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Wo der Babba den Elvis trifft

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Friedberg (jw). Der Elvis-Presley-Platz wird seinen Namen behalten, aber vielleicht nennen ihn die Friedberger ja ganz anders. Die nehmen sich ja bekanntlich ihre »Kleine Freiheit« bei solchen Dingen. Nur: Wie soll er aussehen?

Das Grundkonzept wurde am Donnerstagabend im Rathaus vorgestellt, an den Details wird noch gefeilt. Bürgermeister Michael Keller (SPD) stellt sich einen Friedberg-typischen Platz vor, keinen beliebigen. Möglich wären ein »Fenster zur Geschichte« oder zwei Bronzefiguren von Wolf Schmidt alias Babba Hesselbach und Elvis Presley: ein bedeutender Friedberger und ein berühmter Gast, als Blickfang für Touristen.

Der Elvis-Presley-Platz atmet Geschichte, und die reicht weiter zurück als nur bis zur Schmalztollen- und Petticoats-Epoche. Drusus und Augustus sind hier durchgekommen, Luther und viele andere auch. Ein »Walk of fame« durch 2000 Jahre Friedberger Geschichte könnte sich Keller vorstellen. Oder ein »Fenster zur Geschichte«: ein beleuchteter Schacht, abgedeckt von einer Glasplatte, der einen Blick ins Mittelalter oder die Römerzeit erlaubt. Wobei unsicher ist, wie sich die baulichen Relikte im Boden erhalten.

Zwei weitere Ideen – die bislang nur dies sind – nannte der Bürgermeister: Die Umrisse des Waaghauses, zentraler Ort des Warenumschlags in der ehemaligen Freien Reichs- und Messestadt, könnten im Boden nachgezeichnet werden. Und dann die beiden Bronzefiguren: Wie die Gießener »Drei Schwätzer« könnten Babba Hesselbach und King of Rock’n’Roll in Friedberg den Touristen als Fotomotiv dienen – und die Friedberger daran erinnern, dass sie eigene Stars haben.

Kunststeinpflaster

Der Elvis-Presley-Platz erhitzt noch immer die Gemüter. Die Gestaltungsvorschläge und der Planentwurf könnten zur Beruhigung beitragen. »Wir nehmen noch Vorschläge auf«, sagte Keller der WZ. Es geht darum, dass die Friedberger ihren wichtigsten Platz annehmen, ihn mit Leben füllen. Der Planentwurf umfasst nur noch 3000 statt der ursprünglich vorgesehenen 4000 Quadratmeter; das Reuss-Gelände bleibt zunächst ausgespart.

Zwischen den beiden vorhandenen großen Platanen wird es fünf Teilflächen geben. Die Laufflächen vor den Geschäften werden mit Kunststeinpflaster belegt. »Völlig eben«, wie Keller betonte, »fugen- und barrierefrei«.

Das Band zwischen Bankautomat und »Café Rund«, der Toilettenanlage, gliedert sich in vier Bereiche. Die »Kleine Freiheit« kann wie bisher als Standort für Infostände dienen, daneben sollen auf einer Litfasssäule der Stadtplan und andere Friedberger Informationen präsentiert werden. Keller: »Da hängt später kein Marlboro-Mann.« Möglich, dass das »Café Rund« saniert wird. Der Magistrat will die Kosten schätzen lassen.

In den 1920er-Jahren sei dies ein Blumenladen gewesen, erinnerte Keller. Vielleicht wird’s mal ein Bistro. Sein Gegenüber, der Bankautomat, wird Ende Juli abgerissen. Am anderen Ende des Plangebiets soll auf jeden Fall wieder ein etwa sieben Mal sieben Meter großer Baukörper stehen. Denkbar wäre eine neue Toilette, wenn das »Café Rund« anders genutzt wird. Aber auch ein Bistro, ein Infopoint oder, wie bisher, ein Geldautomat sind möglich.

Beide Gebäude werden von Bäumen flankiert, hier zehn, dort acht Platanen, die ein Dach bilden. Gemäß Denkmalschutz muss Natursteinpflaster verlegt werden. Für eine Stadt auf einem Basaltfelsen bietet sich Basalt an. Aber auch dies möglichst in anderer Gestalt als bisher, sprich: begehbar. Eine Außenbewirtschaftung unter Bäumen ist denkbar und gewünscht.

Wasserspiele

Der mittlere Bereich zwischen den Baumgruppen ist der zentrale, offene Platz, 18 mal 30 Meter groß, hier mit Kunststeinbelag befestigt und durch ein größeres Plasterformat optisch von den restlichen Flächen abgehoben. Es dürfte der Lieblingsort aller Kinder im Sommer bei Temperaturen wie den aktuellen sein: Ein Wasserspiel ist hier vorgesehen, im Boden versenkbar. Hier könnte aber auch die Eislauffläche bei einer Neuauflage der »Eisweihnacht« stehen. Oder eine Bühne. Oder eine Videoleinwand für Public Viewing bei der nächsten Fußball-WM.

Hans-Walter Hilcken vom Stadtbauamt erläuterte die Standorte der Lampen, mittelhoch an den Laufflächen, höher an der Kaiserstraße (die so verlegt wird, dass der westliche Bürgersteig breiter ausgebaut werden kann). In den 18 Baumscheiben sind Bodenstrahler vorgesehen, die Stromversorgung wird in Laternen oder Bänke integriert, die um den zentralen Platz herum angeordnet werden. Auch auf den Natursteinflächen vor den beiden Gebäuden sollen Bänke stehen.

Für das Gebäude will die Stadt ein Interessensbekundungsverfahren einleiten. Dann folgt die Ausschreibung, und im Herbst könnten die Arbeiten beginnen.

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