Kaninchen
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Die Kaninchen suchen nun ein neues Zuhause. (Symbolfoto)

Bad Hersfeld

20 Kaninchen in „verdreckter“ Box gefunden – Tierschützer erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei

  • Sebastian Richter
    VonSebastian Richter
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Ehrenamtliche Helfer retten Nachts zurückgelassene Kaninchen. Der Finder der Tiere macht der Polizei Vorwürfe.

Bad Hersfeld – Ein Passant entdeckte am Mittwochabend (19.05.2021) zahlreiche Kaninchen, die in eine Transportbox für Hunde gestopft wurden. Die Tiere wurden in der Nähe des Tierheims Bad Hersfeld abgestellt und ihrem Schicksal überlassen. Der Passant verständigte nach dem Fund die Tiernothilfe Rotenburg, die sich um die Kaninchen kümmerte. Zuvor versuchte er die Polizei zu erreichen. Inzwischen befinden sich die Tiere im Tierheim Bad Hersfeld, die Tiernothilfe ist fassungslos über den Zustand der Kaninchen.

Als die ehrenamtlichen Helfer der Tiernothilfe Rotenburg/F 1995 e.V. von den Kaninchen erfuhren, machten sie sich sofort auf den Weg nach Bad Hersfeld. Der Anrufer am Telefon schilderte die Situation, Eile war geboten. „Wir fanden viele übereinander liegenden Kaninchen vor Ort in dieser furchtbar verdreckten Hundebox und konnten nur grob schätzen, wie viele Tiere es sind“, schreibt der Verein auf Facebook.

Bad Hersfeld: 20 Kaninchen gerettet – Kritik an der Polizei

Über Nacht wurden die Kaninchen auf einem Pferdehof untergebracht. Dort konnten die Tiere gezählt werden: Neun Weibchen, vier Böcke und sieben Jungtiere lagen gestapelt in der Box. Manche davon waren verletzt, die Weibchen sind nach Angaben des Tierheims Hersfeld Rotenburg trächtig. Die Rettung kam gerade noch rechtzeitig. „Gerade die Kleinen hätten ansonsten die Nacht so nicht überlebt“, so das Tierheim auf Facebook.

Der Finder der Kaninchen zeigt sich wütend auf die Polizei. Denn der Fahrradfahrer, der die Kaninchen entdeckte, meldete sich zuerst bei einer Polizeistation. Nur bekam er von den Beamten keine Hilfe, wie er es selbst darstellte. „Ohne meine Initiative und das Kommen der ehrenamtlichen Helfer wäre (hatte ja mit der Polizei telefoniert) gar nichts passiert“, schreibt der Retter auf Facebook. Dabei hätten die Polizisten gar nicht selbst kommen müssen, der Retter hätte sich schon gefreut, wenn ihm Kontakte oder Ansprechpartner vermittelt worden wären. Das soll aber nicht passiert sein. Über private Kontakte erreichte der Retter den Tierschutzverein, der die Kaninchen schließlich versorgte.

Tierheim Hersfeld Rotenburg: Vorwurf der Untätigkeit „weder richtig, noch hilfreich“

Das Tierheim Hersfeld Rotenburg, bei dem die Kaninchen aufgepäppelt werden, sieht die Polizei in solchen Situationen in der Verantwortung. Dass die Polizei auch nach der Benachrichtigung nicht kam, kritisiert das Tierheim. Auch außerhalb der Dienstzeiten des Tierheims haben die Beamten Zugang zur Einrichtung und könnten auf einen „Notzwinger“ zugreifen, der „für genau solche Fälle eingerichtet“ wurde, teilt das Tierheim mit.

In dieser Transportbox wurden die Kaninchen in Bad Hersfeld ausgesetzt.

Der pauschale Vorwurf der Untätigkeit gegen die Polizei sei dennoch „weder richtig, noch hilfreich“. Gemeinsam mit den Ordnungsämtern und der Polizei sei man um den Tierschutz bemüht und zusammen tue man alles, um Tiere in Not zu versorgen, so die Beamten. Auch in der Nacht, als die Kaninchen gefunden wurden, habe sich die Polizei telefonisch um Lösungen bemüht.

Neben der Polizei kritisiert das Tierheim in einem Kommentar zu der Diskussion auf Facebook zudem den Halter und sein „unverantwortliches Handeln“.

Kaninchen in Bad Hersfeld gefunden – Spendenaufruf und Suche nach neuem Zuhause

Inzwischen hat die Polizei Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzrecht eingeleitet. Zur Aufklärung des Falls sucht die Polizei Bad Hersfeld nun nach Zeugen, die Auffälligkeiten am Fundort der Tiere beobachteten. Unter der Telefonnummer 06621/932-0 kann man Angaben bei der Polizei erreichen.

Die Kaninchen warten derweil im Tierheim auf eine Vermittlung. Den Tieren geht es schon etwas besser, schreibt das Tierheim Hersfeld Rotenburg, sie werden medizinisch versorgt und gepflegt. Die Böcke werden kastriert. Das Tierheim sucht nach Spendern, die Heu, Stroh und Grünfutter beisteuern möchten. Und nach der Quarantäne sollen die Tiere ein neues Zuhause bekommen. Erreichen kann man das Tierheim unter der Telefonnummer 06621/ 64640 oder die E-Mail-Adresse tierheim@tierschutzverein-hef.de.

Die Corona*-Pandemie macht den Tierheimen ohnehin schon zu schaffen. Viele wünschen sich im Lockdown ein Haustier – die Telefone stehen kaum noch still*. (spr) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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