch was ist der Grund für die spendablen Gesten? Cindy hat sich wohl einfach mit ihrem Wesen abgefunden. Die Suche nach dem Traumprinzen (wie im vorherigen Programm) scheint vorübergehend eingestellt, obwohl sie gefühlt in jedem dritten Satz erotische Fantasien ungeniert und oft weit unter der Gürtellinie liegend ausspricht oder vormacht, wie sie sabbernd einen Bademeister oder einer Restaurantbekanntschaft verfällt – ganz nach dem Motto: Nimm mich, jetzt und hier! Dieser Überdruck an Wollust kennt kein Schamgefühl und gleitet mitunter ins Ekelhafte ab – zumal Cindy nicht selten das Kopfkino ihres Publikums anstrengt. Frauenarztbesuche, das Ertappen urinierender Schwimmbadgäste und pfurzender Hunde oder Feldversuche als Escort-Service-Dienstleisterin entblößen den Intimbereich gänzlich.

Vielleicht ist es genau dieses Auftreten, das Cindy in die Einsamkeit gedrängt hat. Denn auch ihre beste Freundin Britney (»die dumme Massai«) hat sich mit ihrem afrikanischen Lover in den Senegal abgesetzt; die Tochter ist ebenso geflüchtet. Sie habe deren Abwesenheit erst deshalb gemerkt, weil »ja noch soviel Toilettenpapier da« war. Wahrscheinlich sucht Cindy nun einfach nach einer neuen besten Freundin und verteilt deshalb gönnerhaft Geschenke.

In diesem Sinne las Cindy aus ihrer bizarren, zweideutigen, morbiden und nicht kindgerechten Kindergeschichte »Mindy, Mindy, Rosenbrandt, wer ist die Schönste im ganzen Land« über eine hübsche Heuschrecke und ihre Freundin, die hässliche und dumme Fummelhummel Britney. Die Moral von dieser Geschichte: »Eine Schönheitswahl gewinnt man immer, eine beste Freundin nicht!«

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