Albert Hammond und seine Band überzeugen mit einem schier unerschöpflichen Repertoire, bieten ein bezauberndes Programm.	(Foto: ik)
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Albert Hammond und seine Band überzeugen mit einem schier unerschöpflichen Repertoire, bieten ein bezauberndes Programm. (Foto: ik)

Albert Hammond zündet Hit-Feuerwerk

Butzbach. – 70 Jahre und kein bisschen leise: Albert Hammond, der sich schon in den 70er Jahren mit Hits wie »It never rains in Southern California«, oder »I’m a Train« in den Olymp der Singer-Songwriter-Legenden katapultierte, lieferte am Samstagein grandioses Gastspiel in der mit rund 450 Zuhörern ausverkauften Alten Turnhalle.

Möglich gemacht hatte das die Aktionsgemeinschaft für Kinder und Jugendliche (AGKJ). Für seine sechste Benefizveranstaltung in Folge landete der Rockenberger Verein mit dem Gastspiel des Briten, der in Gibraltar aufwuchs und heute in Los Angeles lebt, einen genialen Coup – die Fans freuten sich über satte eineinhalb Stunden Hit an Hit. »Nebenbei« brachte der Erlös dank des Einsatzes von rund zwei Dutzend Sponsoren und fast 40 Helfern insgesamt 10 000 Euro für drei soziale Projekte in Butzbach und Gießen.

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Bei oberflächlicher Rückschau könnte man meinen, der »flotte Feger« in Stoffturnschuhen, Jeans und Lederjacke sei den Butzbachern keinen seiner größten Hits schuldig geblieben.

Fehlanzeige – denn Albert Hammond hat in fast fünf Jahrzehnten nicht nur für sich selbst, sondern auch für Kollegen wie Whitney Houston (»One Moment in Time«) einige der bekanntesten Popsongs aller Zeiten komponiert. Da kommt schon einiges zusammen. Für seine »Songbook«-Tour hat der begnadete Sänger und Gitarrist deswegen praktischerweise ein »Best of« zusammengestellt, das einen bemerkenswerten Querschnitt bietet und den aus ganz Mittelhessen angereisten Zuhörern immer wieder anerkennenden Beifall abtrotzte.

Alles, was dieser Oldie« tun möchte, ist – so scheint’s – singen; der Einstieg hätte mit »Everything I want to do« nicht besser gewählt sein können. Im Parforceritt geht es weiter durch die Popgeschichte: »Down by the River«, einer der ersten Umweltschutz-Songs – der Saal kocht; alle machen mit. Als Mensch gewordene Hitmaschine, kaum 1,65 Meter groß, ist der 70-jährige »Peacemaker« in seinem Element. Wie ein Newcomer hüpft er über die Bühne, dreht sich mit seiner Gitarre im Kreis, erzählt oft heftig gestikulierend.

Blind kann sich der überaus agile Maestro auf die Jungs an seiner Seite verlassen: Daniel Serrano (Keyboards, Gitarre), Juanjo Melero (Gitarre), Carlos Solano (Bass) und Rafael de la Cruz (Schlagzeug) sind nicht nur wahre Tausendsassas auf ihren Instrumenten – sie rocken das Haus auch mit ihrem fabelhaften Satzgesang. Der kommt besonders gut bei »The air that I breathe« (The Hollies), »When I need you« (Leo Sayer) oder »Nothing’s gonna stop us now« (Jefferson Starship) zur Geltung. Es geht Schlag auf Schlag: Die »Good old days« werden beschworen, Erinnerungen an »99 Miles from L. A.« ausgetauscht oder Songperlen wie »Gimme that thing« (das »One-Hit Wonder« der Pipkins von 1970) zelebriert.

Die Stimmung angefeuert hatte zunächst Meetoo, die Acoustic Coverband aus der Wetterau.

Miriam Abel-Zapf (Gesang), Andreas Becker (Gitarre), Patrick Zapf (Stage Piano), Oliver Zapf (Cachon, Percussion) und Wolfgang Langsdorf (Bass) heizten dem Publikum unter anderem mit Songs von Melissa Etheridge (»Bring me some water«) und Gary Moore (»Walking by myself«) ein.

Vor dem Auftritt von Albert Hammond wurden Spenden überreicht – nicht ohne Stolz wies AGKJ-Vorsitzender Richard Graubert auf den stattlichen Erlös hin, der nun benachteiligten Kindern und Jugendlichen zugutekommt. Über 4000 Euro für die Arbeit in seinem integrativen Montessori-Haus darf sich der Sozialdienst katholischer Frauen in Gießen freuen, insgesamt 6000 Euro gehen an zwei soziale Projekte in Butzbach.

Albert Hammond und seine Band überzeugten mit einem schier unerschöpflichen Repertoire, boten ein bezauberndes Programm. Schade nur, dass es in der Alten Turnhalle bisweilen zuging wie auf dem Katharinenmarkt. Während Albert Hammond zwischen den Songs aus seinem Leben erzählte, wurde hemmungslos und laut drauflos geplappert. Das mag man vielleicht dem Umstand schulden, dass das Konzert unbestuhlt war. Sorry Leute, aber so geht man nicht mit einem Weltstar um. Gabi Krämer

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