»Aus Spa? Obdachlosen zusammengeschlagen

Wetzlar/Limburg (dfl). Am Limburger Landgericht wurden am Mittwoch zwei Angeklagte aus Wetzlar wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu Jugendstrafen von fünf Jahren Haft mit Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sowie vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Die beiden zur Tatzeit 18-Jährigen hatten in der Nacht zum 20. Juli vorigen Jahres in Wetzlar aus nichtigen Gründen mehrfach auf einen Obdachlosen eingeschlagen, gegen Körper und Gesicht getreten und ihn schwer verletzt. Nach Überzeugung es Gerichts handelten die beiden Heranwachsenden aus niederen Beweggründen.

Sie hätten ihren Spaß daran gehabt, über das Leben eines wehrlosen Menschen am Rande der Gesellschaft nach Belieben verfügen zu können, diesen fast 20 Minuten schwer misshandelt und dabei dessen Tod in Kauf genommen. Dieses Verhalten stehe sittlich auf niedrigster Stufe.

Der 55-jährige Obdachlose hatte unter einer Brücke der B 49 gerade sein Nachtlager bereitet, als ihn die alkoholisierten jungen Männer angriffen. Im Verlauf der Prügelattacken, die teils in Wrestling-Manier erfolgten, hatten sie ihm eine Glasflasche auf dem Kopf zerschlagen und mit einem vier Kilogramm schweren Holzpfosten traktiert. Sie entrissen dem Opfer seine Habe und warfen sie in die hochwasserführende Dill.

Opfer ist verschwunden

Der 55-Jährige konnte nicht als Zeuge vernommen werden, weil sein Aufenthaltsort nicht bekannt war. Ein Polizeibeamter hatte berichtet, das Gesicht des Mannes sei so entstellt und unkenntlich, seine Augen zugeschwollen gewesen, sodass ein Alkoholtest gar nicht möglich gewesen sei. Eine Anwohnerin hatte als Zeugin ausgesagt, die beiden Angeklagten hätten noch auf den Mann eingetreten, als dieser bereits wehrlos auf dem Boden lag.

Das Gericht kreidete ihnen an, dass sie vom Vorsatz eines versuchten Mordes nicht zurückgetreten seien und sich nicht einmal nach seinem Befinden erkundigt hätten. Die Angaben des jüngeren Angeklagten, er habe sich unmittelbar danach bei dem Opfer entschuldigt, sei widerlegt.

Zerrüttete Familien

Das Gericht schloss sich dem psychiatrischen Sachverständigen an, der bei beiden Angeklagten trotz ihres genossenen Alkohols keine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit feststellen konnte. Der neun Monate ältere junge Mann, der auch Drogen konsumiert habe, sei zudem alkoholgewöhnt. Bei ihm besteht nach Einschätzung des Gutachters eine beginnende Alkoholabhängigkeit und bei einer Nichtbehandlung die Gefahr weiterer Straftaten.

Ihm wurden bereits wegen Körperverletzung und sexuellem Missbrauch von Kindern Jugendarrest und Arbeitsmaßnahmen auferlegt. »Ohne nachhaltigen Erfolg«, wie die Vorsitzende Richterin Karin Walter am Mittwoch ausführte. Bei beiden Angeklagten lägen erhebliche schädliche Neigungen vor, sie hätten keine Hemmschwelle. Während sich ersterer durch eine Lehrstelle sowie eine Freundin gefangen zu haben schien, bestehe bei dem anderen noch ein sehr hoher Erziehungsbedarf. Bei ihm, der zuvor kein Gewaltdelikt aufzuweisen hatte und sich am Tag seiner Festnahme bei der Bundeswehr vorstellen wollte, sei eine Ausbildung in einem geschützten Rahmen angeraten.

Die Vorsitzende Richterin wies auf die schwierigen Lebensläufe beider junger Männer hin, die in zerrütteten Familien aufgewachsen seien. Der Ältere habe bis zu seinem 15. Lebenslauf fünf Heime durchlaufen, weil er wegen seiner Aggressivität nicht tragbar gewesen sei. »Drogen und Alkohol haben ihm geschadet«, sagte Walter. Der andere sei von seiner Mutter verstoßen worden, habe die Schule geschwänzt und abgehangen.

Die Richterin weiter: »Beide trafen sich nachmittags zum Alkoholtrinken, um mal zu sehen, was der weitere Abend bringt. So war es auch an jenem Tag mit der Wodkaflasche am Bahnhof.«

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