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Bahnlärm-Debatte wirft Schatten auf das UNESCO-Jubiläum

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Bingen/Rüdesheim (dpa). Zügig gleitet die »Loreley-Elegance« an ihrer weltberühmten Namensgeberin im Oberen Mittelrheintal vorbei. An Deck des Ausflugsschiffes stehen der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und sein rheinland-pfälzischer Amtskollege Kurt Beck (SPD).

Gemeinsam feiern sie, dass der 65 Kilometer lange Flussabschnitt zwischen Koblenz im Norden und Bingen sowie Rüdesheim im Süden seit zehn Jahren Teil der UNESCO-Welterbeliste ist. »Das Obere Mittelrheintal ist ein Stück unserer Heimat«, schwärmt Beck. »Die wollen wir für die Welt erhalten.« Und Bouffier ergänzt: »Diese Rheinlandschaft ist der Inbegriff der Romantik.«

Auch die Unesco würdigte das Mittelrheintal bei der Aufnahme in die Welterbeliste 2002 »als eine Kulturlandschaft von großer Vielfalt und Schönheit«. Das Gebiet beginnt bei Rheinkilometer 526 in Bingen und Rüdesheim und endet in Koblenz bei Kilometer 593. Insgesamt leben hier 170 000 Menschen in 60 Städten und Gemeinden entlang der malerischen Landschaft mit ihren Bürgen, Schlössern und Steilhängen.

Doch die Ministerpräsidenten können bei der Jubiläumsschifffahrt nicht umhin, auch über die Probleme der Region zu sprechen. Besonders der Bahnlärm macht den Menschen im Tal der weltberühmten Loreley zu schaffen. Auf beiden Seiten des Rheins führen Bahntrassen mitten durch die Ortschaften. Auch deshalb ergreifen immer mehr Bewohner die Flucht – vor allem junge Leute.

»Dass wir Güter auf die Bahn bringen wollen, das ist ja vernünftig. Aber hier können die Menschen das nicht mehr ertragen«, sagt Beck und bekommt Applaus von den rund 250 Menschen, die zum runden Geburtstag bei der Jubiläumsfahrt per Schiff dabei sind. Er plädiert für eine Güterschnellverbindung – rechts oder links des Rheins – »damit die Menschen wieder eine Perspektive haben«. »Da wird ein Knoten aufgehen«, sagt der rheinland-pfälzische Landesvater.

Während Beck an Bord der »Loreley-Elegance« für eine schnelle Umsetzung plädiert, bremst Bouffier die Erwartungen. »Ich glaube, wir müssen da nüchtern bleiben. Bis wir links oder rechts des Rheins eine Schnellbahntrasse kriegen, wird es noch dauern«, sagt er. Deshalb müsse man sich eventuell zunächst mit einer Ersatzstrecke begnügen - und gleichzeitig Druck machen, dass sich der Lärm reduziert. »Wir müssen aufpassen, dass man uns nicht mit der großen Alternative vertröstet«, betont Bouffier.

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