Noch sind die nordlichen Fahrspuren der A45-Talbrücke bei Dorlar (links) gesperrt. Doch in den nächsten Tagen sollen auch die letzten Absperrungen entfernt werden, sodass die sanierte Querung über das Lahntal wieder vollständig inklusive der Auf- und Abfahrten in beide Richtungen befahren werden kann.
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Noch sind die nordlichen Fahrspuren der A45-Talbrücke bei Dorlar (links) gesperrt. Doch in den nächsten Tagen sollen auch die letzten Absperrungen entfernt werden, sodass die sanierte Querung über das Lahntal wieder vollständig inklusive der Auf- und Abfahrten in beide Richtungen befahren werden kann.

Bald freie Fahrt übers Lahntal

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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»Alles Dankeshuper«, schmunzelt Tarek Al-Wazir während seiner Rede bei der Freigabe der A45-Talbrücke bei Dorlar, als ein vorbeifahrender Lkw ein Hornsignal gibt. In den nächsten Tagen soll nach gut sechs Jahren Bauzeit wieder freie Fahrt übers Lahntal möglich sein.

Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir konnte sich einen kleinen Seitenhieb auf die wegen ihrer zahlreichen Brückenbauwerke als »Königin der Autobahnen« bezeichnete A45 oder Sauerlandlinie nicht verkneifen: »Hier haben sich alle Freunde des Spannbetons Ende der Sechzigerjahre verwirklicht«, schmunzelte er gestern Nachmittag bei der offiziellen Verkehrsfreigabe der Talbrücke bei Dorlar auf der nach Norden führenden Brückenhälfte. Derweil begleitete zahlreiches Hupen vom südlichen Brückenteil die Zeremonie.

Dort läuft der Verkehr seit Ende 2015 in beiden Richtungen, während auf der Gegenseite der Neubauteil Richtung Siegen und Dortmund hochgezogen wurde. Beim Bau der Brücke Ende der Sechzigerjahre, habe man sich nicht vorstellen können, mit welcher Wucht einmal gerade der Schwerlastverkehr zunehmen werde, erinnerte Al- Wazir. Die wachsende Belastung mache es notwendig, nun alle 22 Talbrücken zwischen der Landesgrenze zu NRW und dem Gambacher Dreieck durch Neubauten zu ersetzen.

Steffen Bilger, Parlamentarischer Staats-sekretär im Bundesverkehrsministerium, hob die Bedeutung der Sauerlandlinie für die regionale Wirtschaft hervor: »Mobilität ist die Grundlage unseres Wohlstands. Deshalb investieren wir in den Erhalt der Brücken, dem sensibelsten Bestandteil der Infrastruktur. Mit dem Ersatzneubau der Talbrücke Dorlar stärkt die Bundesregierung die wichtige Verbindung zwischen Frankfurt und Dortmund.«

Die neue Talbrücke Dorlar ist rund 490 Meter lang und überspannt auf Höhe der Anschlussstelle Wetzlar-Ost das Lahntal. Das Bauwerk hat eine Breite zwischen 40 und 55 Metern. Rund 61 Millionen Euro wurden in den Neubau investiert. Allein im Bereich der Talbrücke Dorlar wurden im Jahr 2015 durchschnittlich rund 54 000 Fahrzeuge pro Tag, davon rund 9800 Lkw, gezählt. Bis zum Jahr 2030 wird ein Anstieg auf rund 75 500 Fahrzeuge pro Tag bei einem Lkw-Anteil von 14 500 Fahrzeugen prognostiziert.

Nach Haiger, Windelbach, Lützelbach und Münchholzhausen ist mit der Brücke bei Dorlar der fünfte Ersatzneubau fertig. Er bietet nun auch in Fahrtrichtung Dortmund Platz für drei Fahrstreifen und ist damit für einen sechsstreifigen Ausbau der A45 vorbereitet. Zudem wurde der Beschleunigungsstreifen von der B49 aus Gießen kommend in Fahrtrichtung Dortmund verlängert.

Aufwendiger als erwartet

Die Brückenhälfte in Fahrtrichtung Dortmund ist breiter als diejenige in die Gegenrichtung. Daher konnte hier nicht exakt gleich wie bei der ersten Brückenhälfte vorgegangen werden, sondern es mussten zunächst aufwendige Stabilisierungen erfolgen. Dies zeigte sich allerdings erst während der Arbeiten, nachdem im Herbst 2016 der Abriss des östlichen Teils des zweigeteilten Bauwerkes begonnen hatte.

»Bau und Abbruch waren aufwendiger als erwartet«, sagte Verkehrsminister Al-Wazir und warb noch einmal für Verständnis bei den Anliegerkommunen. Unterm Strich stehe für die Autofahrer jedoch ein Gewinn an Sicherheit und Komfort. Aber: »Die A45 wird auch die nächsten Jahre eine Dauerbaustelle sein«, schränkte der Minister ein

In den kommenden Nächten wird laut Hessen Mobil die Baustellenverkehrsführung abgebaut, sodass wieder beide Brückenhälften befahren werden können. Auch die während der Bauarbeiten gesperrte Auffahrt an der Anschlussstelle Wetzlar-Ost von der B49 aus Richtung Gießen auf die A45 in Richtung Dortmund sowie die Auffahrt von der B49 aus Richtung Wetzlar in Richtung Dortmund sind dann wieder offen.

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