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Arztnotruf (A.N.R) kann über 100 Todesfälle pro Jahr verhindern

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Wetzlar (ür). Der Arztnotruf (A.N.R.) Lahn-Dill hilft, dass bis zu 109 Todesfälle pro Jahr vermieden werden können.

Wetzlar (ür). Der Arztnotruf (A.N.R.) Lahn-Dill hilft, dass bis zu 109 Todesfälle pro Jahr vermieden werden können. Zu diesem Ergebnis kommt ein neues Gutachten des Münchener Instituts für Gesundheitsökonomik. Der Direktor des Instituts Prof. Dr. Günter Neubauer bescheinigt dem A. N. R.-System, es beseitige eine Vielzahl von Schwachpunkten einer herkömmlichen Integrierten Zentralen Leitstelle. Weil zusätzlich ein erfahrener niedergelassener Arzt in der Leitstelle anwesend ist, könne Anrufern schneller und kompetenter geholfen werden.

Der Arzt besitze die Möglichkeit, anhand der vorliegenden Indikation fallindividuell über die notwendige Versorgungsform zu entscheiden. »Da dadurch die Anzahl an Fehleinsätzen minimiert wird, ist eine optimale Versorgungsform bei gleichzeitig hoher Verfügbarkeit der Rettungsstrukturen sichergestellt«, heißt es in dem vom hessischen Krankenhausverbund in Auftrag gegebenen Gutachten. 240 niedergelassene Ärzte sind in dem A.N.R.-System integriert.

Der A.N.R. sorge dafür, dass die Zeit bis zur Erstbehandlung eines Patienten verkürzt werde. Der damit verbundene frühere Therapiebeginn wirke für eine Vielzahl an Notfallpatienten lebensrettend, da durch die modifizierte Leitstellenstruktur bei einigen Notfällen das damit schlimmstenfalls verbundene Ableben zu vermeiden ist. Den Modellberechnungen zufolge betrifft dies allein im Lahn-Dill-Kreis jährlich 40 bis 66 Herzinfarkte und acht bis 21 Schlaganfälle. Sollte das System der Arzt-besetzten integrierten Leitstelle des A.N.R. auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden, so erhöhe sich die Zahl der geretteten Menschenleben pro Jahr auf 45 000.

Der Arzt in der Leitstelle Arzt könne den hilfesuchenden Bürgern bereits beim Absetzen des Notrufs fachlich fundierte Handlungsanweisungen geben, was ebenfalls das Ausmaß des Notfalls und damit die Heilungschancen des Notfallpatienten verbessere. Das Einbeziehen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes sei auch unter finanziellen Gesichtspunkten sinnvoll. So ließen sich Fehleinsätze minimieren. Einsparungen bei Medikamentenkosten und verminderte Ausgaben für Krankenhausbehandlungen seien sehr wahrscheinlich.

Darüber hinaus würden auch die Personalkosten der Notfallversorgung reduziert und die gemeinsamen Fixkosten gesenkt. Ausgaben für Neuanschaffungen ließen sich vermeiden oder verzögern. Der A.N.R.-Vorsitzende für die Region Lahn-Dill, Georg Müller (Albshausen), stellt mit Verwunderung fest, dass auch nach zehn Jahren erfolgreicher Arbeit und offensichtlichen Vorteilen die Krankenkassen noch immer das System nicht anerkennen sondern die Zahlungen senken wollen. Statt der erforderlichen mindestens 650 000 Euro pro Jahr für ärztliche Tätigkeit, Leitstellendisponenten und Organisation haben sie angekündigt zukünftig lediglich nur noch 250 000 Euro für die Disponenten in der Leitstelle zu zahlen.

Dies bedeute das Aus für den A.N.R. nach zehn Jahren erfolgreicher Arbeit. Der A.N.R. spare den Krankenkassen jährlich über zwei Millionen Euro ein für Pharmakotherapie, bei Krankenhauseinweisungen und im Rettungsdienst. Eine Abschaltung der Arzt-besetzten integrierten Leitstelle wäre somit einer Verschwendung von Versichertengeldern gleichzusetzen, zumal die Einsparung über einen Zeitraum von zehn Jahren rechnerisch nachgewiesen sei. Die Argumentation der Krankenkassen, die ärztliche Versorgung zu Unzeiten unterhalb der Notarztschwelle sei Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung und somit auch in deren Finanzbereich, könne nicht nachvollzogen werden.

so Müller, zumal die nachgewiesene Qualitätsverbesserung und die besonders hohe Qualität der Notdienstversorgung im Lahn-Dill-Kreis es nicht zu ließen, dass die Kassenärztliche Vereinigung lediglich in einer hessischen Region aus eigenen Mitteln dieses hervorragende System stützt. Eine Eigenfinanzierung durch die niedergelassenen Ärzte des Lahn-Dill-Kreises komme ebenso nicht in Frage.

Eine Abschaltung des A.N.R.-Systems habe das dramatische Opfern vieler Menschenleben, die drastische Verschwendung von Versichertengeldern sowie eine unverantwortliche Qualitätsverschlechterung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung des Lahn-Dill-Kreises außerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen zur Folge.

In anderen Regionen sei das Interesse an dem Notrufsystem des Lahn-Dill-Kreises ungebrochen. Noch im September wird eine Abordnung des A.N.R zusammen mit Kreisbrandinspektor Rupert Heege einer Anfrage des Chefarztes des Klinikums im Landkreis Freiberg bei Dresden nachkommen und das System dort vorstellen. US-Senator David Durenberger, der sich bei seinem Besuch im Juni begeistert über dieses System äußerte, will einen Aufbau in den Vereinigten Staaten ermöglichen. (Foto: ür)

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