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Über den Zustand des Ostheimer Bahnhofsgebäudes beklagen sich die Parteien des Nidderauer Parlaments. Die Bahn will das Gebäude aber nicht sanieren, sondern verkaufen.

Bahnhof ist der Schandfleck von Ostheim

Nidderau (jwn). Der beklagenswerte Zustand des kleinen Ostheimer Bahnhofs erregt zurzeit die Gemüter der Stadt. Wieder einmal, wie die Parteien im Stadtparlament vor Kurzem bedauernd feststellten.

Erneut ins Gespräch gebracht hat den erbärmlichen Zustand des Gebäudes aus der Jugendstilzeit die SPD-Fraktion. Auf der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung hatte der neue Vorsitzende des Bauausschusses, Helmut Brück (SPD), zugleich Vorsitzender des Arbeitskreises Stadtgeschichte, den Antrag gestellt, dass sich der Magistrat mit Nachdruck an die Untere Denkmalschutzbehörde wenden solle, weil das Bahnhofsgebäude in Ostheim immer baufälliger werde und irgendwann der Einsturz drohe. "Dieses Ostheimer kunstgeschichtliche Kleinod", das jedenfalls so im Denkmalbuch eingetragen steht, stellt nach Ansicht Brücks in der realen Welt alles andere als einen stadtgestalterischen Blickfang von überörtlicher kunst- und technikgeschichtlicher Bedeutung dar. Vielmehr handele es sich in Wahrheit "um eine verwahrloste Bauruine mit zugemauerten Fensteröffnungen, Schmierereien und einer weitgehend zerstörten Dachhaut".

Nach Aussage der SPD-Fraktion soll sich die Stadt bereits vor einigen Monaten deswegen an die Untere Denkmalschutzbehörde gewandt haben. Allerdings ohne Erfolg. Dabei bürdet das hessische Denkmalschutzgesetz in Paragraf 11, Abs. 1, dem Grundstückseigentümer die Denkmalerhaltungslast auf: "Eigentümer, Besitzer und Unterhaltspflichtige von Kulturdenkmälern sind verpflichtet, diese im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten und pfleglich zu behandeln." Eigentümer des Ostheimer Bahnhofs ist die Deutsche Bahn AG. Die teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass sie mit der Stadt Nidderau seit mehreren Jahren in Kontakt bezüglich der Verwertung von Flächen in ihrem Stadtbezirk stehe, wozu auch der Standort Nidderau-Ostheim mit dem Bahnhofsgebäude gehört. "Die Entwicklung am Standort Nidderau-Ostheim wird in Abhängigkeit von weiteren Standorten im Gemeindegebiet gesehen", so die Bahn in ihrem Antwortschreiben. Gemeint ist damit die Verwertung der beiden Bahnhofsgelände in Heldenbergen und Ostheim, nachdem die beiden Bahnhofsgebäude in Heldenbergen und Eichen sich schon seit Längerem in Privatbesitz befinden. "Bis zur Einigung über die Restflächen an den Standorten Heldenbergen und Ostheim ist die Entwicklung/Veräußerung des Bahnhofsgebäudes in Ostheim von uns zunächst zurückgestellt.

Eine Sanierung des Bahnhofsgebäudes durch die DB ist nicht vorgesehen", so die Bahn in ihrem Antwortschreiben weiter.

Dass die Angelegenheit nicht weiterhin auf die lange Bank geschoben werden darf, das findet auch der CDU-Ortsverband. Bei einem Ortstermin wiederholte er die Forderungen von vor fünf Jahren. So soll der Zugang zum Bahnhof nicht nur schnellstens saniert und behindertengerecht gestaltet werden, sondern auch das Gebäude soll wieder instand gesetzt werden. "Dies ist ein Schandfleck für Ostheim und kein Aushängeschild für Nidderau", stellt der CDU-Stadtverordnete Hans-Günter Frech fest. Es habe bereits Pläne seitens des Ostheimer Heimat- und Geschichtsvereins gegeben, im Bahnhofsgebäude ein Café zu eröffnen und es als Versammlungsstätte der Ostheimer Vereine zu nutzen. Doch die Bahn habe auf Anfragen von Privatpersonen oder Vereinen nie geantwortet. Weil sie nur mit den Kommunen selber verhandeln will, sei deshalb die Stadt gefragt. Ob die Stadt dann allerdings auch Eigentümer werden soll, weil ihr Engagement in solchen Fällen bis zu 85 Prozent gefördert wird, dass soll demnächst erst einmal im Bauausschuss diskutiert werden.

Quelle: Gießener Allgemeine

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