Angebot für Leihfahrräder in Hessen wächst stetig

Kassel (dpa/lhe). Ob Sportler, Geschäftsmann oder Tourist – in hessischen Städten setzen sich mit steigenden Temperaturen wieder mehr Menschen aufs Fahrrad.

Es muss nicht unbedingt das eigene sein: »Leihfahrradsysteme sind ein enormer Wachstumsmarkt und wir stehen noch ziemlich am Anfang der Entwicklung«, sagte Prof. Carsten Sommer, Verkehrsforscher an der Universität Kassel. In Paris und Barcelona – Europas Vorreitern beim öffentlichen Fahrradverleih – werde ein Rad im Schnitt sechsmal am Tag ausgeliehen.

Die hessischen Städte sind zwar beim Verleih der Zweiräder noch nicht ganz so weit, doch es gibt bereits verschiedene Angebote: Sie unterscheiden sich vor allem darin, ob – wie beim »Call a bike« der Deutschen Bahn in Fulda – die Räder wieder am Bahnhof abgegeben werden müssen oder es aber wie bei »nextbike« in Frankfurt oder »Konrad« in Kassel viele Stationen in der Stadt gibt. Eine derartige Offerte gibt es auch in Offenbach, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

In Kassel ist »Konrad« erst vor kurzem in Betrieb genommen worden. Dort stehen nun 500 Räder an 50 Stationen bereit. Rund 1500 Menschen haben sich bislang angemeldet, wie die Stadt mitteilte. »Konrad« sei eine sinnvolle Verknüpfung von Fahrrad und Öffentlichem Nahverkehr, betonte ein Sprecher.

In Frankfurt und Offenbach bietet das bundesweit tätige Unternehmen nextbike zusammen rund 350 Leihräder an. In beiden Städten gibt es dutzende Stationen, an denen die Räder zurückgegeben werden können. Zudem können die Räder in Frankfurt gemietet und in Offenbach abgegeben werden – und umgekehrt. 2011 wurden in den beiden Städten zusammen mehr als 10 000 Mal Räder geliehen, wie eine nextbike-Sprecherin sagte.

Der nach eigenen Angaben größte Anbieter von Leihfahrrädern in Hessen ist die Deutsche Bahn. An sechs ICE-Bahnhöfen (Frankfurt, Darmstadt, Fulda, Hanau, Kassel und Wiesbaden) stehen »Call-a-bike«-Räder. Allein in Frankfurt sind es rund 1000 für 47 000 angemeldete Nutzer. In der größten Stadt Hessens bietet die Bahn insgesamt 72 Rückgabeorte an. Rund 290 000 Fahrten wurden 2011 in Frankfurt mit den DB-Rädern unternommen.

Das größte Hemmnis sei oft, dass die Nutzer nicht wissen, wie die Ausleihe funktioniert, sagte eine Bahnsprecherin. Das System werde aber zunehmend einfacher: In Frankfurt sind die Schlösser der DB-Räder seit dem Saisonstart in diesem Jahr mit GPS-Technik ausgestattet. Damit entfällt der bis dahin nötige Rückgabeanruf, bei dem man die Position durchgeben musste.

Auch in Hanau gibt es die Leihfahrräder der Bahn. Im Rathaus arbeite man derzeit an einem städtischen Konzept für ein betriebliches Mobilitätsmanagement nach dem Vorbild Darmstadts, sagte ein Stadtsprecher. Er hoffe, dass das Projekt noch in diesem Jahr starte. Denn Darmstadt plant ebenfalls – hier ist ein Leihfahrradsystem mit Schwerpunkt E-Bikes sogar Bestandteil des Koalitionsvertrags. Geplant ist laut Darmstadt Marketing eine Kooperation mit den Touristikgebieten Bergstraße und Odenwald. Mit geliehenen E-Bikes soll man künftig von Südhessen bis Heidelberg radeln können.

In Giessen gibt es kein städtisches Angebot. Man habe sich für das Geld aus dem Bundesprojekt beworben, aber keinen Zuschlag erhalten. »Das ist allein aus städtischen Mitteln nicht zu wuppen«, sagte ein Sprecher. Ein Fahrradladen aber würde zum Beispiel auch E-Bikes verleihen. In Fulda verweist man bei Touristenanfragen auch auf Fahrradläden. »Die Angebote der privaten Anbieter reichen aus«, sagte ein Stadtsprecher. Allerdings sei Fulda wegen seiner Topographie keine typische Fahrradstadt.

Auch wenn noch nicht alle Städte mitziehen ist Verkehrsexperte Sommer sicher, dass der öffentliche Fahrradverleih bald ein fester Betsandteil der Fortbewegung sein wird: »Es wird in Zukunft eine Integration von Nahverkehr, Fahrradverleih und Carsharing geben. Das heißt, mit einem Ticket wird man alle diese Systeme nutzen und leicht von einem auf das andere Verkehrsmittel wechseln können.«

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