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49-Euro-Ticket in Hessen: Starttermin, Gültigkeit und Finanzierung des Deutschlandtickets

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Von: Florian Dörr

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Was ist über die Einführung des 49-Euro-Tickets in Hessen bekannt? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Deutschlandticket.

Wiesbaden - Das 49-Euro-Ticket ist beschlossene Sache. Das sogenannte Deutschlandticket solle schnellstmöglich eingeführt werden, erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz Anfang November, nachdem sich Bund und Länder - zumindest halbwegs - auf die Finanzierung geeinigt hatten. Doch noch gibt es einige ungeklärte Punkte und im Raum stehende Forderungen. Auch in Hessen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Gültigkeit: Was sind die Eckdaten fürs 49 Euro teure Deutschlandticket?

Das 49-Euro-Ticket soll ein Nachfolger für das ausgelaufene 9-Euro-Ticket werden. Es soll dazu beitragen, dass mehr Menschen vom Auto auf Busse und Bahnen umsteigen. Die Idee: Für einen Fixpreis können Besitzer alle Linienbusse, U-Bahnen, S-Bahnen und Straßenbahnen sowie Nah- und Regionalverkehrszüge der 2. Klasse in Deutschland nutzen dürfen. Dazu gehören die Regionalbahn (RB), Regionalexpress (RE) und der Interregioexpress (IRE). Das digitale, bundesweit gültige Deutschlandticket ist für einen Einführungspreis von 49 Euro im Monat in einem monatlich kündbaren Abonnement vorgesehen.

Ticket
Das 49-Euro-Ticket für öffentliche Verkehrsmittel kommt erst im Frühjahr 2023 nach Hessen. (Symbolbild) © Michael Matthey/dpa

Besonderheiten: Müssen die Hessen beim Deutschlandticket etwas besonderes beachten?

Nein. Allerdings: Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) erwartet vor allem ein Plus an Nutzern aus anderen Bundesländern. „Hessen liegt in der Mitte Deutschlands und ist damit ein klassisches Durchreiseland.“ Damit könnten die Bahnstrecken in Hessen, sollte die Zahl der Bahnreisenden nach der Einführung des 49-Euro-Tickets etwa in den Ferien deutlich ansteigen, besonders belastet werden. Dennoch kommt auch bei ihnen die Idee grundlegend gut an: Für Prof. Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), ist der Bund-Länder-Beschluss zur Einführung eines Deutschlandtickets eine Revolution und eine Zeitwende für den ÖPNV in Deutschland. Beim Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) sieht man das 49-Euro-Ticket als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Verkehrswende. 

Fallstricke: Ist also alles vorbereitet für das 49-Euro-Ticket in Hessen?

Eher nicht. So heißt es beim RMV: „Das 9-Euro-Ticket hat gezeigt, dass besonders auf den Hauptachsen mehr Fahrgäste auch mehr Fahrten und längere Züge erfordern. Die Bestellung neuer Züge, die Ausschreibung der Verkehrsdienstleistungen und die Ausbildung von Personal braucht zeitlichen Vorlauf und eine langfristige Perspektive.“ Zur Erinnerung: Im Sommer gab es zeitweise chaotische Szenen in den teils völlig überfüllten Zügen in Hessen. Insbesondere beim Geld sehen die Verkehrsverbünde in Hessen entsprechend Nachbesserungsbedarf. So erklärt der NVV: „Aktuell reicht die vereinbarte Finanzierung durch Bund und Land nur für den Status Quo.“

Start: Wann kommt das Deutschlandticket nach Hessen?

Eigentlich war die Einführung des Deutschlandtickets bereits für Anfang 2023 geplant. Doch daraus wird nichts. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hat das geplante deutschlandweite 49-Euro-Ticket als „riesigen Fortschritt im öffentlichen Nahverkehr“ bezeichnet. Eine solch grundlegende Veränderung im Fahrkartenangebot der mehr als 70 deutschen Verkehrsverbünde brauche allerdings Zeit. Die Länder streben nun einen Start des Tickets spätestens zum 1. April 2023 an.

Preis: Sind 49 Euro ein guter Preis für das Deutschlandticket?

Die Reaktionen in Hessen auf den Preis von 49 Euro für das Deutschlandticket fallen gemischt aus. Es gibt auch deutliche Kritiker. Klaus Gagel von der AfD-Fraktion bezeichnete die Umsetzung des Tickets im hessischen Landtag zuletzt als einen „milliardenschweren Flopp“ und als eine „politische Fehlentscheidung“. Der Ticketpreis sei deutlich zu niedrig, um die Finanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs aufrechtzuerhalten. „Es wird vorhersehbar das Angebot an Service und Qualität verringern und damit die Attraktivität des ÖPNV weiter verschlechtern“, sagte er. Nach Ansicht der Fraktion der Linken hingegen ist der Preis des 49-Euro-Tickets zu hoch. „Von Armut betroffene Menschen spielen in den Überlegungen der Regierenden offenbar kaum eine Rolle“, sagte der verkehrspolitische Sprecher Axel Gerntke in Wiesbaden. (fd)

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