Aprilfrost gefährdet die Obsternte in Hessen

Frankfurt (dpa/lhe). Auf das milde Frühlingserwachen im März folgte im April der Kälteschock. In Hessen fiel das Thermometer bis auf minus 6 Grad.

Das macht jetzt vielen Obstbauern Probleme. »Ernteausfälle gibt es auf jeden Fall. Wir rechnen im Moment mit Verlusten zwischen 30 und 50 Prozent«, sagte Berthold Heil vom Landesverband für Erwerbsobstbau am Donnerstag. Vor allem bei Erdbeeren, Süßkirschen, Johannisbeeren und Zwetschgen seien die Erträge gefährdet. »Es gibt zwar noch keinen Grund zur Panik, aber die Obstbauern sind nervös.«

Kopfschmerzen bereite den Bauern vor allem der späte Wetterumschwung, erklärt Erika Krüger-Steden vom Fachgebiet Obstbau der Forschungsanstalt Geisenheim. »Wir hatten einen außerordentlich warmen März.« Die Knospen seien früh ausgetrieben und hätten früh damit begonnen zu blühen. »Dann kam in der vergangenen Woche die Kälte zurück und viele Blüten erfroren.«

Auch auf tierische Unterstützung können sich die Obstbauern im Moment nicht verlassen. »Bei diesen Temperaturen fliegen kaum Insekten, die die Blüten bestäuben können«, sagt Krüger-Steden. Bienen seien zum Beispiel erst ab 16 Grad Celsius unterwegs.

Und bleibt der April so frostig wie bisher? Hans Helmut Schmitt, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst, erwartet zumindest auf kurze Sicht günstigeres Wetter für die Landwirte: »Die Tendenz geht in den nächsten Tagen zu wärmerem, aber wohl auch weiterhin unbeständigem Wetter.«

Doch nicht alle Bauern sind von der kalten Witterung betroffen. Viele Apfelbäume – in Hessen der größte Posten beim Obstanbau - blühen erst im Mai und stecken den Aprilfrost deshalb gut weg. Maike Pfannmüller von der Rhöner Apfelinitiative bleibt deshalb optimistisch: »In der Rhön ist die Apfelblüte Mitte Mai. Und wenn es da nicht reinfriert, dann erwarten wir eine gute Ernte.«

Außerdem spreche die Statistik dafür, dass 2012 ein erfolgreiches Jahr für die Apfelbauern wird. »Eigentlich haben wir alle vier Jahre gute Erträge – und das letzte Rekordjahr war 2008«, sagt Pfannmüller. »Die Bäume konnten sich jetzt drei Jahre lang erholen und wieder alles geben.«

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