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Carreras-Leukämiezentrum eröffnet

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Marburg (agl). »Wir müssen uns verbessern, müssen Schritte nach vorne machen. Wir sind bereit, weiterhin mit Enthusiasmus hart zu arbeiten.« - Es war ein entschlossener und nach vorne schauender José Carreras, der am Freitag dem Klinikum auf den Marburger Lahnbergen einen Besuch abstattete.

Der Startenor zeigte sich aber auch froh, dankbar und stolz über das Erreichte. Und ein großer Dank ging an ihn, denn seine Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung hat in Marburg einen Meilenstein gesetzt - für Patienten und die Forschung. Am Freitag wurde das Carreras Leukämie Centrum (CLC) im Universitätsklinikum Marburg eingeweiht - ein insgesamt fünf Millionen teurer Bau, in dem auf ganz besondere Weise Behandlung und Forschung kombiniert werden.

Carreras, neben Placido Domingo und dem mittlerweile verstorbenen Luciano Pavarotti einer der »Drei Tenöre« und Mann mit Weltruhm, erkrankte 1987 selbst an Leukämie. Er überwand die Krankheit, gründete Stiftungen in verschiedenen Ländern - 1995 auch in Deutschland -, um Menschen, die an Leukämie erkrankt sind zu unterstützen. Das Ziel aller José Carreras Leukämie-Stiftungen: »Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem.« Die Stiftung des Startenors hat 1,67 Millionen Euro in den zweistöckigen Neubau und in die Laboreinrichtung investiert. Den gleichen Betrag steuerte die Rhön-Klinikum-AG bei, und der Fachbereich Medizin der Philipps-Universität stellte 400 000 Euro zur Verfügung.

Forschung und Behandlung von Leukämie-Patienten sind eng mit Professor Andreas Neubauer, dem Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie auf den Marburger Lahnbergen verknüpft, dessen Leistungen bei der Einweihung des CLC, der auch die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann beiwohnte, in großem Maße gewürdigt wurden. Neubauer und seinem Team stehen in den Stockwerken, die auf das bestehende Gebäude gesetzt worden sind, rund 810 Quadratmeter für die Krankenversorgung und etwa 495 Quadratmeter für den Bereich Forschung und Lehre zur Verfügung. Das neu errichtete Leukämie-Zentrum verfügt über eine 16-Betten-Station, bietet eine Kapazität von 100 Knochenmarktransplantationen pro Jahr und ist auf hohem Stand der Technik. Neubauer: »Jetzt können wir unsere Patienten nach Knochenmarktransplantationen wirklich optimal versorgen. Unsere neuen Räumlichkeiten sind technisch so ausgerüstet, dass die Patienten während der kritischen Phase nach der Operation in nahezu keimfreier Atmosphäre untergebracht sind.« Leiter der KMT-Einheit (Stammzellentransplantation) ist Privatdozent Andreas Burchert.

Die Zimmer sind über Doppelschleusen zugänglich und hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen, etwa durch Dichtungssysteme der Fenster. Durch spezielle Filter wird Frischluft zugeführt. In den Räumen herrscht permanent leichter Überdruck, um den Zustrom von Luft durch die Türen zu verhindern. An den Wasserhähnen gibt es Legionellen-Filter.

Das Besondere aber an dem Zentrum ist vor allem der translationale Ansatz: Forschungsergebnisse werden in die Patientenversorgung eingebracht. Wie Neubauer in der Pressekonferenz betonte, können im CLC - alles nach den entsprechenden Genehmigungen - an Leukämie erkrankte Menschen mit Substanzen behandelt werden, die noch nicht zugelassen sind, sondern noch bezüglich Wirkungsweise und Nebenwirkungen geprüft werden. Diese Kombination aus Forschung und Behandlung wird nur bei Patienten angewandt, bei denen andere Formen der Behandlung nichts Positives mehr bewirken.

»Ein Ergebnis einer selten glücklichen Konstellation aus persönlicher Betroffenheit, Gemeinsinn und Großzügigkeit«, nannte Professor Volker Nienhaus, Direktor der Universität Marburg, das Entstehen des CLC. »Das Land Hessen erfährt eine Bereicherung durch dieses Zentrum«, lobte Kühne-Hörmann, dankte José Carreras und sagte, dass ohne Neubauers Fachwissen und die guten Kontakte zur Stiftung das CLC nicht zustande gekommen wäre. Auch Professor Matthias Rothmund, Dekan des Fachbereichs Medizin, nannte Neubauers Aktivitäten in der Leukämieforschung als eine Basis für das neue Zentrum.

Neubauer referierte über Leukämie, Forschung und Behandlung, bewies aber - gemeinsam mit seiner Tochter - auch sein musikalisches Können. Wie Startenor Carreras beweist, kann Musik Basis sein für das Engagement im Sinne der Menschlichkeit.

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