Um die 6000 Besucher beim »Baustellenfest«

Gießen (cst). Die Landesgartenschau 2014 wirft weiter ihre großen Schatten voraus: Ab sofort ist das Betreten des beliebten Gießener Erholungsgebiets Wieseckaue nicht mehr möglich. Aufgrund der umfangreichen Um- und Neubaumaßnahmen auf den Flächen rund um den Schwanenteich bleibt nur schwerem Baugerät der Zugang offen.

»Als Entschädigung dafür, dass die Gießener auf die Wieseckaue verzichten müssen«, eröffnete Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Sonntag das »Baustellenfest«. Vorerst zum letzten Mal bis zur Eröffnung der LGS im nächsten Jahr hatten die Bürger und alle Interessierten die Möglichkeit, Fortschritte, Veränderungen und Neuerungen auf dem zukünftigen Ausstellungsgelände zu sehen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

224 Dauerkarten verkauft

»Der Endspurt für die LGS 2014 hat begonnen«, freute sich Dr. Anna Runzheimer vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei der Eröffnung des »Tags der offenen Baustelle«. Bei herrlichem Herbstwetter strömten laut Pressereferentin Beatrix Bauer um die 6000 Besucher auf das provisorische Ausstellungsgelände an der Ringallee. Gleichzeitig ertönte der Startschuss zum Dauerkartenverkauf. Schon am ersten Tag wurden 224 Karten abgesetzt. »Es hätten noch viel mehr sein können«, erklärt Bauer, »wenn wir EC-Kartenzahlung hätten anbieten können«.

Mit dem Baustellenfest sollte die Neugier auf die Gartenschau geweckt und ein Vorgeschmack auf das geliefert werden, was die Besucher im nächsten Jahr erwartet. Auf der Bühne sorgte die Trommelgruppe Bloco Baiano für den richtigen Rhythmus, Schlagersänger Thilo Weiß trat mit eigenen Liedern auf, und Axel Pfeffer nahm als »Schlammbeiser« die heimischen Politiker aufs Korn.

+++ Weitere Bilder vom »Baustellenfest« in der Galerie

Die Besucher lauschten jedoch vor allem den Worten der Experten und Verantwortlichen der LGS 2014 und nutzten die angebotenen Führungen, um sich mit der Neugestaltung des Areals vertraut zu machen. Katharina Neumann, gärtnerische Referentin der LGS, führte eine Gruppe durch den Park.

So entsteht laut Neumann auf dem für die Dauer der LGS unter Schotter begrabenen Fußballplatz der Spielvereinigung Blau-Weiß Gießen ein zentraler Ort der Landesgartenschau, wo im nächsten Jahr ein Gärtnermarkt und -treff, ein »Pavillon der Region« und »Molekulargärten« beheimatet sein werden. Außerdem werde dort ein Festzelt und Gastronomiestandort errichtet. Für die nötige Abwechslung sorge ein Musterfriedhof, auf dem 30 Mustergräber zu sehen sein werden.

Ebenso spannend klingen die Pläne für die sogenannte Wissenschaftsachse, die den Eingang an der Ringallee mit dem Schwanenteich verbindet. Geplant sind Felder mit einzelnen Themen und Pflanzenfamilien sowie Wissenschaftsquadrate, auf denen etwa ein grüner Hörsaal entsteht. Sogenannte Wechselflorflächen, also Pflanzflächen, die eine saisonale Bepflanzung bekommen, sorgen für das Couleur der Wissenschaftsachse, dessen Farbverlauf von rot nach blau-violett erfolgt.

Am Ende der Achse sorgt eine neue Brücke für die sichere Überquerung des Teiches und gewährt den Zugang zur Lichtkirche, deren Glocke die Besucher bereits beim Baustellenfest lockte. Wie schon bei der Landesgartenschau in Bad Nauheim soll eine mobile Kirche aus Holz das Publikum »einladen, um zu verweilen und Ruhe zu finden«.{newPage}

Farbenfrohe Wegeränder

Auffällig beim Rundgang um den Schwanenteich waren große Aussparungen an den Wegesrändern. Diese dienen laut Neumann ebenfalls als Wechselflorflächen. Weil Besucher der Landesgartenschau in Bad Nauheim kritisiert hatten, dass sie zu wenig Blüten sehen würden, werden in Gießen insgesamt 3500 Quadratmeter dieser Flächen für farbenfreudige Wegebegrenzungen sorgen.

Weitere wichtige Bestandteile einer LGS sind nach Neumann die Blumenschauen. Diese werden in Gießen auf dem ehemaligen Bolzplatz im Nordosten der Wieseckaue zu sehen sein. »Die Besucher werden immer eine vollständige Blumenschau sehen«, verspricht Neumann, denn das dafür vorgesehene Zelt sei zweigeteilt, damit Besucher in der einen Hälfte etwa die Verleihung der »Silbernen Rose« verfolgen und Gärtner in der anderen Hälfte eine neue Ausstellung aufbauen könnten. Außerdem räumte Neumann mit dem Gerücht auf, die Grünflächen dürften während der LGS nicht betreten werden. »Der Park soll genutzt werden«, erklärte sie und forderte die Teilnehmer der Führung auf, sich während der 163-tägigen Veranstaltung im kommenden Jahr eine Decke und eine Flasche Wein zu schnappen und diese auf den weitläufigen Grünflächen am Schwanenteich zu genießen.

»Durch die Landesgartenschau wird etwas Tolles für Gießen entstehen«, freute sich Dr. Runzheimer. Den Optimismus teilten jedoch nicht alle Besucher des Festes. Die Bürgerinitiative »Stoppt diese Landesgartenschau« nutzte den Besucheransturm, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Sie beklagt vor allem den »Entzug des Areals (Wieseckaue) für die Öffentlichkeit« und fordert daher, den Schwanenteich »aus der LGS-Umzäunung auszuklammern«.

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