fff_Abrissparty02_030521_4c_1
+
Der Albatros nimmt Abschied vom alten Rebstockbad: Michael Groß war schon bei der Eröffnung 1982 dabei.

Abriss-Party mit Olympiasieger

  • vonRedaktion
    schließen

Nicht zu jeder Abriss-Party kommt ein Olympiasieger. Doch Michael Groß hat sofort zugesagt, als er gefragt wurde, ob er dem altehrwürdigen Rebstockbad Tschüss sagen wolle.

Hier habe ich 1991 meinen letzten Wettkampf bestritten«, erinnert sich Michael Groß, genannt der Albatros, am vergangenen Freitag, dem letzten Tag des Rebstockbads. Auch bei der Eröffnung am 13. November 1982 war der gebürtige Frankfurter mit dabei und hat davon viele Bilder im Kopf, weil seinerzeit das »Aktuelle Sportstudio« des ZDF live gesendet hat: »Das war wirklich großes Kino. Hier standen so viele Übertragungswagen, man dachte, es müssen die Olympischen Spiele sein.« Reporterlegende Harry Valérien moderierte, und geprobt wurde schon drei Tage vorher.

Knapp 39 Jahre und 22 Millionen Badegäste später ist der Auflauf nicht mehr ganz so groß, aber viele Angestellte der Bäderbetriebe sind gekommen, um sich von dem Bad zu verabschieden. Wie etwa Armin Vessali. Der heutige Betriebsrat der Bäderbetriebe hat 1996 seine Ausbildung im Rebstockbad begonnen. »Ein bisschen Schmerz ist da, das war mein zweites Zuhause.« Doch die Notwendigkeit eines Neubaus sei nun einmal auch da.

Das sieht auch der Olympiasieger von 1984 und 1988 so. Als Aushängeschild des deutschen Schwimmsports war er in den 80er und 90er Jahren bei vielen Schwimmbaderöffnungen dabei. Seinerzeit sei es »in« gewesen, Profis und normale Badegäste unter ein Dach zu bringen. »Nach 40 Jahren ist man schlauer«, sagt Groß, der das neue Konzept mit getrennten Becken für planschende und trainierende Gäste als »absolut notwendig« erachtet.

Drinnen noch chic

Boris Zielinski, der Chef der Bäderbetriebe, wirbt daher auch für den Neubau. Um den Abschiedsschmerz zu lindern, verrät er schon mal, dass es entgegen der ursprünglichen Planung im Außenbereich des neuen Rebstockbads ein zusätzliches Becken geben soll. Also nicht nur eine Schleuse zum Rausschwimmen, sondern »ein richtiges Freibadbecken mit 20, 25 Meter Länge«. Sportdezernent Markus Frank (CDU) findet, das sei in der wachsenden Stadt angemessen, die Nachfrage sei da.

Dem Sportdezernenten ist auch etwas nostalgisch zumute. Die Eröffnung des Rebstockbads 1982 hat der damals 13-Jährige vor dem Fernseher verfolgt. Später hat er seinen beiden Töchtern in Frankfurts größtem Bad das Schwimmen beigebracht. In den vergangenen Jahren war Frank aber meistens damit beschäftigt, das marode Bad irgendwie in Betrieb zu halten. Das Gerüst an der Rückseite des Bads, mit dem das Dach gestützt wird, spricht Bände. Doch für das Rebstockbad gilt: Außen pfui, innen hui. Darauf versucht auch Stadtrat Frank vorzubereiten, bevor er die Abrissgesellschaft ins Innere bittet. »Wenn Sie jetzt durchlaufen, sieht es toll aus.«

In der Tat, die Becken sind gefüllt, die Leinen gespannt. Noch Mitte letzter Woche haben die Sportvereine hier trainiert. Dann, am vergangenen Freitag, dem 30. April, 13.37 Uhr, ertönt eine letzte Durchsage: »Sehr geehrte Badegäste«, heißt es da, obwohl die Becken menschenleer sind. Dafür wird die Wellenmaschine ein letztes Mal angeschmissen. An den Beckenrändern werden Bilder von der wogenden Wasseroberfläche geschossen. Jetzt beginnt das Ausräumen. Das werde zwei bis drei Monate dauern, bevor im September der erste Baggerbiss geplant sei, verrät Zielinski. Viele Utensilien werden in anderen Bädern eingesetzt, inklusive der Spinde. Die Leistungsschwimmer dürfen ab sofort im Außenbecken des Riedbads trainieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare