Blockupy-Aktivisten belagern Bankenviertel

Frankfurt (dpa/lhe). Die ältere Frau macht aus ihrer Meinung keinen Hehl. »Scheiß Regierung, scheiß EU«, brüllt sie in Richtung des blau-gelben Euro-Zeichens in der Frankfurter Innenstadt. Die Frau ist eine von vielen, die sich gestern vor der Europäischen Zentralbank (EZB) versammelt haben.

Das kapitalismuskritische Blockupy-Bündnis hat sich zurückgemeldet und die Bankenmetropole zur Hochburg seines Protests erklärt – gegen die Krisenpolitik, gegen das »Spardiktat der EU« und gegen Sozialabbau.

Am Freitag sind die Protestler ins Herz der Krisenpolitik vorgedrungen und haben versucht, die EZB zu blockieren. »Die Blockade ist symbolisch«, sagt der Student Andreas aus Frankfurt. Es gehe darum, die Arbeit der EZB zu unterbrechen. Die Straßen rund um die EZB gleichen am frühen Freitagmorgen einer Festung: Das Gelände um die Bank ist weiträumig abgeriegelt, schwer bewaffnete Polizisten sichern das Stadtzentrum, die U-Bahn-Station Willy-Brandt-Platz ist geschlossen, Züge fahren ohne Halt durch. Einzelne Passanten huschen an Dutzenden von Polizeiwagen vorbei. Dicht an dicht stehen die Einsatzkräfte hinter Absperrgittern, ab und zu kreist ein Hubschrauber am Himmel, Sirenen sind zu hören.

Als die ersten Demonstranten an der Ecke zur Weißfrauenstraße eintreffen, unterscheidet sich ihre Kleidung vom Grau des Himmels und vom nassen Asphalt. Im strömenden Regen verleihen die Aktivisten ihrer Wut über die Krisenpolitik der EU lautstark Ausdruck, sie tanzen und trommeln oder halten Schilder mit der Aufschrift »EZB – Echt ätzend« in die Luft.

Auf der anderen Seite des Platzes ist die Stimmung deutlich angespannter: Demonstranten rütteln an den Gittern, vermummte, schwarz gekleidete Aktivisten strecken den Polizisten ihre Mittelfinger entgegen und machen Drohgebärden. Als ein Teilnehmer versucht, über die Absperrung zu klettern, sprüht ihm ein Polizist Pfefferspray ins Gesicht. Ein Wasserwerfer parkt hinter den Gittern, ein anderer neben dem Euro-Zeichen. Beide kommen am Freitagmorgen nicht zum Einsatz, denn es bleibt überwiegend friedlich – so wie später auch an anderen Orten von Kundgebungen. Den Auftakt der neuerlichen Protestwelle bezeichnet ein Sprecher als »vollen Erfolg«. Ohnehin sprechen die Organisatoren von einer »vollständigen Blockade« der EZB. Ein Polizeisprecher sagt dagegen, einige Straßen und Wege seien gesperrt, es hänge aber von der Definition ab, ob das Gebäude tatsächlich blockiert sei.

Während Blockupy von etwa 3000 Teilnehmern spricht, zählt die Polizei 1000 bis 1400 Protestierende.

Nach drei Stunden lässt die erste Protestwelle nach, die Demonstranten ziehen weiter zur Deutschen Bank. Im Schatten der zwei Türme schlagen sie mit Holzlöffeln auf Kochtöpfe – ein geräuschvoller Protest gegen die Spekulation auf Nahrungsmittel.

Am Flughafen, wo Blockupy gegen Abschiebungen demonstriert, kommt es dann zu einem Scharmützel mit der Polizei. Die Beamten setzen Pfefferspray und Schlagstöcke ein, weil mehr als die gerichtlich genehmigten 200 Demonstranten ins Terminal 1 gelangen wollen.Vor dem Gebäude hatten sich etwa 700 Menschen eingefunden. Später beruhigt sich die Lage wieder und der Demonstrationszug kann dann doch noch friedlich durch das Flughafenterminal ziehen.

Heute geht es weiter: Zu einer zentralen Demo in Frankfurt erwarten die Organisatoren bis zu 20 000 Teilnehmer.

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