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Alles eine Frage des Preises

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Nidderau (jwn). In der Bürgerversammlung zur Nidderauer Neuen Mitte sollte die stolze Bilanz einer Erfolgsgeschichte verkündet werden. Das Interesse der Bevölkerung war riesengroß, fast 500 Bürger waren gekommen. Doch dann kippte eine einfache Zahl – der Verkaufspreis für die geplanten Wohnungen – die Stimmung.

Insgesamt 160 Geschosswohnungen sollen in der Neuen Mitte von Nidderau entstehen, je zur Hälfte von einem schwedischen Bauträger und einem aus Altenstadt. »Um die 3200 Euro pro Quadratmeter, zuzüglich Einstellplatz und Sonderwünsche werden wir wohl als Kaufpreis für die Wohnungen verlangen müssen«, rückte Hendrik Albus, der Projektleiter des schwedischen Immobilienunternehmens NCC auf Nachfragen aus Publikum zögernd mit den Preisvorstellungen seines Arbeitgebers heraus. Die 80 Eigentumswohnungen will sein Unternehmen am Rande des neuen Stadtplatzes im neuen Stadtzentrum von Nidderau in den kommenden Monaten erstellen. Und zwar 19 Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 65 Quadratmetern, 44 Drei-Zimmer-Wohnungen zwischen 78 und 90 Quadratmetern sowie 17 Vier-Zimmer-Wohnungen zwischen 100 und 120 Quadratmetern. Alle Wohnungen sollen zwar barrierefrei, jedoch aus Kostengründen nicht behindertengerecht erstellt werden. Kommentar des DRK-Kreisvorsitzenden Bernd Reuter: »Das sollten Sie sich aber wirklich noch einmal überlegen.« Einzige Sonderausstattung ist die Passivbauweise, die die Heizkosten erheblich absenken soll.

»Es hat halt alles seinen Preis, auch die Passivbauweise«, versuchte Bürgermeister Gerhard Schultheiß die Fragen nach bezahlbarem Wohnraum abzuwehren. Die Stadt plane dafür an vier anderen Standorten Sozialwohnungen. Und die seien nicht nur für Flüchtlinge vorgesehen. Zudem bereite auch der Kreis eine Aktion zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums vor, an der sich die Stadt aller Voraussicht nach beteiligen werde.

Noch 19 Grundstücke frei

Wie wichtig den Bürgern dieser Komplex war, zeigte sich auch daran, dass sich fast alle Nachfragen darauf konzentrierten. So wollten viele ältere Bürger wissen, ob die Wohnungen über Fahrstühle zu erreichen seien, ob auch an betreutes Wohnen gedacht worden sei und ob die Wohnungen über ausreichend breite Türen für Rollstühle oder Rollatoren verfügen würden. Viele Fragen konnte Albus mit Ja beantworten, bei den meisten aber hieß es »Das ist alles eine Frage des Preises. Machbar ist alles.«

Nach der Veranstaltung herrschte dann nur noch großes Kopfschütteln. »Welcher Rentner oder welche junge Familie kann sich denn so etwas leisten. 400 000 Euro für eine Wohnung – da wird es viel Leerstand geben«, meinte ein Bürger voraussagen zu können. Dabei hatte die Bürgerversammlung in positiver Erwartung angefangen. Bürgermeister Schultheiß freute sich über das übermäßig große Interesse. »Es ist die neunte Versammlung zu der Neuen Mitte. Aber so groß war der Andrang noch nie.« 50 Baugrundstücke seien bereits verkauft, 52 reserviert und nur noch 19 Grundstücke frei. Wenn alles verkauft sei, würde der Stadt ein Reingewinn von über drei Millionen Euro bleiben. Geld, das allen Stadtteilen dann zugute komme.

Am 2. Juni soll der erste Bauabschnitt, nämlich das Ladenzentrum, fertig sein und die 22 Geschäfte ihre Türen dann öffnen können. 19 Mieter stünden bereits in den Startlöchern und warteten nur noch auf die Übergabe. Den Name eines Mieters aus dem Bereich der Gastronomie durfte Henning Christiansen, der Projektleiter des Investors HBB, nicht preisgeben, weil der Geschäftsinhaber eine Eröffnungsüberraschung plant.

. Nicht fristgerecht fertig wird die »Sky-Lounge«, das neue Wahrzeichen der Stadt. Hier hätten sich die Vertragsverhandlungen mit dem Pächter »schwieriger gestaltet«.

Neue Buslinie

Einen Gang langsamer geht das zweite Unternehmen, das die Ausschreibung für weitere Geschosswohnungen in der Neuen Mitte kürzlich gewonnen hat, die Firma VT Ingenieurbau aus Altenstadt, das Vorhaben an. Sie will sieben dreigeschossige Häuser entlang des Grüngürtels mit jeweils elf Eigentumswohnungen errichten. Starten will sie mit zwei Häusern, denn auch sie wird ihre Wohnungen für einen Quadratmeterpreis von knapp unter 3200 Euro anbieten.

Als alle Fragen aus dem Publikum beantwortet waren, stellte Erste Stadträtin Monika Sperzel die neue Busverbindung zur Stadtmitte vor. Diese Buslinie ist ein Versuch, der zeitgleich mit der Eröffnung der neuen Stadtmitte startet und ein halbes Jahr dauern soll. Verbinden soll er die Stadtteile Erbstadt, Eichen und Ostheim mit der Neuen Mitte und eine Lücke schließen. Denn der bisherige Linienbus 562 Hanau-Nidderau wird ab Herbst nur noch verkürzt fahren.

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